Religiöse Erziehung

Der Weg vom Kind zum Gläubigen

Das Kind muslimischer Eltern gilt als Muslim und wird als solcher behandelt. Dabei ist ausschlaggebend, dass der Vater Muslim ist, denn die Religionszugehörigkeit richtet sich nach ihm. Es ist kein Bekenntnis oder eine ausdrückliche Erklärung des Kindes nötig, die etwa mit der christlichen Taufe oder der Konfirmation/Kommunion vergleichbar wäre. Der Vater nimmt das Neugeborene und spricht den Gebetsruf leise in sein rechtes Ohr und den Gebetsaufruf in sein linkes Ohr. Die religiöse Unterweisung findet in der Familie, in der Koranschule und in islamischen Ländern auch in der Schule statt.

Kinderbetreuung Quelle: ap

Das Kind wächst in der Familie mit islamischen Festen und Feiertagen auf, gleichzeitig machen die Eltern es aber auch mit den speziellen islamischen Speise- und Reinigungsvorschriften vertraut, sowie mit den detaillierten Auffassungen davon, was im Islam als erlaubt und verboten gilt. Der Sohn wird dabei vom Vater und die Tochter von der Mutter religiös unterwiesen. Schritt für Schritt wird das Kind in die Glaubenspflichten des Islam eingeführt.

Viel religiöser Lernstoff

Dazu gehört vor allem das fünfmal täglich zu verrichtende rituelle Gebet: Man geht davon aus, dass ein Kind etwa mit 7 Jahren mit dem rituellen Gebet beginnen sollte. Mit 10 Jahren sollte es dann das Gebet beherrschen und auch vollziehen. Auch in das 30-tägige Fasten im Monat Ramadan wird das Kind Schritt für Schritt eingeführt und ungefähr mit der Pubertät sollte es die ganze Fastenzeit einhalten.


Beim Besuch der Koranschule lernt das Kind ab etwa vier Jahren den Koran durch ständiges Wiederholen auf Arabisch auswendig. Die Bedeutung der Verse oder gar ihre Anwendung auf das tägliche Leben kommt dabei kaum zur Sprache. In der Koranschule, aber auch in der "säkularen" Schule lernen Kinder in weiten Teilen der islamischen Welt vor allem durch Auswendiglernen und Wiederholen. Eigene Gedanken, Diskutieren, Hinterfragen oder sogar das Ablehnen des Lernstoffs sind in aller Regel nicht gefragt.

Erziehung zu Rollenverhalten

Muslimische Familie beim Essen Quelle: kna


Mädchen werden in der islamischen Welt früh auf ihre spätere Rolle als Hausfrau und Mutter hin erzogen. Sie übernehmen in aller Regel schon in jungen Jahren Haushaltspflichten und sind oft bereits vor der Pubertät in der Lage, die Mutter in den Aufgaben des Haushaltes zu vertreten. Dies hängt auch damit zusammen, dass Mädchen mit Eintritt der Pubertät zumindest im ländlichen Bereich prinzipiell als heiratsfähig gelten. Auch die Fürsorge für jüngere Geschwister als Vorbereitung auf die spätere Mutterrolle gehört für Mädchen zum Aufgabenfeld, das in der Regel als selbstverständlicher betrachtet wird als der höhere Schulbesuch.


Jungen dagegen werden früh auf eine Identifizierung mit der Welt des Vaters in der Moschee, der Öffentlichkeit und seinem Beruf hin geprägt. Im Schulbesuch, der Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit, der Eigenverantwortlichkeit, sowie oft selbst in der medizinischen Versorgung genießen sie deutliche Privilegien vor ihren Schwestern, und zwar auch dann, wenn diese älter sind.

Verankerte Geschlechtertrennung

Auch diese Vorbereitung auf das Leben als Mann oder Frau gehört eigentlich zur religiösen Erziehung im Islam, denn die Aufgabenteilung und Geschlechtertrennung ist in der Religion verankert. Nach "klassischem" Verständnis verpflichtet der islamische Ehevertrag den Ehemann dazu, alleine für den Unterhalt seiner Familie aufzukommen. Er vertritt die Familie nach außen, trifft aber auch die anstehenden Entscheidungen zu Wohnort, Schulbesuch oder Berufsausbildung, während der Ehefrau die Fürsorge für die Kinder und die Führung des Haushaltes zufallen.

Angemessenes, respektvolles Verhalten gegenüber Eltern, Älteren im Allgemeinen, von Frauen gegenüber Männern, Zurückhaltung im Umgang mit dem anderen Geschlecht und die Wahrung eines untadeligen Rufes für Mädchen und Frauen gehören zu den grundlegenden Erziehungsidealen im Islam.

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