Liebe deinen Nächsten

Über die Nächstenliebe im Islam

Nächstenliebe - ein Wort, das besonders aus dem Christentum bekannt ist. "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst", sagte Jesus, als er gefragt wurde, welches das höchste Gebot sei. Im Islam gibt es für die Nächstenliebe zwar keinen eigenen Begriff, aber sie existiert trotzdem.

Der Glaube ist die Mitte

"Jener Mensch ist gerecht, der für die anderen Menschen so viel Liebe aufbringt, wie viel er sich ihrer für sich selbst ersehnt." Das hat Mohammed gesagt. Es ist eine Aufforderung zur Liebe am Nächsten. Aber wie genau sieht diese Liebe im Islam aus? Wer sind die anderen Menschen? In der konservativen Theologie des Islam gilt nicht jedem Menschen die gleiche Liebe und Solidarität. Es kommt darauf an, ob er Muslim, Christ, Jude oder ungläubig ist. Doch generell gilt im Islam: Alle Menschen sind Geschöpfe Gottes und gehören damit zusammen. Aber die islamische Gemeinschaft hat den rechten Glauben und den rechten Gehorsam gegenüber Gott. Damit ist sie "die beste Gemeinschaft". So steht es zumindest im Koran.

Der Glaube ist die Mitte des Islams. Allen Gläubigen, das sind alle Muslime, gilt daher die volle Solidarität. Egal ob Mann oder Frau, Reichem oder Armen, Verwandtem oder Fremden - ein Muslim ist verpflichtet, jeden anderen Muslim zu unterstützen.

"Zakat" als Nächstenliebe

Ein wichtiger Beweis für die Solidarität eines Muslims: Er lässt seine Glaubensbrüder an seinem Vermögen teilhaben. Vor allem die Unterstützung der Armen gilt als Zeichen der echten Frömmigkeit. Jeder gläubige Muslim zahlt daher die Almosensteuer, die Zakat. Sie ist neben dem islamischen Glaubensbekenntnis, dem fünfmaligen Beten am Tag, dem Fasten im Monat Ramadan, und der Pilgerfahrt nach Mekka eine der fünf Säulen des Islam. In erster Linie profitieren die Armen und Bedürftigen von der Zakat.

"Vergeltet nicht Böses mit Bösem" steht in der Bibel, denn ein Christ soll auch seine Feinde lieben. Im Koran gibt es solche Worte der Nächstenliebe nicht. Im Gegenteil: In der konservativen Auslegung hat ein Muslim das Recht, Rache zu üben. Trotzdem: Besser bleibt auch für ihn das Vergeben - so steht es im Koran. Am Besten ist es für einen Muslim sogar, wenn er das Böse mit Gutem vergilt. So fordern es auch schon seit Jahrhunderten islamische Mystiker wie der Dichter Abdarrahman Djami: "Erwidere das Böse mit guter Tat, denn die Bosheit rächt sich, wenn auch auf Raten."

Hierarchische Solidarität

Geben, Vergeben - solche und weitere Werke der Nächstenliebe stehen in der konservativen Theologie zunächst den anderen Gläubigen zu. Aber auch ein Muslim zeigt sich denen solidarisch, die nicht muslimisch sind. Dabei gibt es streng genommen eine klare Hierarchie.

Juden und Christen sind nach der konservativen Lehre des Korans "Teil-Gläubige". Auch sie haben Gottes Wort durch das Alte und Neue Testament empfangen, sich aber nicht für den Islam entschieden. Deshalb haben sie auch nicht die volle Gemeinschaft mit den Muslimen und genießen folglich auch nicht die volle Solidarität. Mit Ungläubigen, also all denen, die weder Muslime, Juden oder Christen sind, dürften Muslime nach konservativer Lehre eigentlich gar nicht befreundet sein.

Solidarität im Alltag

Im Alltag wird eine solch strenge Auslegung selten praktiziert. Die meisten Muslime sind allen Menschen gegenüber solidarisch, gerade in Deutschland, wo viele Religionen aufeinandertreffen.


Wie im Christentum zeigt sich die Nächstenliebe der Muslime auch in humanitären Organisationen. So gibt es in der Türkei den Türkischen Roten Halbmond, eine Hilfseinrichtung, die unter anderem Katastrophenhilfe leistet und Blutspendedienste organisiert. Seit 2003 setzen sich junge deutsche Muslime gemeinsam mit jungen Christen für Kriegs- und Krisenregionen ein. Als so genannte Grünhelme bauen sie dort gemeinsam zerstörte Häuser, Schulen und Straßen wieder auf.

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