Multikulti-Mädchentruppe

Berliner Fußballdamen mit Vorbildcharakter

Sie haben das Kicken unter muslimischen Frauen hierzulande salonfähig gemacht: die Fußballdamen von Türkiyemspor in Berlin-Kreuzberg. Trotzdem bleibt der Sport eine Männerdomäne - von den 20.000 bis 25.000 Fußballspielern türkischer Herkunft in Berlin sind gerade einmal 500 bis 800 Mädchen und Frauen.

Murat Dogan trainiert Frauenfußball-Mannschaft
Murat Dogan trainiert Frauenfußball-Mannschaft Quelle: ZDF

Die meisten fußballspielenden Frauen verteilen sich auf die etwa 200 Vereine des Berliner Fußballverbandes. Unter den türkischen Vereinen leisten sich nur Türkiyemspor und Yesilyurt in Wedding eigene Mädchenteams.

Volleyschuss statt goldener Schuss

Während um die Ecke am Kottbusser Tor Junkies vor dem U-Bahneingang auf ihre Dealer warten, haben die Fußballfrauen von Türkiyemspor zwei Mal in der Woche Training an der Blücherstraße 47 in Berlin-Kreuzberg. An den Wochenenden sind häufig Turniere, selbst an kalten Wintertagen wird bei Minusgraden trainiert.

Den Verein zeichnet einen bunten Mix verschiedener Nationalitäten und Herkunftsländer aus, nicht nur auf Spieler-, sondern auch auf Funktionärsebene. Der Klub ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Er ist fest im Stadtteil verankert, es laufen Kooperationen mit Schulen, Jugendklubs und Moscheen und man fördert Projekte gegen Rassismus und gegen Gewalt in der Familie. Türkiyemspor ist nicht zuletzt durch sein Engagement auch in der Zusammenarbeit mit dem Landesverband der Schwulen und Lesben in Berlin-Brandenburg ein Aushängeschild sozialen Miteinanders, auch außerhalb des Fußballplatzes.

Akzeptanzprobleme

Dabei ist es immer noch schwierig, türkische Eltern davon zu überzeugen, dass ihre Töchter mit 15 oder 16 Jahren Fußball spielen. Doch die Akzeptanz wächst, weiß Murat Dogan. Der bärtige Ex-Libero von Türkiyemspor, dem eine schwere Knieverletzung früh einen Strich durch die eigene Karriere machte, ist so etwas wie der Vater des Erfolges der Damenmannschaft von Türkiyemspor.

2005 fing er an, ein Mädchen-Team aufzubauen. Seine Mädchen-Truppe ist gemischt - es sind Deutsche, Bosnierinnen, Türkinnen, Musliminnen wie Christen. "Wir haben keine Probleme mit unserer Religion", sagt Jessica, die das Tor der Fußballdamen hütet. Sie eint, so sagen fast alle Spielerinnen einstimmig, der Riesenspaß am Fußball. "Das Einzige, was vielleicht anders ist", erzählt uns eine Spielerin, "ist, dass die muslimischen Mädchen nach dem Training nach Hause fahren und nicht hier duschen".

DFB-Integrationspreis

Die lange Liste der sozialen und kulturellen Projekte des 1978 von türkischen Einwanderern in Berlin-Kreuzberg gegründeten Vereins Türkiyemspor hat auch den Deutschen Fußball-Bund beeindruckt. Der Verein wurde 2008 mit dem DFB-Integrationspreis ausgezeichnet. Die Jury, der unter anderem DFB-Präsident Theo Zwanziger und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff angehören, verlieh Türkiyemspor den ersten Preis in der Kategorie Vereine.

Auch wenn Integration nicht unbedingt der Begriff ist, den die Aktiven von Türkiyem selbst ihrer Arbeit anheften, die Freude über die Auszeichnung war riesengroß.

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