Plumpe Propaganda

Fitna - Geert Wilders Kampfansage an den Islam

Verstümmelte, verkohlte Leichen, Hassprediger, einstürzende Türme und "God Bless Hitler"-Plakate - so soll also der Islam aussehen - zumindest der Islam, wie ihn der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders gerne sehen würde. Nicht ohne Grund heißt Fitna, der Titel des Films von Gert Wilders, übersetzt "Zwietracht" oder besser "Chaos".

Ausschnitt aus "Fitna"
Ausschnitt aus "Fitna" Quelle: dpa

Ein schlimmeres Chaos an Bildern und wahllos zusammengestellten Koranversen, zum Teil falsch übersetzt, kann es kaum geben. Sieht so der Islam aus? Soll dieser "Islamfilm" - oder sollen wir besser sagen "Antiislamfilm" - aufklären? Oder will er aufhetzen? Geht es hier etwa einem Politiker schlicht um Stimmenfang mit antiislamischer Stimmungsmache in einem Land, das durch die Morde an den Islamkritikern Pim Fortuyn und Theo van Gogh seine Unschuld verloren hat?

Wüste Collage oder Dokumentation?

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders
Niederländischer Rechtspopulist Geert Wilders Quelle: dpa


Von "wüster Collage von Horror- und Zerrbildern des Islam" (Spiegel Online) bis hin zu "Blonder Hetzer mit Anti-Islam-Mission" (Focus Online) ist im Blätterwald die Rede. Von der Frankfurter Allgemeinen über die taz bis zur Süddeutschen urteilt die Presse fast einmütig mit dem Daumen nach unten. Spiegel Online vergleicht Fitna szenisch sogar mit Schindlers Liste, wo "getragene Streichermusik" (hier Griegs Peer Gynt) Gräueltaten begleitet. Und doch polarisiert Fitna und ist eine Diskussion wert. "Denn", so die Süddeutsche Zeitung, "eine Negativauswahl ist auch eine Auswahl". Eine Auswahl, die der Publizist Henryk M. Broder als "Verdichtung der Wirklichkeit" lobt und Wilders gar dokumentarische Fähigkeiten bescheinigt.

Die Wirklichkeit ist eben wirklich nur so, wie man sie sehen will. Es war noch nie einfacher, mit dem Feindbild Islam für Furore zu sorgen. Das Fatale hierbei: der Film, der für westliche Aufgeklärtheit stehen soll, bedient sich derselben Mittel wie eben jene irregeleiteten El-Kaida Extremisten, die er an den Pranger stellen will. Er spielt ihnen sogar in die Hände, denn so werden Ihre Enthauptungsvideos um den Globus geschickt. Wilders bedient sich schlichtester Mittel der Propaganda und vermischt so auf dilettantischste Weise den Islam mit den Islamisten.

Was will Wilders?

Zuletzt fragt man sich, um was es eigentlich geht? Will man die Grenzen künstlerischer Freiheit im Islam ausloten, Muslime beleidigen oder einfach nur provozieren. Eines zumindest hat der Rechtspopulist Wilders auf jeden Fall erreicht: er hat einen PR-Coup gelandet und das mit einem miserablen Internet-Film. Die Ironie hierbei: während alle Botschaften zwischen Rabat und Jakarta an Evakuierungsplänen arbeiteten, reagierte die Mehrheit der Muslime weltweit mit einer ziemlichen Gelassenheit.


Bis auf Schism, einem sechsminütigen Gegenvideo des saudischen Bloggers Raed Al-Saeed, das Gewalttaten mit Bibelzitaten vermischt und unter anderem Jugendliche im Irak zeigt, die hinter einer Mauer von US-Soldaten verprügelt werden, hielt sich der Furor in der islamischen Welt in Grenzen. Vielleicht ist man die täglichen Vorurteile, Beleidigungen und Klischees inzwischen einfach leid.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.