Muslime und Drogen

Rauschmittel im Islam

Drogenmissbrauch ist ein gesellschaftliches Problem. Der Konsum von Rauschmitteln wächst nicht nur unter deutschen Jugendlichen. Auch bei jugendlichen Muslimen steigt der Drogen-Konsum an. Das Einstiegsalter beginnt laut einer Studie aus dem Jahre 2005 mittlerweile bei 12 Jahren. Und das, obwohl der Islam den Konsum von Drogen streng untersagt.

Drogenabhängige setzten sich Spritzen Quelle: ZDF

Im Koran heißt es: "Oh ihr, die ihr glaubt! Siehe, Berauschendes, Glücksspiele, Opfersteine und Lospfeile sind ein Gräuel, Satans Werk. Meidet sie, auf dass es euch wohl ergehe." (Sure 2:90) Zu den Hauptzielen der islamischen Rechtslehre gehören die Prinzipien "Schutz des menschlichen Lebens" und "Schutz des menschlichen Verstandes".

Von Drogenverboten und Giftmorden

Deshalb verbietet der Islam Mittel und Handlungen, die der Unversehrtheit der Gesundheit und der Klarheit des Verstandes schaden. Drogen sind im Islam verboten, die Verwendung von Rauschmitteln wiederum ist nur zu medizinischen Zwecken gestattet. Als Rauschmittel ("chamr") gelten alle Substanzen, die bei Einnahme eine berauschende Wirkung auf den Menschen haben, unabhängig, ob es sich dabei um Alkohol, Cannabis oder Heroin handelt. Zwar war auch Opium in der islamischen Welt zumindest seit dem 9. Jahrhundert bekannt. Doch war sein Konsum nicht in dem Maß verbreitet, wie das aus anderen Kulturen überliefert ist.

Seit dem 12. Jahrhundert wurde dann die Cannabis-Pflanze immer populärer, deren Produkt Haschisch die weiteste Verbreitung und das größte Interesse fand. Legendenumwoben sind hierbei die Assassinen, eine militante ismailitische Sekte im Orient, die im Mittelalter durch Berichte von Kreuzfahrern und später durch Reisende wie Marco Polo in Europa bekannt wurde. Sie konsumierte Haschisch und verübte Giftmorde an hochgestellten Persönlichkeiten.

Näher zu Gott - durch Drogen?

Sufismus - Derwische tanzen Quelle: ,ap


Mit der Verstärkung des Haschisch-Konsums begannen auch die Diskussionen unter den Rechtsgelehrten über die Frage der Erlaubnis des Rauschmittels. Denn der Koran geht darauf nicht ein und die Prophetentraditionen, in denen sie thematisiert wird, wurden von der Mehrheit der Autoritäten in dieser Frage als unecht beurteilt. Ein weiteres Problem bestand darin, dass islamische Mystiker, die Sufis, Haschisch als Mittel verwendeten, um auf dem Weg der Gotteserkenntnis weiterzugehen.

Aus Sufi-Kreisen verbreitete sich der Konsum vor allem in den einfachen Bevölkerungsschichten. Im Rahmen einer grundsätzlichen Verschärfung der Haltung des islamischen Rechts gegenüber jeder Form von Rauschmitteln wurde Haschisch, das sich in den islamischen Staaten Nordafrikas und des Mittleren Ostens immer weiter ausbreitete, zunehmend kritischer betrachtet.

Migration und Drogenabhängigkeit

Um Jugendliche von der Einnahme von Drogen abzuhalten, greifen islamische Vereine und Organisationen heutzutage auf das Verbot im Koran zurück und versuchen, die Heranwachsenden durch die Warnung vor der "Sünde" und die Abkehr von Gottes Geboten abzuschrecken. Dabei berufen sich islamische Organisationen auch auf die religiöse Bildung und Bindung sowie die Berufung auf ein Leben gemäß dem Koran - doch die Erfahrung hat gezeigt, dass Glaube und Religiosität den Großteil der muslimischen Jugendlichen vom Konsum berauschender Mittel nicht abhalten können.

Zu dominant sind Faktoren wie Arbeits- und Perspektivlosigkeit, geringe Bildungschancen und soziale Ausgrenzung, die die Jugendlichen in den Drogenkonsum treiben. Laut einer Studie mit dem Titel "Migration und Drogenabhängigkeit" aus dem Jahre 2005 liegen die wichtigsten Gründe für den Drogenkonsum in den kulturellen Unterschieden, der Gewalt in der Familie, migrationsbedingten Anpassungsschwierigkeiten und einem mangelndem Selbstwertgefühl. Auch mit der Problembewältigung sind viele Migrantenfamilien überlastet. Laut der Studie von Fatma Parla würden viele Betroffene aus Angst vor Nachbarn und der Familie ihre Probleme verheimlichen. Wenn es dann zum Outing kommt, würden eher traditionelle Mittel als professionelle Hilfe gesucht. So schickten viele Familien die Jugendlichen in die Türkei, um diese dort zu therapieren oder sie mit "unschuldigen Mädchen" zu verheiraten, so die Studie weiter.

Neue Modedroge Tilidin

Besonders unter Jugendlichen im Raum Berlin gilt das Schmerzmittel Tilidin als neue Modedroge. Es macht angstfrei, man geht größere Risiken ein, fühlt sich enthemmt und euphorisch. Besonders unter jungen Arabern soll der Schmerzmittelwirkstoff, der in der Regel bei starken Schmerzen beispielsweise an Krebspatienten verschrieben wird, als Geheimtipp für einen schnellen und billigen Rausch gelten. Für junge Muslime ist der Konsum zusätzlich reizvoll, da Tilidin im Gegensatz zu Alkohol und anderen Drogen im Islam als Medikament und nicht als Droge gilt und somit nicht grundsätzlich verboten ist. Doch Tilidin führt neben Glücksgefühlen auch zur Abhängigkeit. Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass Tilidin, das von den Jugendlichen oral eingenommen wird, aggressionsfördernd wirkt.

Unter Konsumenten sind daher verstärkt Gewalt- und Raubdelikte zu beobachten, außerdem steigt durch die Fälschung von Rezepten auch die Beschaffungskriminalität. Durch die steigende Zahl an Gewaltdelikten im Zusammenhang mit Tilidin-Konsum ist mittlerweile auch die Politik auf die Problematik aufmerksam geworden und versucht den Konsum dadurch zu verhindern, indem sie versucht, das Medikament in das Betäubungsmittelgesetz aufzunehmen. Ob dies allerdings zur Abschreckung vor dem Konsum führt, wird von Drogenexperten und Sozialarbeitern bezweifelt, die sich vielmehr den offenen Umgang und Hilfsangebote für Süchtige wünschen.

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