Maria im Islam

Im Koran häufiger genannt als in der Bibel

Maria, auf Arabisch Maryam, ist die Mutter von Jesus. Sie gehört zu den am meisten verehrten Frauen im Islam, zusammen mit Khadijah, der ersten Frau Muhammads sowie Fatima, seiner jüngsten Tochter. Im Koran tritt Maria als ein Modell für weibliche Frömmigkeit, Mutterschaft und bedingungslose Unterwerfung unter den Willen Gottes hervor.

Maria
Maria Quelle: dpa
Koran
Koran Quelle: ZDF


Maria ist die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird. Zwar werden auch einige andere Frauen vom Koran im Zusammenhang mit Marias Leben thematisiert, doch räumt das heilige Buch der Muslime keiner Frauengestalt so viel Platz ein wie der Mutter Jesu. Noch deutlicher wird dies, wenn man sich vor Augen hält, dass sogar eine ganze Sure, nämlich die 19., nach Maria benannt ist. Siebzig Verse im Koran erwähnen sie. Damit erscheint ihr Name im Koran häufiger als im Neuen Testament.

Die Jungfrauengeburt Marias

Marias Vater - im Neuen Testament nicht namentlich erwähnt - heisst im Koran "Imran" (Koran 3,35; 66,12). Ihre Mutter ist weder im Koran noch im Neuen Testament genannt, wird aber in der islamischen Tradition in Übereinstimmung mit christlicher Überlieferung als "Anna (Hanna)" angegeben. Dem Koran zufolge wurde Maria noch vor der Geburt von ihrer Mutter Gott geweiht (3,35) und später von einem Priester namens Zakariya (Zacharias), der auch ihr Onkel war, in einer Nische des Tempels unterrichtet. Die meisten Gebetsnischen in den Moscheen tragen deshalb als Inschrift jenen Koranvers, in dem berichtet wird, dass Zakariya, so oft er die Nische betrat, Maria auf wunderbare Weise mit Essen versorgt fand (Koran 3,37).

Gott ließ Maria durch Engel mitteilen, er habe sie vor allen Frauen auserwählt und verkünde ihr ein Wort von sich, dessen Name der Messias Isa (Jesus) sei. Er werde schon in der Wiege zu den Leuten sprechen, im Diesseits wie im Jenseits angesehen sein und zu denen gehören, die Gott nahestehen. Sure 66,12 zufolge wurde Maria schwanger, als Gott ihr seinen Geist einblies, während Sure 19, 16-33 berichtet, Gottes Geist sei der noch jungfräulichen Maria in Gestalt des Erzengels Gabriel erschienen und habe ihr die Geburt ihres Sohnes verkündet. Islam und Christentum vereint somit der Glaube an die Jungfräulichkeit Marias sowie ihrer unbefleckten Empfängnis.

Maria, die Prophetin?

Das immer wieder beschworene Ereignis in der koranischen Erzählung ist, dass Maria in ihren Wehen den Stamm eines dürren Palmbaums ergriff, der dann süße Datteln über sie schüttete. Josef wird im Koran nicht erwähnt, genau so wenig wie der Aufenthalt der Familie Jesu in Ägypten noch Marias Tod.

Die islamischen Gelehrten sind darüber uneins, ob Maria als Prophetin bezeichnet werden kann, obwohl sie Wunder erlebt hat und Gott mit ihr durch den Erzengel Gabriel kommuniziert hat - normalerweise zwei Kriterien für Prophetie. Die meisten islamischen Theologen lehnen die Möglichkeit ab, dass Maria Prophetin gewesen sei, aber ein strenger Denker wie Ibn Hazm (gestorben 1064) in Spanien erkannte ihr die Prophetenwürde zu. Genauso wie in der christlichen Welt ist der Name der Heiligen auch unter Muslimen ein beliebter Frauenname.

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