Organisierte Migrantinnen

"Kompetenzzentrum" oder "progressive Frauen"?

Die "Frankfurter Initiative progressiver Frauen", die sich am 27. Januar 2010 offiziell der Presse vorgestellt hat, besteht aus Akademikerinnen und anderen gut ausgebildeten Frauen, die ursprünglich aus der Türkei stammen. Sie verstehen sich als eine Stimme für die Mehrheit der säkularen Frauen, die sich in öffentlichen Debatten nicht vertreten fühlt. Zu ihnen gehören unter anderem Zahnärztinnen, Rechtsanwältinnen und Betriebswirtinnen.

Das Bild zeigt drei Frauen mit Kopftüchern, eine mit einem schwarzen, eine mit einem roten und eine mit einem goldenen. Im Hintergrund sieht man Halbmond und Stern, die Symbole der türkischen Flagge.
Das Bild zeigt drei Frauen mit Kopftüchern, eine mit einem schwarzen, eine mit einem roten und eine mit einem goldenen. Im Hintergrund sieht man Halbmond und Stern, die Symbole der türkischen Flagge. Quelle: ZDF

Mit dem, was sie in ihrem Leben erreicht hätten, wollen die Frauen Zuwanderern ein "positives Bild" vermitteln und ein Vorbild sein, so die Rechtsanwältin Gönül Halat-Mec, ein Gründungsmitglied der Initiative. Und ein anderes Gründungsmitglied, die Betriebwirtin Sunay Capkan, fügt hinzu: "Es gibt viele Frauen unseres Kalibers". Die Frauen beklagen, dass dem Islam bei der Integrationsdebatte zu viel Raum gegeben werde, und werben dafür, Religion als Privatsache zu betrachten. Die Defizite lägen nicht in der Religionsausübung, sondern in der Bildung und Ausbildung und in Versäumnissen von Eltern ihren Kindern gegenüber, so die Zahnärztin Ezhar Cezairli.

Auch wenn zu der Initiative bislang nur ursprünglich aus der Türkei stammende Frauen gehören, so ist der Kreis auch offen für Frauen anderer Nationalität und Konfessionen. Alle Gründungsmitglieder tragen kein Kopftuch. Was wäre, wenn jetzt eine Muslimin mit Kopftuch aufgenommen werden möchte? "Die würde nicht so gut zu uns passen", gibt sich Ezhar Cezairli zurückhaltend.

Kompetenzzentrum Muslimischer Frauen

Mit dem Ziel, muslimische Frauen in Bildungsfragen zu beraten sowie die Integration und den interreligiösen Dialog zu fördern, hat sich Anfang des Jahres in Frankfurt auch das "Kompetenzzentrum muslimischer Frauen" der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach Auskunft der Vorsitzenden Naime Çakir gehören der Gruppe derzeit 25 Frauen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet an; sie ist für weitere Mitglieder offen.

Energiesparend: Fosters Frankfurter Commerzbankzentrum von 1997 Quelle: ZDF


Im Kompetenzzentrum sind Theologinnen, Islamwissenschaftlerinnen, Psychologinnen, Pädagoginnen, aber auch eine Projektmanagerin im Marketing, Soziologin, Politologin und eine Juristin, sowie eine Erzieherin, Logopädin, eine Fremdsprachensekretärin und zahlreiche Studentinnen aktiv. Çakir selbst hat Sozialpädagogik studiert, ist angehende Islamwissenschaftlerin und will demnächst in Freiburg mit einer Promotion in Soziologie beginnen.

Bildung, Begegnung, Beratung

Das Kompetenzzentrum versteht sich als ein Zentrum für Frauen aus dem muslimischen Kulturkreis, das sich mit Fragen der Integration Partizipazition und Chancengleichheit beschäftigt. Durch verschiedene Bildungs-, Begegnungs- und Beratungsangebote möchte es zum Abbau von struktureller und geschlechtsspezifischer Benachteiligung sowohl in der muslimischen Community als auch in der Gesellschaft beitragen. Çakir ist es wichtig, dass der Beitrag von Frauen für die Integration gewürdigt wird "Die Integrationsdebatte wird zum größten Teil auf dem Rücken der muslimischen Frauen ausgetragen, worin sie oft als Opfer thematisiert werden. Wir orientieren uns an den Kompetenzen und Ressourcen der Frauen und treten für eine aktive Teilhabe und Chancengleichheit aller Frauen ein."

Das Kompetenzzentrum möchte die Kompetenzen und Ressourcen von Frauen aus dem muslimischen Kulturraum bündeln und Ansprechpartner für verschiedene Institutionen und Einrichtungen sein. "Mit unseren Aktivitäten möchten wir uns für ein Verständnis von Integration einsetzen, das gemäß des freiheitlichen Grundgedankens und der im Grundgesetz verankerten Menschenrechte kulturelle, religiöse und weltanschaulicher Pluralität innerhalb der Gesellschaft anerkennt", ergänzt die stellvertretende Vorsitzende, Hafida Allouss.

Vielfältige Herkunft

Der Kreis ist vielfältig - sowohl was die Herkunftsländer der Frauen und ihrer Vorfahren betrifft, als auch hinsichtlich der in der Gruppe vertretenen Richtungen des Islams. Zu dem Zentrum gehörten Türkinnen genauso wie Marokkanerinnen oder Frauen aus Bosnien, erläutert Çakir. Die Frauen repräsentierten den Islam sunnitischer, schiitischer und alevitischer Prägung. Sogenannte Kulturmuslima - gemeint sind Frauen, die eine eher lose Verbindung zum Islam haben - gebe es genauso wie orthodox orientierte Frauen. Das Zentrum sei aber kein Religionsverein, so Naime Çakir. "Unser Projekt ist ein soziales Projekt." Ziel sei die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

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