Moral und Menschlichkeit

The "Song of Sparrows" - Wettbewerbsbeitrag des iranischen Regisseurs Majid Majidi

Karim ist ein sorgender Familienvater, der auf einer Straussenfarm am Stadtrand von Teheran arbeitet. Doch eines Tages entwischt das Federtier ins weite Land und hinterlässt einen verzweifelten Karim. Er wird gefeuert, weil ihm eines der kostbaren Tiere entflohen ist.

Szene aus "The Song of Sparrows" Quelle: Berlinale 2008

Karim steht fortan ohne Job da und kann seine Familie nicht mehr ernähren. Zu allem Überfluss streikt das Hörgerät seiner ältesten Tochter, das in eine verschlammte Grube gefallen ist. Da sie bald Prüfungen hat, braucht sie schnell eine neue Hörhilfe und so macht sich der sorgende Familienvater auf in die Hauptstadt Teheran, um seiner Tochter ein neues Hörgerät zu kaufen. Vierhundert Dollar soll es kosten - viel zu viel Geld für den armen Karim.

Preisverdächtiger Film

So beginnt die bildmächtige Erzählung "The Song of Sparrows", der neue Film des iranischen Regisseurs Majid Majidi über die Zwänge der Existenz und der Moral. Es ist der einzige Film eines muslimischen Filmemachers im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Berlin. Majidi, der 1997 für "Kinder des Himmels" mit einer Oscar-Nominierung bedacht wurde, bedient sich in seinem Filmen der Charaktere von Kindern, um seine häufig sozialkritischen Filme an den Zuschauer zu bringen. "The Song of Sparrows" ist in erster Linie ein Film über die zentrale Bedeutung von Familie, Freundeskreis, Kollegen, Dorfgemeinschaft oder der Gesellschaft als solcher in islamischen Gemeinschaften.

Doch im Mittelpunkt seines Filmes steht Karim: ein von den vielen Sorgen überforderter Familienvater. Als er sich in Teheran nach dem Hörgerät für seine Tochter umsieht, hält man ihn für einen Motorradtaxifahrer. Karim entdeckt das lukrative Geschäft und fährt Tag für Tag in die Stadt, um als Chauffeur den Unterhalt für sich und seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder zu verdienen. Immer öfter bringt er zumeist schrottreife Sachen mit, was die Städter nicht mehr gebrauchen können: alte Türen, Tonnen, Antennen, Gitter. Der stille Hof der Familie füllt sich mit den Überresten anderer Leben.

Idyll versus Moloch

Karims Teheraner Klientel ist ein exemplarischer Ausschnitt der iranischen Gesellschaft: nervöse Unternehmer, wohlhabende Geschäftsleute, aber auch gewissenlose Betrüger, die den Familienvater um seinen geringen Lohn prellen. Je mehr Karim in die Welt des Kapitalismus und der Profitgier eintaucht, umso mehr verändert sich seine Persönlichkeit. Aus dem sorgenden, stets hilfsbereiten Familienvater und Nachbar wird ein unausstehlicher, egoistischer und selbstherrlicher Tyrann. Majidis Film ist in erster Linie eine Geschichte der Moral. Mit der Überforderung des Einzelnen wächst die Bedeutung der Gemeinschaft, so das Credo Majidis.

Das wird noch offensichtlicher, als Karim einen Unfall erleidet. Er muss erfahren, dass das Leben weitergeht und seine von ihm vernachlässigten und schlecht behandelten Nachbarn sich trotz seiner Verwandlung rührend um ihn kümmern. "Der Gesang der Spatzen" - ein Plädoyer für mehr Menschlichkeit, Solidarität und Nächstenliebe in einer globalisierten, anonymen Welt.

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