Partnervermittlung mit Allahs Hilfe

Heiratsinstitut statt Zwangsehe

Partnervermittlungen, "Eheanbahnungsbörsen" oder einfach Single-Treffs gibt es wie Sand am Meer. Und alle haben sie eins gemeinsam - den Ruf einsamer Herzen nach Zweisamkeit. Die Möglichkeiten einen Partner zu finden, scheinen uneingeschränkt groß zu sein. Kommt jedoch bei der Suche des Traumpartners der Glauben ins Spiel, wird die Auswahl schon sehr viel geringer.

Muslima mit Kinderwagen
Muslima mit Kinderwagen Quelle: caro

Den oder die Richtige für ein gemeinsames Leben zu finden, ist in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft nicht einfach. Besonders Muslime in Deutschland sehen sich häufig mit kulturellen, religiösen und traditionellen Barrieren konfrontiert, wenn es darum geht, einen Lebenspartner zu finden. Oft bieten sich Muslimen in Deutschland und Europa auch durch Sprachbarrieren gar nicht erst die Möglichkeiten, einen geeigneten Partner kennen zu lernen.

Spätere Heirat erwünscht

Islam und Liebe - wer an diese Kombination denkt, dem fallen häufig Stereotypen wie Zwangheirat ein oder Männer, die ihre Frauen erst am Hochzeitstag zum ersten Mal sehen. Doch die Mehrzahl der Muslime und Musliminnen suchen sich ihre Partner eigenständig und aus freiem Willen aus.

Für viele ist auch das Internet der "Kuppler" des 21. Jahrhunderts. Eine ganze Reihe von Instituten oder Internet-Partnerbörsen haben sich hier auf die Vermittlung von Singles islamischen Glaubens spezialisiert. In der Regel gilt hier der Grundsatz: Spätere Heirat erwünscht! Ja, bei vielen der Börsen scheint dies sogar Voraussetzung für eine Anmeldung in diesem Portal zu sein, damit überhaupt eine etwaige Vermittlung möglich wird.

Frauen sind ehrlicher

Dieses Problems hat sich der Münchner Samer Fahed angenommen. Der gläubige Muslim mit palästinensischen Wurzeln gründete 2005 das bundesweit erste Islamische Heiratsinstitut. Seine Kunden stammen meist aus dem deutschsprachigen Raum. Der Großteil davon sind Frauen. Das liege daran, so der 40-Jährige, dass viele männliche Bewerber nur heiraten wollten, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Solche Kandidaten würden nicht vermittelt.

Um vermittelt zu werden, füllt der Interessent über das Internet einen Fragebogen aus. Neben klassischen Fragen nach Beruf, Aussehen oder Hobbys muss er auch Angaben zur religiösen Einstellung machen, zum Beispiel zur Kopftuchfrage. Das Institut vermittelt ausschließlich Personen, die dem Islam angehören. Aber auch Nicht-Muslime, die zum Islam konvertieren wollen, können gegen eine Bearbeitungsgebühr in die Kartei aufgenommen werden.

Gestiegene Ansprüche

Männer wie Frauen zahlen monatlich eine Gebühr von ungefähr fünf Euro. In Faheds Kartei gibt es den Maschinenschlosser, die Ärztin oder einen Imam. Von den Frauen sind fast die Hälfte geschieden, viele haben Kinder. Unter ihnen sind rund 40 Prozent zum Islam konvertierte Deutsche, die nun einen Gleichgläubigen suchen. Das Durchschnittsalter bei den Frauen beträgt etwa 35 Jahre. Die meisten sind Akademikerinnen.

"Besonders bei Single-Frauen steigen jedoch die Ansprüche immer mehr, bedingt auch durch die Werbung und andere äußere Einflüsse", beklagt Fahed. "Die Frauen wollen kaum mehr Kompromisse machen". "Doch", so der gläubige Muslim, "die Traumfrau oder den Traummann an sich gäbe es einfach nicht - ob Muslim oder Nicht-Muslim. Diese oder dieser müsse dann doch noch gebacken werden", so Fahed resümierend.

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