Muslime und Weihnachten

Geschenke auch für muslimische Kinder

Eigentlich ist Weihnachten ein christliches Fest, doch auch immer mehr Muslime in Deutschland nehmen daran teil. Sie empfinden es als Bereicherung: Die weihnachtlichen Feiertage sind auch für die Muslime freie Tage und auch für viele muslimische Familien ein Anlass, enger zusammenzurücken.

Christlich-muslimische Weihnachtsbeleuchtung in Beirut Quelle: ap

Der 31-jährige Jawaher Tikri aus Dortmund ist ein in Deutschland geborener Sohn marokkanischer Eltern: "Das ist ja auch eine Bereicherung für mich, mitzuerleben, wie sieht die andere Religion aus und wie verbringen die Menschen ihr Fest", so der praktizierende Muslim. Auch wenn bei ihm zuhause nicht Weihnachten gefeiert wurde, hat er dennoch keine Berührungsängste: "Wenn ich jetzt eigene Kinder hätte, ich hätte auch nichts dagegen, meine eigenen Kinder zu beschenken. Ich finde, andere muslimische Familien könnten auch daraus profitieren, wenn sie es wollten, oder wenn sie es jetzt nicht gerade schon tun."

Weihnachten in der Schule

Ähnlich sieht es auch Ismail Yavuzcan aus Köln. Der 41-jährige Vater von drei schulpflichtigen Kindern hat kein Problem damit, dass seine Kinder in der Schule mit Weihnachten konfrontiert werden: "Zum Beispiel lernen meine Kinder Weihnachtslieder in der Schule. Als vor kurzem Sankt Martin war, hat meine Tochter eine Rolle in einem Stück übernommen, das im Hort gespielt wurde. Man muss sich ja auch immer als Eltern fragen, wenn ich meinem Kind das untersage, erstens, welche Alternative habe ich, und zweitens, was viel wichtiger ist, was tue ich dem Kind damit an."

An religiösen Veranstaltungen zu Weihnachten möchte der strenggläubige Türke seine Kinder aber nicht teilnehmen lassen. Dies stelle auch für viele andere in Deutschland lebende Muslime ein großes Problem dar: "Viele Muslime sind der Meinung, dass man religiöse Feste anderer Religionen nicht mitfeiern sollte, und dass es nicht zu einer Vermischung der Religionen kommen sollte", so der promovierte Soziologe.

Nach dem Ramadan wird gefeiert

Muslimische Familie beim Essen Quelle: kna


Anstelle des Weihnachtsfestes kennt der Islam das Fest am Ende des Fastenmonates Ramadan. Es wird ähnlich gefeiert: Die Familien besuchen und beglückwünschen sich gegenseitig, und die Kinder erhalten Geschenke. Dennoch möchten viele muslimische Eltern ihre Kinder in der Weihnachtszeit nicht isolieren. Besonders die Angehörigen der zweiten und dritten Generation gehen dazu über, ihren Kindern auch zu Weihnachten Geschenke zu geben. Manche Muslime gehen noch weiter und schmücken ihre Häuser mit Weihnachtsdekoration. Doch Christbaum und Adventskranz sind weiterhin ein Tabu.

Überhaupt wird die vorweihnachtliche Stimmung von Muslimen als sehr angenehm empfunden, so Jawaher Tikri: "Mir gefällt das Flair. Es herrscht mehr Leben und Licht in den Innenstädten. Das ist schön anzusehen!" Ismail Yavuzcan sieht dies jedoch kritischer: "In den Geschäften und Geschäftsstraßen und dergleichen hat man natürlich immer diesen kommerziellen Hintergrund. Man hat eher den Eindruck, dass mehr Kommerz als Religion dahinter steckt."

Familien rücken zusammen

Die weihnachtlichen Feiertage sind auch für die Muslime freie Tage und auch ein Anlass für viele muslimische Familien, enger zusammenzurücken. Doch Kontakte zwischen Muslimen und Christen an diesen Tagen sind höchst selten. Denn obwohl Muslime in den letzten Jahren vermehrt Christen beispielsweise zum gemeinsamen Fastenbrechen im Ramadan einladen, bleiben persönliche Einladungen von christlicher Seite zu Weihnachten oder gar an Heiligabend aus, bemängelt Ismail Yavuzcan: "Es ist eher der offizielle Rahmen, das heißt, Betriebsfeier, Schule oder Hort. Aber im nachbarschaftlichen oder privaten Bereich kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich von Nachbarn oder Bekannten zu einer Weihnachtsfeier eingeladen worden wäre."

Dies ist eigentlich auch eher unüblich: Weihnachten ist ein sehr enges Familienfest. Einladungen an Nichtfamilienmitglieder, seien sie Nichtmuslime oder Muslime, sind daher äußerst selten. Was wiederum für Muslime befremdlich ist: Beim Fest zum Ende des Ramadans oder zum Opferfest stehen für alle Menschen die Türen offen.

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