Muslime in der Bundeswehr

Zahlen und Fakten

Soldat der Bundeswehr mit Maschinengewehr

Kultur | Forum am Freitag - Muslime in der Bundeswehr

Abdul-Ahmad Rashid spricht mit Hauptmann Dr. Said Al-Dailami über Muslime in der Bundeswehr. Wie ergeht es Muslimen dort - und wie fühlen sie sich in einer Armee, die international eingesetzt wird?

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Seit der Reform des Einbürgerungsgesetzes im Jahre 2000 haben sich immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln für den deutschen Pass entschieden. Wie die Gesellschaft wandelt sich auch die Bundeswehr - sie wird multireligiös und multiethnisch. Schätzungen zufolge tragen derzeit etwa 1000 muslimische und 200 jüdische Deutsche die Uniform. Die genaue Zahl lässt sich nicht feststellen.

Keine religiösen Ansprechpartner

Soldat der Bundeswehr mit Maschinengewehr
Soldat der Bundeswehr mit Maschinengewehr Quelle: dapd

Wer zur Bundeswehr geht, muss seine Religionszugehörigkeit nicht preisgeben. Nur auf Wunsch wird in Deutschland auf die Erkennungsmarke der Soldaten das entsprechende Kürzel gestanzt: E für evangelisch, K für katholisch, ISL für muslimisch und JD für jüdisch. Das Recht, ihre Religion auszuüben, gewährleistet der Staat den Soldatinnen und Soldaten auch in ihrem Dienst. Doch muslimische oder jüdische Soldaten haben in der Bundeswehr weder religiöse Ansprechpartner, noch stehen ihnen Gebetsräume zur Verfügung.

Dazu erarbeitete der katholische Militärgeistliche Thomas R. Elßner am Koblenzer "Zentrum Innere Führung", der zentralen Bildungseinrichtung der Bundeswehr, 2007 ein Arbeitspapier. Darin heißt es: "Die Vorgesetzten sind nicht verpflichtet, den muslimischen Soldaten einen eigenen Gebetsraum zur Verfügung zu stellen, wenngleich es in der Praxis (zumindest in festen Unterkünften) geringere Schwierigkeiten bereiten dürfte, diesem Wunsch nachzukommen." Vorgesetzte seien jedoch gehalten, auf Wunsch zu prüfen, ob man auf zivile seelsorgerische Unterstützung etwa durch lokale Moscheevereine zurückgreifen könne.

Militärpfarrämter für Christen

An rund hundert Bundeswehr-Standorten in Deutschland gibt es derzeit evangelische Militärpfarrämter, noch einmal so viele sind katholisch. Die Militärpfarrer halten Gottesdienste und Andachten, bieten religiöse Wochenendveranstaltungen, Wallfahrten und Familienferien an, erteilen lebenskundlichen Unterricht, taufen, trauen und beerdigen und begleiten die Soldaten bei ihren Einsätzen in Afghanistan und im Kosovo.

Theologisch spricht gar nichts dagegen, dass auch Muslime in der Bundeswehr einen Ansprechpartner haben", sagt Werner Weinholt, persönlicher Referent des evangelischen Militärbischofs Martin Dutzmann. Doch sei festgelegt, dass es mindestens 1500 Gläubige sein müssten, um eine Militärpfarrstelle zu errichten - so viele muslimische Soldaten gibt es derzeit noch nicht. Der zweite und wichtigere Grund: Eine Religionsgemeinschaft muss als Institution erkennbar sein. Bei den muslimischen Soldaten fehle dem Staat ein Ansprechpartner für Verträge und Regelungen.

Situation in den Nachbarländern

Das Ausland schlägt andere Wege ein. Österreich hat zwei Stellen für Imame als Armeeseelsorger für die mehr als 800 Muslime des Bundesheeres genehmigt. Frankreich plant Medienberichten zufolge, die Zahl der Geistlichen, die muslimische Soldaten betreuen, in diesem Jahr auf 40 aufzustocken. Seit knapp zwei Jahren baut das Zentrum Innere Führung in Koblenz eine "Koordinierungsstelle Interkulturelle Kompetenz" auf. Soldaten sollen dort auf den Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund vorbereitet werden.

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