Muslime ohne Islam?

Islam-Verbände fordern Reue von Professor Khorchide

Kultur | Forum am Freitag - Muslime ohne Islam?

Vertreter muslimischer Organisationen haben Mouhanad Khorchide heftig kritisiert: Er gebe Glaubensprinzipien des Islam auf. Ein Streitgespräch zwischen Khorchide, Mustafa Yoldas und Ramazan Ucar.

Beitragslänge:
14 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.03.2018, 23:55

In einer türkischsprachigen Zeitung haben sich Vertreter dreier muslimischer Organisationen in Hamburg kritisch über Professor Mouhanad Khorchide, der an der Uni Münster islamische Religionslehrer ausbildet, geäußert. Die Vertreter werfen Khorchide vor, in seinem Buch "Islam ist Barmherzigkeit"  die Glaubensprinzipien des Islam aufgeben zu wollen. Sie fordern deswegen Reue. Das "Forum am Freitag" mit Abdul-Ahmad Rashid bringt die Kontrahenten erstmals zu einem Streitgespräch zuammen. Mouhanad Khorchide spricht mit den Hamburger Muslimen Mustafa Yoldas und Ramazan Ucar. Wird Khorchide bereuen?

Sprengstoff für die muslimische Community in Deutschland: Mouhanad Khorchide, Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster, entwirft in seinem neuen Buch "Islam ist Barmherzigkeit" das Bild eines liebenden, gütigen Gottes und bezeichnet den Koran als einen "Liebesbrief Gottes an die Menschen". Ein reformatorischer, fast revolutionärer Ansatz, der die traditionelle islamische Theologie eines strengen, autoritären Gottes auf den Kopf stellt. "Viele Muslime gehen von einem Gott aus, der verherrlicht werden will, der Anordnungen schickt und der kontrolliert, wer sich daran hält. Wer gehorcht, wird belohnt, wer es nicht tut, bestraft," meint Professor Mouhanad Khorchide.

Der Islam - keine Gesetzesreligion

Ein großer Teil der Muslime sehe den Koran als ein Regelbuch, sagt Khorchide weiter. Er hingegen sehe die Beziehung zwischen Gott und Mensch als eine Liebesbeziehung, "ähnlich wie die zwischen einer Mutter und ihrem Kind". Er wünsche sich, "dass sich die Muslime befreien von dem Bild eines archaischen Gottes, das einem in vielen Moscheen, im Religionsunterricht oder während der theologischen Ausbildung suggeriert wird".

Khorchide räumt ein, dass sich die Reformer, "die den Koran anders interpretieren, den Islam nicht als reine Gesetzesreligion sehen", bisher nicht durchsetzen konnten.Das habe auch politische Gründe. "Viele Machthaber der islamischen Reiche haben sich den Titel 'Schatten Gottes auf Erden' verliehen. Sie machten damit klar: Wer dem Herrscher widerspricht, widerspricht Gott." Damit das Volk gefügig bleibe, ließen sie das Bild eines Gottes konstruieren, dem Gehorsam über alles geht.

Das spiele bis heute in einem diktatorischen Staat wie Saudi-Arabien eine wichtige Rolle: "Jede Opposition wird nicht nur als weltliche Opposition, sondern als Opposition hingestellt, die sich gegen Gott richtet", sagt der Theologe. Er fordert eine Reform, "die die Mündigkeit und die Vernunft des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Der Koran selbst tut das übrigens."

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