Kulturpreis wird verschoben

Hessen lädt Preisträger zum Gespräch

Die für den 5. Juli 2009 vorgesehene Verleihung des Hessischen Kulturpreises 2009 wird nach anhaltendem Streit um die Vergabe der Auszeichnung verschoben: Wie die Hessische Landesregierung am 18. Mai in Wiesbaden mitteilte, folgte das Preis-Kuratorium mit Ministerpräsident Roland Koch (CDU) an der Spitze damit einer Anregung der Preisträger Kardinal Karl Lehmann, Peter Steinacker und Salomon Korn.

Navid Kermani
Navid Kermani Quelle: ZDF

Das Kuratorium hatte von einer Verleihung des Preises an den muslimischen Schriftsteller Navid Kermani Abstand genommen, nachdem Lehmann und Steinacker, der viele Jahre Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war, Einwände erhoben hatten. Das war in der Öffentlichkeit auf großes Unverständnis gestoßen.

Im Gespräch die Wogen glätten

In der Mitteilung der Landesregierung ist von vier Preisträgern die Rede. Dadurch dass man die Verleihung verschiebe, solle diesen nun Gelegenheit gegeben werden, in einem gewissen Abstand zur aktuell aufgeheizten Diskussion das gemeinsame, nicht-öffentliche Gespräch zu suchen. Vom Zustandekommen des Gesprächs und vom Verlauf eines solchen Zusammentreffens will das Preis-Kuratorium sein weiteres Vorgehen abhängig machen.

Laut Koch bekundeten Lehmann, Steinacker und Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist, ihre Bereitschaft zu einer derartigen Unterredung. Nach einem Gespräch mit Kermani habe Koch die Hoffnung, dass auch dieser ein solches persönliches Gespräch annehme.

Schiitische Schmerzenstheologie

Der Hintergrund des Islamwissenschaftlers Navid Kermani ist der schiitische Islam. Kermani stammt aus dem Iran, wo die Schia Staatsreligion ist. Die Schia hat im Unterschied zur Sunna, also zur sunnitischen Richtung des Islam, einen Schwerpunkt auf der Trauer um ihren Imam Hussein. Imam Hussein wurde in der Schlacht von Kerbela im Jahr 680 im heutigen Irak getötet.


Daraus hat sich der schiitische Trauerkult entwickelt, der sich in jährlichen Geißelritualen im Trauermonat Ashura äußert. Die Aschura-Riten bilden den Höhepunkt der Passionsfeiern im islamischen Monat Muharram. Meist bezeichnet Aschura den letzten Tag der jährlich zehn Tage dauernden schiitischen Trauer- und Bußrituale (Schiitische Passionsspiele) zu Ehren des Martyriums des dritten Imams Husain, eines Sohnes Alis und Fatimas, der Tochter des Propheten Mohammed.

Christentum kennt Happy-End

Vor diesem Hintergrund, so der Islamwissenschaftler und Geschäftsführer der Christlich-islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz Peter Hünseler, ist auch der umstrittene Beitrag Navid Kermanis zur Betrachtung und der teilweisen Ablehnung Kermanis zu deuten. Denn, so Hünseler, den schiitischen Trauer- und Märtyrerkult auf das Christentum zu übertragen, sei unzulässig. Man kann die schiitische Schmerzens- und Trauertheologie nicht vergleichen mit der christlichen Kreuzestheologie.

"Und das hat er getan, und da hat er einen Fehler gemacht," so Hünseler. Kermani bleibt also der Betrachtung des Kreuzes auf der schiitischen Schmerzenstheologie stehen. Aber für Christen geht das Kreuz einen Schritt weiter. Karfreitag ist der Tag der Schmerzen, des Todes. Und dann kommt die Auferstehung. Und Christen singen zu Ostern "Halleluja, freuet euch, dies ist ein großer Tag, Gott hat den Tod besiegt, wir sind erlöst!" Und diese ganze Dimension des Positiven, des Freuens, des Lebensbejahenden, das hat Kermani weggelassen, so Hünseler abschließend.


Hintergrund Woran sich der Streit entzündete: Keine Ehrung für Muslime

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