Mohammed und die Zeichen Gottes

Ein neues Buch von Nasr Hamid Abu Zaid

Der Ägypter Nasr Hamid Abu Zaid ist einer der prominentesten Islamwissenschaftler, der seit einigen Jahren im Exil in Holland leben muss. Bekannt geworden ist er durch seine kritischen Analysen des Koran, den er im Kontext seiner Entstehungszeit interpretiert. Mit seinem neuen Buch ermöglicht er einen modernen Blick auf die heilige Schrift und den Propheten Mohammed.

Der heftig umstrittene Islamfilm des holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders, Fitna, zeigt Bilder der Terroranschläge vom 11. September gemischt mit Koranzitaten und Brandreden islamischer Prediger gegen Juden. Wird hier der Islam von seinen Gegnern instrumentalisiert? Oder propagiert der Koran - wie Fitna es behauptet - wirklich Gewalt, Terror und Mord?


"Ich würde sagen nein", sagt der weltweit renommierte Reformtheologe Nasr Hamid Abu Zaid. Das sei eine falsche Lesart des Koran einer bestimmten Gruppe von Muslimen. Diese werde von Gegnern des Islam instrumentalisiert, um die Religion zu diffamieren. "Wenn diese Leute sagen, der Islam sei gewalttätig, der Islam sei frauenfeindlich oder der Islam widerspreche den Menschenrechten, dann liegt es einzig daran, wie radikale Muslime den Koran lesen. Sie sind unfähig, die wahre Dimension des Koran zu interpretieren", so Abu Zaid.

Interpretation des Koran

Doch was ist die wahre Dimension des Koran? In seinem jetzt neu erschienenen Buch "Mohammed und die Zeichen Gottes" plädiert der Islamwissenschaftler für eine zeitgemäße, moderne Interpretation des im siebten Jahrhundert entstandenen Koran.

Der Koran sei nicht etwa der exakte Wortlaut Gottes, sondern eine Sammlung von Schriften und Diskursen. Und: Sprache sei immer Gegenstand von Deutung, das habe selbst im Islam Tradition. "Der Koran sollte immer von der Vernunft geleitet interpretiert werden. Diese Sichtweise hat sich bereits früh unter den islamischen Theologen entwickelt und wurde unter dem berühmten Philosophen Averroes, Ibn Rushd, weiterentwickelt", sagt der 65-Jährige. "Im Koran gibt es keinen Widerspruch zwischen der Offenbarung und der Vernunft. Denn: Die Offenbarung ist in sprachlicher Form gehalten und die Sprache ist immer Gegenstand von Interpretationen, Verständnis und Deutung."

Fundamentalismus oder Moderne

Abu Zaid gibt zu Bedenken, der Westen nehme den Islam als Bedrohung wahr. Gleichzeitig stecke aber der Islam in einem schwerwiegenden Dilemma, da er selbst Modernisierungs- und Säkulariserungstendenzen als existenzgefährdend empfinde. "Die Konfrontation mit dem Westen führt zur Anerkennung der eigenen Schwäche im Islam mit dem Ergebnis: entweder eine Reform des Islam im positiven Sinne, also den Einklang mit der modernen Welt. Oder aber im negativen Sinne: der Rückzug der Muslime in die Welt der Tradition, des Fundamentalismus."

Eine moderne Korandeutung könne verhindern, dass sich gewaltbereite Muslime von den Koransuren und Predigern aufhetzen lassen, so Abu Zaid. Revolutionär oder ketzerisch? Abu Zaid erntete für seine Interpretation des Koran Morddrohungen von Fundamentalisten. 1995 wurde seine Ehe in seiner Heimat Ägypten zwangsgeschieden und Zaid musste seine Heimat verlassen. Seither lebt und arbeitet er im holländischen Exil.

Plädoyer für einen modernen Islam

Die kulturellen Konflikte und die Gewalt sind nicht erst seit dem brutalen Mord an dem holländischen Filmemacher Theo van Gogh 2004 bei uns präsent. Abu Zaid will, dass der Islam in seiner ganzen Vielfalt in Europa ankommt. Dazu gehört auch, dass der Islam seine heiligen Texte kritisch reflektiert und analysiert. So könne Toleranz und Pluralismus anstelle des religiösen Absolutheitsanspruches treten, sagt Abu Zaid. Sein Buch ist ein Plädoyer für einen modernen Islam, eine wichtige Lektüre, die aufklärt.

    Mohammed und die Zeichen Gottes
    Der Koran und die Zukunft des Islam
    von Nasr Hamid Abu Zaid, Hilal Sezgin
    Gebunden - 224 Seiten
    Herder (2008)
    19,95 EUR

Datum:

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