Medizinische Ethik im Islam

Das Transplantationsgesetz ist in Kraft getreten

Kultur | Forum am Freitag - Medizinische Ethik im Islam

Das Transplantationsgesetz soll die Organspendebereitschaft erhöhen. "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid spricht mit Ilhan Ilkilic, der als Muslim Mitglied des Deutschen Ethikrates ist.

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Video verfügbar bis 03.08.2017, 23:59

Das Transplantationsgesetz soll die Organspendebereitschaft in Deutschland erhöhen und die Qualitäts- und Sicherheitsstandards bei der Transplantation erhöhen. "Forum am Freitag"-Moderator Abdul-Ahmad Rashid spricht mit Ilhan Ilkilic, der als Muslim Mitglied des Deutschen Ethikrates ist. Neben der Organspende besprechen sie auch islamische Positionen zu Schwangerschaftsabbrüchen, Leihmutterschaft und Sterbehilfe.

Am 01.August 2012 ist das Gesetz zur Änderung des Transplantationsgesetzes in Kraft getreten. Ein Ziel der Änderung ist, die Zahl der Organspender spürbar zu erhöhen. So sollen in Zukunft Krankenversicherte ab dem 16. Lebensjahr regelmäßig befragt werden, ob sie nach ihrem Tod für eine Organspende bereit sind. Auch Muslime müssen sich nun intensiver mit der Frage auseinandersetzen. Hierbei geht es nicht nur um eine juristische oder medizinische Entscheidung. Neben dem ethischen Aspekt sind es auch Vorbehalte und religiöse Gefühle, die eine Spendenbereitschaft erschweren. Aufklärungsarbeit sei immer noch vonnöten, sagt Saim Yeprem, Professor für islamische Theologie an der Marmara Universität Istanbul.

Mehrheit der Theologen für Spende

Auch wenn islamische Gelehrte sich zur Organspende unterschiedlich geäußert haben, so überwiegt doch die Mehrheit der Gelehrtenmeinungen für eine Spende. Meinungen, die eine Organspende ablehnen, messen der Unversehrtheit des Körpers nach dem Tod größere Bedeutung zu. Auch, weil Gott als der „Eigentümer“ des menschlichen Körpers gilt und der Mensch nur spenden kann, was er selbst besitzt. Befürworter der Transplantation sehen hier hingegen einen Akt der Nächstenliebe, die gottgefällige Haltung, ein Menschenleben zu retten. Zwar äußert der Koran keine explizite Haltung zur Organspende, doch wird oft der Vers 32 der Sure 5 herangezogen, die sich auf die Rettung von einem Leben bezieht, die dem Retten von Leben aller Menschen gleichgestellt wird. Bei der Diskussion um die Frage, wann ein Mensch als tot gilt, wurden schließlich auf der 3. Internationalen Konferenz Islamischer Gelehrter am 16.10.1986 im jordanischen Amman Herz- und Hirntod gleichgestellt.

Der Zentralrat der Muslime hatte bereits 1997 das damals neu gefasste Transplantationsgesetz in einer Stellungnahme als mit dem islamischen Prinzip vereinbar eingestuft und unterstützt auch die gegenwärtige Änderung. Moscheen und islamische Gemeinden würden sich an der Durchführung beteiligen, indem sie ihre Mitglieder informieren und ihnen aufklärend zur Seite stehen. Vor Ort sollen Organspendeausweise bereitgestellt werden. „Durch die neue Regelung wird, so hoffen wir, die Spendenbereitschaft von Organen gesteigert werden“, so die ZMD-Frauenbeauftragte und Ärztin Frau Houaida Taraji.

12.000 Menschen warten auf ein Organ

Die seit 1997 gültige Regelung bestimmt, ob und unter welchen Bedingungen Organe beim Lebenden oder Verstorbenen entnommen werden dürfen. So gilt in der Bundesrepublik die erweiterte Zustimmungslösung, bei dem der Spender oder die nächsten Familienangehörigen um ihr Einverständnis befragt werden. Eine dringende Neuregelung erklärt sich durch die gegenwärtige Situation. Zurzeit warten etwa 12.000 Menschen in Deutschland auf eine Organspende. Dabei sterben durchschnittlich immer noch drei Menschen pro Tag beim Warten auf einen Spender.

Die Organspende betrifft also nicht allein die Spender um Empfänger – weil es um Leben oder Tod geht, ist sie eine Entscheidung, die stets ein ganzes soziales Umfeld betrifft. Solche Grenzbereiche in der Medizin gibt es viele: die künstliche Befruchtung, Schwangerschaftsabbruch, die Gen- und Klontechnik, Geschlechtsumwandlungen, Schönheitsoperationen. Da diese Fragen oft nicht nur aus medizinischer Sicht beantwortet werden können, führte dies 2001 zur Gründung des Deutschen Ethikrats (bis 2008 „Nationaler Ethikrat“). Der Ethikrat erfüllt als Dialogforum und Beratungsgremium eine Doppelfunktion. Mit der Zusammenführung wissenschaftlicher Spezialdiskurse soll die gesellschaftliche Diskussion durch öffentliche Veranstaltungen gefördert werden. Das Gremium besteht aus 26 Mitgliedern, die als Wissenschaftler oder als Kirchenvertreter medizinische, theologische und rechtliche Belange repräsentieren.

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