Missionieren auch Muslime?

Die Einladung zum Islam: Da'wa

Wie jede Religion der Welt will auch der Islam neue Anhänger gewinnen. Trotzdem sprechen Muslime in der Regel ungern von dem christlich geprägten Begriff der "Mission". In der Bibel heißt es: "Macht alle Völker zu meinen Jüngern" (Matthäus 28,19). Zwar ist ein vergleichbarer Missionsauftrag im Koran nicht zu finden, dennoch existiert im Islam sehr wohl die Werbung für den Glauben, die Einladung oder der Ruf zum Islam.

Mission unter anderem Namen

Die Einladung zum Islam wird durch den arabischen Begriff "Da'wa", auf Deutsch "Einladung", ausgedrückt. Da'wa kann einerseits durch Worte, andererseits durch Taten geschehen. So können Diskussionen, Predigten, Publikationen oder die Verbreitung von Koranexemplaren ebenso als Da'wa bezeichnet werden, wie das vorbildlich islamische Leben eines gläubigen Muslim. Manche Vereine verstehen auch ihr ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement im sozialen oder kulturellen Bereich als Da'wa, da auf diese Weise indirekt über den Islam informiert und für ihn geworben werden kann. Durch den "Ruf zum Islam" sollen vor allem junge Muslime dazu bewegt werden, ihren Glauben zu vertiefen, aber auch Nichtmuslime werden eingeladen, den Islam anzunehmen und sich Gott zu unterwerfen - ganz im Sinne des Wortes "Islam".

Aggressive Werbung

Tatsächlich unterscheiden sich die christliche und die islamische Mission nur in der Theorie voneinander. Anhänger beider Religionen wollen den eigenen Glauben vorleben und an andere weitergeben - ob dies nun als "Mission" oder "Da'wa" bezeichnet wird, spielt wohl heutzutage eine untergeordnete Rolle.Besonders vehement wird diese Pflicht von Vertretern des salafitischen Islam eingefordert. So ist der Übertritt Jugendlicher zum Islam häufig Ziel der Da'wa-Arbeit salafitischer Gruppen oder Prediger. Dabei hat in jüngster Zeit das Internet erheblich an Bedeutung gewonnen: Dort kursieren unzählige deutschsprachige Videos, in denen für den Islam geworben wird.

Der bekanntste Vertreter ist der deutsche Konvertit Pierre Vogel. Vogel, der wie ein Wanderprediger in Deutschland unterwegs ist, erreicht mit seinen Botschaften vom "wahren Islam" junge Deutsche, die durch ihn zum Islam konvertieren und junge Migranten, die er zum Islam "zurückführt".

Claudia Dantschke von der Bundeszentrale für politische Bildung schreibt: "Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene ist der Salafismus attraktiv, weil er Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit vermittelt: Mit seiner Betonung der Gemeinschaft und der Vorgabe eindeutiger und unveränderlicher Werte und Normen bietet er klare Orientierung. Dabei ist auch die Abgrenzung gegenüber anderen wichtig: Ein bestimmtes Verhalten oder Denken ist entweder gut oder böse, richtig oder falsch, islamisch oder unislamisch - Ambivalenzen und Interessenskonflikte, die sich nicht mit einer eindeutigen 'islamischen' Antwort aufheben lassen, kommen im Salafismus nicht vor."

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