Machtanspruch durch Minarett?

Über die Architektur des Moschee-Turms

Ein Minarett ist ein Turm, der häufig an oder in der Nähe einer Moschee errichtet wird. Der Ursprung des Minaretts ist nicht eindeutig. In der Frühzeit besaß nicht jede Moschee ein Minarett.

Kuppel und Minarett der Duisburg-Marxloher Merkez-Moschee Quelle: ZDF

Wahrzeichen oder Machtsymbol?

Vom Minarett aus wurde der Gebetsruf von einem oder mehreren Muezzinen verrichtet. Dies zumindest ist in der Frühzeit von der Moschee des Propheten in Medina bekannt, die in jeder Ecke einen Turm hatte. Eine Moschee kann also auch mehrere Minarette haben. Das mit 210 Metern höchste Minarett der Welt befindet sich in Casablanca - es ist Teil der Moschee König Hassan II. Zurzeit befinden sich in Teheran zwei 230 Meter hohe Minarette in Bau.Das Minarett ist nicht nur Wahrzeichen einer Moschee, früher diente es auch als Wachturm und Machtsymbol. So hat es auch eine Mehrheit in der Schweiz gesehen - das Minarett, um es mit Reclams "Lexikon der Bautypen" zu sagen, als ein "Herrschaftszeichen und muslimischer Präsenz". Soweit man weiß, wurde das erste Minarett im Jahre 665 (n. Chr.) der Freitagsmoschee von Basra angefügt. Während uns das "Lexikon der Bautypen" daran erinnert, dass "puristische Richtungen des Islam ganz auf das Minarett verzichten", und während wir vor allem wissen, dass vom Minarett herab der Muezzin zum Gebet ruft, machen uns Martin Frishman und Hasan-Uddin Kahn in ihrem Standardwerk "Die Moscheen der Welt" darauf aufmerksam, dass erst vom 14. Jahrhundert an Minarette als Bauelemente der Moschee "allgemein verbreitet waren", funktionale mit symbolischen Aspekten vereinigend.

Weil es keine religiösen Vorschriften für die Form von Minaretten gibt, lassen sich in den verschiedenen Regionen und im Laufe der baugeschichtlichen Entwicklung in der islamischen Welt zahlreiche architektonische Unterschiede feststellen. So sind manche Minarette in den Bau der Moschee integriert, andere stehen in einiger Entfernung. Häufig verfügen Moscheen nur über einen einzigen Turm. Ebensowenig wie die Form ist die Zahl der Minarette festgelegt: Oftmals liegen Form und Zahl der Minarette im Ermessen des Architekten. Das gilt vor allem für Nord-West und Ostafrika. Der Islam hat traditionell starke Widerstände gegen Erneuerungen beim Bau seiner Moscheen gehabt, wie es die Autoren Frishman und Khanitet erklären. Das kann mit ein Grund sein, dass die Moschee noch nicht in der Architekturmoderne angekommen ist, wie es die FAZ schreibt.

"Minarette sind unsere Bajonette"

"Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme", so hat es der türkische Premier Erdogan, ein Gedicht zitierend, als Oppositionspolitiker in den neunziger Jahren ausgedrückt. Dafür wurde er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Nicht nur deshalb ist die Frage angebracht, wie neutral Muslime das Minarett auffassen, ob als Zeichen eines Hegemonieanspruchs oder als Symbol kultureller Koexistenz. In seinem Buch "Moscheen in Deutschland" von Bärbel Beinhauer-Köhler und Claus Leggewie steht der Satz: "Auch in Deutschland scheint das Bedürfnis nach Minaretten am ehesten auf der Ebene der optischen Repräsentation zu liegen." Für Muslime jedenfalls ist das Recht auf den Bau von Moscheen und Minaretten Teil der freien Religionsausübung und somit Bestandteil der Religionsfreiheit.

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