Muslime in Deutschland

Die Deutschen und Ihre Meinung zu Moscheen und Minaretten

Moscheen ja, islamischer Religionsunterricht: eher nein. Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hat im Auftrag des ZDF vom 19. bis 21. Juni 2007 1.306 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Deutschland telefonisch zum Thema "Muslime in Deutschland" befragt.

Informationsstand

Über das Leben ihrer muslimischen Mitbürger wissen die Deutschen eher wenig: Nach eigenen Angaben fühlen sich insgesamt 37 Prozent der Bundesbürger sehr gut (7 Prozent) oder gut (30 Prozent) informiert, 61 Prozent sprechen von einem weniger guten (43 Prozent) beziehungsweise überhaupt nicht guten (18 Prozent) Kenntnisstand. Mit Blick auf das Alter der Befragten ist der Informationsstand unter jüngeren Deutschen etwas besser als in der mittleren und älteren Generation; insgesamt sind die altersspezifischen Differenzen aber eher gering. Zwischen Männern und Frauen gibt es praktisch keine Unterschiede.

Wie gut fühlen Sie sich über Muslime in Deutschland informiert? (Ortsgröße)

Islamischer Religionsunterricht

Während im Osten der Republik nochmals sichtbar mehr Befragte als im Westen von fehlenden Informationen sprechen, steigt das Wissen über das Leben der muslimischen Mitbürger parallel zur Einwohnerzahl: In den größeren Städten und Großstädten sagen deutlich mehr Menschen als in kleinen Orten und Städten des Landes, dass sie gut oder sehr gut über den Alltag der bei uns lebenden Muslime Bescheid wissen. Beim Thema islamischer Religionsunterricht gehen die Meinungen in der Bevölkerung weit auseinander: 32 Prozent der Befragten fänden es gut, wenn es für Schüler islamischen Glaubens an deutschen Schulen ein entsprechendes Schulfach gäbe, 42 Prozent fänden dies nicht gut und 24 Prozent wäre dies egal. Zwischen Männern und Frauen gibt es hier kaum Meinungsverschiedenheiten; unter Befragten mit formal hohem Bildungsniveau gibt es deutlich mehr Zustimmung für islamischen Religionsunterricht als unter Befragten mit niedrigem Schulabschluss. Und während im Westen Deutschlands 35 Prozent islamischen Religionsunterricht gut fänden, sind dies im Osten nur 19 Prozent.

Islamischer Religionsunterricht an deutschen Schulen? (Parteianhänger)

Geordnet nach politischen Präferenzen ist die Ablehnung islamischen Religionsunterrichts bei den FDP-Anhängern mit 51 Prozent am stärksten, gefolgt von 46 Prozent der Unions-, 44 Prozent der Linken-, 36 Prozent der SPD- und 25 Prozent der Grünen-Anhänger. Zustimmung kommt umgekehrt von 57 Prozent der Grünen-, 44 Prozent der Linken-, 34 Prozent der SPD-, 29 Prozent der Unions- und 24 Prozent der FDPAnhänger.

Der Faktor Konfession zeigt bei Protestanten eine überproportional ausgeprägte Ablehnung von islamischem Religionsunterricht, Katholiken sind weniger distanziert. Insgesamt lehnen 48 Prozent aller Protestanten sowie 53 Prozent der gelegentlich bis häufig zur Kirche gehenden Protestanten ein entsprechendes Schulfach ab. Unter Katholiken sagen 35 Prozent "Nein" zu einem Religionsunterricht speziell für Muslime, wobei die Ablehnung unter Katholiken mit hoher Kirchgangshäufigkeit mit anteilig 38 Prozent tendenziell ähnlich wie bei praktizierenden Protestanten konfessionsintern etwas stärker ausfällt.

Moscheen in Deutschland

Dennoch sind die Katholiken in diesem speziellen Vergleich die Gruppe mit der insgesamt liberalsten Position, da auch unter konfessionslosen Deutschen mit anteilig 44 Prozent sichtbar mehr Befragte "Nein" sagen. Schließlich plädieren unter Befragten, die sich gut oder sehr gut über das Leben der Muslime bei uns informiert fühlen, überdurchschnittlich viele für islamischen Religionsunterricht für muslimische Schüler. Dass es in Deutschland Moscheen gibt, findet die Hälfte der Deutschen (50 Prozent) prinzipiell gut, knapp ein Drittel (29 Prozent) findet dies nicht gut und fast jedem fünften (19 Prozent) sind die islamischen Gotteshäuser bei uns egal. Ähnlich dem Thema Religionsunterricht bestätigen sich auch in puncto Moscheen die Trends, wonach die Zustimmung im Westen der Republik sowie unter interviewten Personen mit höherem Schulabschluss über dem Schnitt liegt und zwischen männlichen und weiblichen Befragten hoher Konsens besteht.

Finden Sie es gut, dass es in Deutschland Moscheen gibt? (Altersgruppen)

Nachdem Katholiken und Protestanten in Sachen Religionsunterricht unterschiedliche Ansichten hatten, sind sie bei den Moscheen nahezu einer Meinung: Dass es diese gibt, findet innerhalb dieser beiden Hauptglaubensrichtungen in Deutschland jeweils eine sichtbare Mehrheit gut. Besonders offen gegenüber Moscheen sind die Menschen dort, wo diese am ehesten zu finden sind: In Großstädten heißen 61 Prozent der Befragten die islamischen Gebets- und Begegnungsstädten prinzipiell gut, dagegen sind dies - mit zur Einwohnerzahl fallender Zustimmung - in Kleinstädten noch 43 Prozent. Umgekehrt bedeutet dies aber nicht, dass sich Kleinstadtbewohner automatisch stärker gegen Moscheen positionieren, sondern dass entsprechende Einrichtungen hier überdurchschnittlich vielen Bürgern egal sind.

Bemerkenswert ist beim Thema Moscheen, dass sich in der Bevölkerung auch in der Detailanalyse praktisch keine demographische oder soziale Gruppe mehrheitlich gegen Moscheen ausspricht. Lediglich unter Bürgern, die zu viele Integrationshilfen für Muslime reklamieren oder die sich daran stören, wenn muslimische Frauen Kopftücher tragen, spricht sich ein überwiegender Teil auch gegen Moscheen aus.

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