Mbabi und Bajramaj für Deutschland

Integrationsmotor Fußball

Fußball als Volkssport bietet beste Voraussetzungen für das Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen. In den Fußball-Nationalmannschaften der Frauen wie der Männer spielen Sportler unterschiedlicher Hautfarben, Religionen und Kulturen zusammen. Fatmire Bajramaj kommt aus dem Kosovo, Célia Okoyino da Mbabi hat Wurzeln in Kamerun und Frankreich. Lukas Podolski und Miroslav Klose haben polnische Vorfahren, Gerald Asamoah wurde in Ghana geboren und auch Serdar Tasci und Mesut Özil haben einen Migrationshintergrund.

Die DFB-Integrationsbeauftragte

Der Sport auf dem Platz und auf der Tribüne ist zu einem bedeutenden Integrationsfaktor geworden. Denn auch wenn eine Mannschaft sich aus Spielern unterschiedlichster Länder und Kulturen zusammensetzt, am Ende verfolgen alle nur ein gemeinsames Ziel: Sie wollen das Spiel gewinnen.
Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater kommt aus Kamerun - Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi ist "ein sehr gutes Beispiel, wie Integration gelingen kann", meint Wolfgang Huber, früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche. Selbst beim Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft am vergangenen Dienstag gegen Frankreich zeigte Mbabi Flagge: schwarz-rot-gold zierte ihren linken Fußballschuh, während die Fahne Kameruns sowie die "Tricolore" an der rechten Lasche verewigt waren. "Ich kann mich bei diesem Mix einfach nur glücklich schätzen, weil ich die Chance hatte, aus drei Kulturen etwas mitzunehmen, erzählt die 23-Jährige.

Die erste Muslimin im Nationaldress, Lira Bajramaj, versteht sich als moderne Muslimin, die zwar regelmäßig betet und fastet, nach einem Erfolg aber auch mal ein Gläschen Sekt trinkt. Spielerinnen wie Mbabi oder Bajramaj sind ein positives Beispiel dafür, wie Integration im Sport funktionieren kann. Nicht zuletzt die Frauenfußball-WM im eigenen Land zeigt: der Sport ist zu einem bedeutenden Integrationsfaktor geworden. 15 Millionen Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund und nicht wenige davon treiben aktiv Sport, viele davon Fußball.

DFB-Integrationsbeauftragte

Gül Keskinler
Gül Keskinler Quelle: ZDF


Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sich des Themas Integration mit einer extra dafür eingerichteten Position angenommen. Gül Keskinler ist die ehrenamtliche Integrationsbeauftragte des DFB. "Integration fängt bei mir selbst an", so die zweifache Mutter, die seit 1970 in Deutschland lebt. Als Integrationsbeauftragte ist sie Mitglied im DFB-Vorstand und hat so gute Möglichkeiten, ihre Vorhaben im Fußball durchzusetzen. Nicht zuletzt, da DFB-Präsident Theo Zwanziger das Thema zur Chefsache gemacht hat.

Der DFB hat unter anderem eingeführt, dass jeder Teilnehmer einer Trainer-Ausbildung zusätzliche Unterrichtseinheiten zum Thema Integration erhält. Darüber hinaus werden auch auf Vereinsebene Mitarbeiter geschult und für fremde Kulturen sensibilisiert. Inzwischen haben die meisten der 21 Landesverbände des DFB ebenfalls "Brückenbauer zwischen den Kulturen" berufen.

Glaubenssymbole verboten

Verschleierte Fußballerinnen
Verschleierte Fußballerinnen Quelle: ap


Auch auf dem Fußballfeld soll das Thema Integration nicht ins Abseits laufen wie das unrühmliche Beispiel der Disqualifikation der iranischen Frauenfußball-Nationalmannschaft für Olympia 2012 zeigt. Die Iranerinnen wurden disqualifiziert, weil sie mit einem Schleier spielen mussten. Laut Weltfußballverband FIFA sind Glaubenssymbole auf dem Spielfeld verboten.

Trotzdem sehen DFB-Präsident Theo Zwanziger und die Integrationsbeauftragte Gül Keskinler solchen Anfragen offen entgegen. "Jedes Kind oder jeder Jugendliche hat das Recht, in unseren Strukturen aufgenommen zu werden", so Keskinler. Für die beiden ist das Interesse am Fußball wichtiger und beide hoffen, dass der DFB auch in Sachen Kopftuch eine Vorreiterrolle einnimmt.

Rassismus ächten

Der DFB hat außerdem eine sogenannte "Task Force" gegen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit eingerichtet. Hier versucht der Fußballbund, in Fragen der Rassismusbekämpfung speziell mit den Fanclubs der Fußballvereine zusammenzuarbeiten. So beschloss das Exekutivkomitee der Vereinigung europäischer Fußballverbände (UEFA) unter anderem, dass Schiedsrichter ein Spiel bei rassistischen Äußerungen von Zuschauern abbrechen dürfen.

Seit 2007 verleiht der DFB sogar einen Integrationspreis. Auch Celia Okoyino da Mbabi ist inzwischen DFB-Integrationsbotschafterin, ebenso wie ihre Mitspielerin Lira Bajramaj sowie die Herren-Nationalspieler Cacau und Serdar Tasçi. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Böhmer, wünscht sich, dass mehr Musliminnen den Weg Bajramajs oder Mbabis einschlagen. Die Integration auf dem Fußballplatz - sie könnte eine Steilvorlage für die Integration allgemein sein.

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