Krieg der Bilder

Wie Israel und die Hamas einen Propagandakrieg führen

"Das erste Opfer im Krieg ist die Wahrheit" - diese Erkenntnis bestätigt sich auch im Gaza-Krieg. Dort wird neben dem "wirklichen" Krieg ein weiterer Krieg geführt - ein Propagandakrieg in den Medien, ein Krieg der Bilder. Der Konflikt findet weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die meisten Medienanstalten haben keine eigenen Korrespondenten in Gaza. Daher versuchen besonders die Kontrahenten Israel und die Hamas, Journalisten und die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Explosion in Gaza
Explosion in Gaza Quelle: reuters

Israel zeigt sich dabei von der guten Seite. Die PR-Experten filmen Lastwagen mit Medikamenten und Nahrungsmitteln, die Israel zur Versorgung der 1,5 Millionen Palästinenser nach Gaza rollen lässt. Die PR-Offensive wurde systematisch vorbereitet. So sperrt Israel die Weltpresse aus dem Gazastreifen aus und steuert bewusst die Berichterstattung.

Israel steuert Propaganda

Palästinensische Tote, Verletzte, verängstigte Zivilisten? Gibt es nicht im israelischen TV. Chirurgisch präzise Treffer sollen zeigen, dass Israel einen "sauberen Krieg" führt - so genannte "Kolateralschäden" kommen in der israelischen Berichterstattung nicht vor. "Kriminell" nennt das der Kolumnist Gideon Levy von der Tageszeitung "Haaretz". "Unsere Medien blenden systematisch das Leiden in Gaza aus, und in den Fernsehstudios sitzt nur eine Meinung: die der Armee." "Israel beschränkt die Presse in einem nie dagewesenen Maß und sollte sich dafür schämen", sagt Ethan Bronner, Bürochef der "New York Times" in Jerusalem.

Israel setzt im Gazakonflikt auf moderne Kommunikationsmittel wie Blogs und neue Medien. Für militärische Propaganda wird sogar auf das Video-Portal "You tube" zurückgegriffen. Die Armee hat inzwischen sogar einen eigenen "You tube"-Kanal eröffnet, auf dem Filme von präzisen Luftangriffen gezeigt werden. Zivile Opfer werden hier nicht gezeigt. Israelische Behörden "versorgen" die Weltpresse mit "ihren" Informationen im Netz und sogar vor Ort in Sderot hat das Außenministerium eigens ein Medienzentrum eröffnet. Dort werden Journalisten "betreut" und israelische Betroffene palästinensischer Raketenangriffe stehen neben israelischen Ministern und sprechen bereitwillig Kommentare in die Kameras.

Hamas bedrängt Journalisten

Auch für die palästinensische Hamas ist Pressefreiheit ein Fremdwort. Mit aller Macht verhindert sie Berichte über palästinensische Kämpfer, die Kassam-Raketen abfeuern. Aufseher der Hamas verhindern auch, dass "ungünstige" Bilder gedreht werden. Kameraleuten werden schon mal Bänder entrissen, unliebsame Journalisten eingesperrt. Das zeigt offenbar Wirkung: bei Al-Dschasira, dem größten arabischen Nachrichtensender, sieht der Krieg völlig anders aus als im israelischen TV. Hier dominieren Bilder weinender Frauen und verstümmelter Zivilisten. Raketenangriffe der Hamas und auch zivil gekleidete Hamas-Kämpfer sieht man nicht. Ob der Krieg bisher tatsächlich mehr als 800 Tote und über 3300 Verletzte gefordert hat, lässt sich ebenso wenig überprüfen.

Seit dem Beginn des Krieges berichten 70 Korrespondenten, Kameraleute, Producer und Stringer für das "arabische CNN" ununterbrochen aus Gaza. Doch wie objektiv ist die Arbeit Al-Dschasiras? "Im Irak hat man uns erst beschuldigt, für Saddam zu sein - und dann für seinen Todfeind Muktada al-Sadr. Im Libanon hieß es, wir seien für die schiitische Hisbollah, jetzt heißt es, wir seien für die sunnitische Hamas", so Al-Dschasira-Chefredakteur Ahmed Scheich gelassen. Inzwischen, so berichtet er, nutzen auch Israels Politiker die Macht von al-Dschasira bewusst. Seit Beginn der Krise gaben Außenministerin Zipi Livni, Präsident Schimon Peres und selbst der Hardliner Benjamin Netanjahu dem Sender Interviews, immer öfter auf eigenen Wunsch, wie es heißt.

"embedded journalists"

Journalist mit Schutzhelm
Journalist mit Schutzhelm im Gazastreifen Quelle: imago


Die Zeiten, in denen Journalisten nahezu freien Zugang zu Kampfhandlungen hatten, sind schon seit dem Vietnam-Krieg vorbei. Damals lieferten Reporter Bilder des Grauens direkt aus den Schützengräben nach Amerika - und lösten damit die Anti-Kriegs-Bewegung aus. Seither bekam die Welt vom US-Militär nur noch das zu sehen, was das Pentagon zeigen wollte. Den Golfkrieg 1991 präsentierten die Zensoren: ohne Opfer, ohne Blut und Leid. Viele Korrespondenten berichteten monatelang aus saudi-arabischen Hotels, ohne auch nur einen Schuss zu hören, während im Fernsehen sterile Bilder der Luftangriffe liefen, die mehr an ein Computerspiel erinnerten als an das Sterben von Menschen.

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