Nie mit links essen

Gastfreundschaft und Umgangsformen im Islam

"Wer an Gott und den Jüngsten Tag glaubt", der soll seinen Gast ehren. Die Hochschätzung der Gastfreundschaft (Dschiwar) ist ein zentrales Anliegen im Islam. Sie wird als eine besondere Tugend begriffen. Bereits in vorislamischer Zeit galt Reisenden und Fremden der besondere Schutz der höchsten Gottheit (Allah). Derjenige, der Fremden und Verfolgten Schutz gewährte, galt Gott als besonders nahe. Wer ihnen wiederum Schaden zufügte, der lud große Schuld auf sich.

Einzelnes Gedeck Quelle: ZDF

In der islamischen Welt ist es im allgemeinen üblich, einen Gast drei Tage lang aufzunehmen, ohne ihn zum Gehen aufzufordern. Diese Tradition geht auf eine Überlieferung des Propheten Mohammad zurück, der seiner Gemeinde diese Praxis empfahl. Und der Prophet wusste, wovon er sprach. Den als er im Jahre 622 von Mekka nach Medina flüchten musste, wurde er von den dort lebenden Muslimen schützend aufgenommen.


Grundidee der entstehenden islamischen umma (Gemeinde) war es, dass der Glaube wichtiger als die Stammeszugehörigkeit ist. Daher konnten Stammesfremde in die Umma aufgenommen werden. Auch ein Teil der sozialen Pflichtabgabe (zakat) ist für die Unterstützung Fremder und Reisender bestimmt. Besonders an heiligen Stätten wurde Asyl gewährt, in der Regel wurde ein Reisender und Gast für drei Tage aufgenommen. In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass Gastfreundschaft und Asyl entsprechend den Bestimmungen des Koran auch immer auf Nicht-Muslime angewendet werden sollen.

Zu Gast bei Muslimen

Islamische Gastfreundschaft mit Blumen Quelle: ZDF


Wer streng gläubige Muslime besucht, muss, ob er selbst Muslim ist oder nicht, ein paar wenige Grundregeln beachten. Kleine Geschenke wie Blumen oder Schokolade sind immer gern gesehen. Als Mann ist es geboten, eine muslimische Familie nur zu besuchen, wenn das Familienoberhaupt zu Hause ist. Bei der Begrüßung ist es oft unüblich, dass muslimische Männer Frauen die Hand geben. Dies gilt nicht als höflich. Die normale Begrüßung lautet "Friede sei mit Dir" - "as-salama-aleikum" - worauf die zweite Person mit "wa aleikum salam" (Friede sei auch mit dir) erwidert. Beim Betreten der fremden Wohnung sollte man nicht vergessen, die Schuhe auszuziehen.


In einigen muslimischen Gesellschaften ist es eine Gepflogenheit, dass sich die männlichen Gäste zu den Männern und die Frauen zu den Frauen setzen. Übereinandergeschlagene Beine gelten als Missachtung der Umgangsformen. Die Höflichkeit gebietet auch, dem Gastgeber im Sitzen nicht die Fußsohlen entgegenzustrecken. Für jede muslimische Familie ist es eine große Ehre, ihre Gäste gut und reichhaltig zu bewirten. Das Besteck wird dabei vermutlich nicht aus Silber sein, da der Islam die Verwendung von Edelmetall zu praktischen Zwecken verbietet.

Verbotene und erlaubte Speisen

Streng gläubige Muslime essen stets mit der rechten Hand, da die linke Hand durch die rituelle Waschung und die dadurch notwendige Berührung verschiedener Körperteile als unrein gilt. Der Islam unterscheidet, was die Essensgewohnheiten angeht, erlaubte und unerlaubte Speisen (Halal/Haram). So dürfen streng gläubige Muslime nur das Fleisch rituell geschlachteter Tiere verzehren. Verboten sind dem Muslim speziell der Verzehr von Schweinefleisch und allen aus Schwein hergestellten Produkten wie Gelatine. Muslimische Gesundheitsexperten begründen das Schweinefleischverbot mit medizinischen Argumenten. So können durch Schweinefleisch Trichinose-Erreger übertragen werden und der Verzehr von Schweinefleisch fördert die Entstehung etwa von Gallenkoliken oder Gastroenteritis.

Alkohol, Drogen und Rauschmittel sind im Islam verboten. Auch Schokolade und Pralinen, die mit Alkohol gefüllt sind, sind nicht erlaubt. Es gibt den Ausspruch, dass ein Tropfen Alkohol den ganzen Ozean ungenießbar macht. Doch gelten beispielsweise Alkohol enthaltende Medikamente als erlaubt.

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