Keine Gewalt im Namen Allahs!

Gäste des "Forum am Freitag" zur Geiselnahme in Afghanistan

Gäste des "Forums am Freitag" nehmen Stellung zur Geiselnahme in Afghanistan. Sie sind sich einig: Kein Muslim kann solche Taten gut heißen oder rechtfertigen.

Bundeswehr in Afghanistan Quelle: dpa
Lamya Kaddor (02)


Die Taliban begehen ihre Verbrechen, wie auch die Geiselnahme in Afghanistan, im Namen Allahs. Das hält die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor für ein Unding: "Für mich zählen diese Menschen nicht als Muslime, sie sind in erster Linie Verbrecher! Und ich glaube wirklich nicht, dass es diesen Menschen um ihren Glauben geht. Denn das, was in Afghanistan passiert, ist alles andere als religiös motiviert, das ist eine politische Sache."

Celal Altun Quelle: ZDF


Das findet auch der Generalsekretär der Türkischen Gemeinde in Berlin, Celal Altun: "Das ist keinesfalls mit dem Islam vereinbar. So eine Tat kann keinesfalls gerechtfertigt werden und hat auch nichts mit dem Islam zu tun. Es ist einfach unmenschlich, so etwas zu tun und nicht zu tolerieren. Dass die gesamte muslimische Welt das nicht akzeptiert, davon gehe ich aus!"

Der Koran verbietet das Töten

Bekir Alboga, der Dialogbeauftragte der Türkisch-Islamischen Union, geht sogar noch weiter: "Es ist ausdrücklich verboten zu töten! Dies steht im Koran. Ich fühle mich dadurch in meiner religiösen Identität verletzt, wenn diese Menschen im Namen des Islam so etwas tun."

Mazyek Quelle: ZDF


Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sieht auch eher politische als religiöse Motive der Taliban: "In dieser verworrenen, kriegerischen Lage in Afghanistan erfahren viele Menschen zu Unrecht Leid. Aber das kann man nicht ausgleichen, indem man anderen unschuldigen Menschen Leid zufügt. Das ist kein islamisches Prinzip. Die Geiselnehmer müssen die Geiseln freilassen!"

Warum haben die Taliban überhaupt erst Geiseln genommen, wenn es mit dem Islam nicht vereinbar ist? Aiman Mazyek erklärt: "Der Grund für solche Taten liegt am Krieg. Die eigenen Grundsätze spielen keine Rolle mehr, sondern werden pervertiert und missbraucht. Man fühlt sich ungerecht behandelt und glaubt, man könne zurückschlagen." Darin herrscht in der islamischen Welt Einigkeit, sagen die "Forum am Freitag"-Gäste.

Warum so wenig Gegendemonstrationen?

Aber warum gibt es dann weltweit so wenig Proteste gegen die Taliban? Für Lamya Kaddor ist die Antwort einfach: "Zum einen, weil viele sagen, dass die Taliban ja keine richtigen Muslime sind, sondern Verbrecher, mit denen man sich gar nicht identifizieren kann und will. Zum anderen ist sicher ein Grund, dass der Islam keine einheitliche Stimme hat. Er setzt sich aus so vielen verschiedenen Menschen und Richtungen zusammen, dass man sich schwer zusammenfügen kann. Aber die großen muslimischen Dachorganisationen in Deutschland haben doch immer wieder auf ihren Homepages gesagt, dass das nicht in Ordnung ist."

Celal Altun räumt allerdings ein: "Die gesamte islamische Welt ist seit dem 11. September 2001 müde geworden, sich ständig aus der Defensive heraus entschuldigen und rechtfertigen zu müssen. Und: Die Taliban hören ohnehin nicht auf die weltweiten Proteste."

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