Kein Markt für Multikulti-Zeitschriften?

Ein seltenes Zeitschriften-Genre in Deutschland

Ende der 1990er Jahre setzte auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt ein regelrechter Boom von Zeitschriften ein, die auf Deutsch über türkisches Leben in Deutschland berichten wollten. Junge, hierzulande aufgewachsene Türken hatten die Absicht, so das klischeehafte Bild zurechtzurücken, das die deutschen Medien ihrer Meinung nach oft über ihre Landsleute und andere hier lebende Ausländer verbreiteten. Sie wollten Themen wie die doppelte Staatsbürgerschaft oder den Alltag junger Türken in Deutschland einmal aus eigener Sicht darstellen.

Zeitungsstand in Düsseldorf
Zeitungsstand in Düsseldorf Quelle: dpa

Den Anfang machte im April 1998 die Zeitschrift "Hayat", auf Deutsch "Leben". Sie erschien mit einer Auflage von 20.000 Exemplaren alle zwei Monate, und das bundesweit. Die Themenpalette reichte von Politik über Unterhaltung bis hin zu Kultur und Sport. Inhaltlich orientierte sich das in Art eines Lifestyle-Magazins gehaltene Blatt am türkischen Geschmack und berichtete fast ausschließlich über Themen, die das Interesse der türkischen Community in Deutschland erregen sollten. Ähnliches galt auch für die Zeitschrift "Türkis", die kurze Zeit später auf den Markt kam, allerdings nur im Ruhrgebiet.

Viele vergebliche Versuche

Im Oktober 1998 folgte dann die Zeitschrift "Etap", auf Deutsch "Etappe", die im großen Stil und mit erheblichem Medienrummel startete: 200.000 Exemplare der ersten Ausgabe wurden kostenlos an türkische Haushalte in Deutschland verteilt. Das achtzig Seiten dicke Hochglanzmagazin wollte in modernem Layout mit klaren Linien und großen Fotos die zweite und dritte Generation der Deutschtürken ansprechen: Mit Verbrauchertipps, Mode und Rezepten, Rätseln, Horoskopen und Musik, aber auch durch Themen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, immer aus dem Umfeld der türkischen Gemeinde in Deutschland.

Die Finanzierung sicherten sich alle drei Zeitschriften durch potente Geldgeber. Diese hofften, durch die Schaltung von Anzeigen an ein bislang ungenutztes Kundenpotenzial zu gelangen. Doch dies erwies sich als Trugschluss: Als die Magazine nicht die erhoffte Käuferresonanz fanden, wurde der Geldhahn kurzerhand abgedreht. Die Zeitschrift "Etap", die sich am längsten gehalten hatte, erschien zum letzten Male im Mai 2000 - nur anderthalb Jahre nach der ersten Ausgabe.

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