Keine Hassprediger

Freitagspredigten in deutscher Sprache

Sie halten die Freitagspredigt und geben Koran-Unterricht - doch wie steht es um die eigene theologische Ausbildung und deutsche Sprachkenntnisse? Nur ein Bruchteil der Vorbeter und Prediger, die in hiesigen Moscheen predigen und den Koran verbreiten, stammt selbst aus Deutschland oder spricht Deutsch. Darf es sein, dass die muslimischen Gemeinden in Deutschland von ausländischen Geistlichen geführt werden?

Vorbeter einer Kölner VIKZ-Moschee Quelle: ZDF

Wer diese Imame sind, was sie den Muslimen in Deutschland predigen, weiß niemand genau und hat bis vor kurzem kaum jemanden interessiert. In Zukunft sollen sie in Moscheen auf deutsch predigen.

Pendel-Imame

Die große Mehrzahl der rund 2500 Moscheevereine in Deutschland muss ihre Imame einfliegen lassen: Sie kommen aus der Türkei, Bosnien oder dem Iran. Von Deutschland und den einheimischen Muslimen wissen sie meist kaum etwas - nicht zuletzt sprechen viele von ihnen kein Deutsch. Viele Moscheen suchen ihre Vorbeter gar über Makler und im Internet. Einige nehmen mit einem Laienprediger vorlieb, andere setzen auf einen Pendel-Imam, der alle drei Monate ein- und ausreist, weil ihm die Aufenthaltserlaubnis fehlt. Viele Imame kommen vor allem aus der Türkei nach Deutschland.

Eine Vielzahl von ihnen ist bei DITIB, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, angestellt, die in Deutschland rund 870 Moscheen vertritt. Bezahlt werden die Imame von der türkischen Regierung in Ankara. In der Regel bleiben diese Prediger rund vier Jahre in Deutschland. Genau das ist nach Einschätzung des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann das Hauptproblem. "Die Imame sprechen kaum deutsch und kennen sich mit Deutschland nicht aus", bemängelt er. 20 Prozent der Imame hätten zudem keinen akademischen Abschluss. Dabei verweist Schünemann auf eine Studie des Duisburger Sozialwissenschaftlers Rauf Ceylan.

Studie: Imame schlecht ausgebildet

Freitagspredigt in Moschee wird auf Deutsch vorgelesen Quelle: ZDF


Der Deutsch-Türke Ceylan kommt im Rahmen seiner qualitativen Forschungsstudie über Imame in türkischstämmigen Moscheegemeinden in Deutschland zu dem Ergebnis, dass islamische Prediger nur unzureichend auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet werden und kaum zur Integration von Migranten beitragen. Dabei haben gerade die Imame einen guten Zugang zu ihren Gemeinden und zu Migranten, die oft am Rand der deutschen Gesellschaft stehen.

Die Imame könnten eine Brücke sein zwischen dem deutschen Alltag und den Parallelwelten, in denen Teile der Muslime leben. Aber: welchen Rat kann ein Imam einem Gläubigen auch bei Schwierigkeiten mit Schule, Arbeit oder Familie geben, wenn er die Gesellschaft und ihre Probleme kaum kennt? Wie glaubwürdig ist es, wenn Kleriker darauf hinweisen, dass ihre Kinder Deutsch lernen müssen, wenn sie selbst nur Türkisch sprechen? Die Politik will jetzt erreichen, dass die muslimischen Kleriker auf Deutsch predigen.

Keine religiösen Eiferer

Rauf Ceylans Studie kommt weiterhin zu differenzierten Resultaten, nämlich dass rund 20 Prozent der Prediger einer traditionell-konservativen Strömung angehören. Gleichzeitig seien extremistische und rückwärtsgewandte Prediger eher die Minderheit, so die Studie weiter. Charakteristisch für den Islam in Deutschland sind solche Eiferer nicht. Rund ein Prozent der Muslime schätzt der Verfassungsschutz als islamistisch oder fundamentalistisch ein. Rund drei Dutzend der 2400 Moscheen stehen als Zentren der "Radikalisierung und Rekrutierung" unter besonderer staatlicher Beobachtung.

Anders als Pfarrer oder Priester im Christentum, müssen Imame nicht unbedingt eine wissenschaftliche Ausbildung für ihrem Beruf haben. Jeder reife, koranfeste Muslim kann die Rolle des Vorbeters übernehmen. Imame sind keine Priester, die geweiht werden. Im Grunde kann sich jedermann so nennen, der den Koran auf Arabisch zu rezitieren vermag und von einer Gruppe Gläubige als religiöse Autorität anerkannt wird.

Bisher keine einheitliche Ausbildung

Erst spät ist sich die Öffentlichkeit der Bedeutung hier ausgebildeter Imame für die Integration der Muslime bewusst geworden. Islamische Verbände, Integrationsexperten sowie Politiker fordern, die Ausbildung der Imame zu vereinheitlichen. In Baden-Württemberg steht die Imam-Ausbildung im schwarz-gelben Koalitionsvertrag.

Seit 2004 hat die Universität Münster einen Master der Islamischen Theologie eingerichtet, um Pädagogen für einen muslimischen Religionsunterricht auszubilden. Der Master berechtigt auch dazu, als Prediger, Seelsorger oder Koranlehrer zu arbeiten. Die Universität Frankfurt hat jüngst in Zusammenarbeit mit der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) eine Stiftungsprofessur für Islamische Religion eröffnet. Und auch der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) hat in Köln eine Imamausbildung. Niedersachsen plant zurzeit, die Ausbildung deutschsprachiger Imame zu finanzieren. "Eine Ausbildung der Imame an deutschen Universitäten würde die Integration verbessern", sagt Innenminister Uwe Schünemann. Nach den Plänen Schünemanns sollen die muslimischen Prediger an der Universität Osnabrück ausgebildet werden. Der Staat, so Schünemann weiter, müsse mit allen muslimischen Verbänden zusammenarbeiten, dürfe sich jedoch nicht auf sie verlassen.

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