Pflege für türkische Senioren

Ein Modellprojekt in Berlin

Die Pflegeeinrichtung "Türk Huzur Evi" in Berlin ist Deutschlands erstes Altenpflegeheim für Türken. Es entstand auf Initiative des Generalsekretärs der türkischen Gemeinde zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Marseille-Kliniken AG und gilt als Pilotprojekt einer zielgruppenorientierten Altenpflege.

Türkische Seniorin Quelle: ZDF

Die Notwendigkeit solcher Einrichtungen ergibt sich zum einen aus der demographischen Entwicklung und zum anderen aus einem Wandel in den Wertvorstellungen auch in der muslimisch-türkischen Welt. Die erste Generation der türkischen Einwanderer ist inzwischen in einem Alter, in dem sie aus dem aktiven Berufsleben ausgeschieden ist und altengerechte Pflege benötigt. Allein in Berlin-Kreuzberg wird sich nach einer Prognose der Senatsverwaltung bis 2020 die Zahl der 65 bis 75 Jahre alten Türken verdoppeln, die der über 75-Jährigen vervierfachen.

Betreuung nicht immer Familiensache

Senioren am Tisch Quelle: ZDF


Die erforderliche Betreuung kann aber nicht immer in den Familien geleistet werden, wie es normalerweise in der türkischen Gesellschaft üblich ist. "In der türkischen Gemeinschaft wird noch immer mit dem Finger auf eine Familie gezeigt, wenn sie Vater oder Mutter im Altenheim betreuen lässt", meint Celal Altun.


Und dennoch haben die Lebensbedingungen der westlichen Gesellschaft inzwischen auch die türkischen Großfamilien erfasst. Viele Kinder können sich nicht um die kranken und pflegebedürftigen Eltern kümmern. Manche Arbeiter haben ihre Familien im Ursprungsland zurückgelassen in der Erwartung, dorthin zurückzukehren. Wenn sie sich zum Bleiben entschließen, sind sie ohne den familiären Rückhalt im Alter.

Trend zur professionellen Pflege


Auch in der Türkei hat sich die Zahl öffentlicher Einrichtungen seit 1993 verdoppelt. Ein Trend zu professioneller Altenpflege ist sichtbar. Zum Prinzip der Pflege bei "Türk Huzur Evi" gehören die Berücksichtigung von muslimischen Speisevorschriften und die Orientierung an religiösen und kulturellen Regeln. So werden beispielsweise nur Pfleger des eigenen Geschlechtes eingesetzt, um das Schamgefühl der Menschen nicht zu verletzen.

Empfang Altenheim


Dass alle Informationen zweisprachig sind und das Personal türkisch spricht, ist hier selbstverständlich. Fehler in der medizinischen Diagnose und der Pflege aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse können dadurch vermieden werden. Erst langsam entdecken Medizin und Altenpflege, dass kulturell bedingte Mentalitätsunterschiede großen Einfluss auf die jeweiligen Krankheitsbilder der Patienten haben. Ihre Berücksichtigung fördert die Heilungschancen und das Wohlbefinden der Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund.

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