Religiöse und säkulare Muslime

Drei Millionen Muslime in Deutschland

In Deutschland leben mehr als drei Millionen Menschen muslimischer Herkunft. Doch nur eine Minderheit (etwa 15 Prozent) ist in den islamischen Verbänden wie dem Islamrat, dem Zentralrat der Muslime, der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) oder dem "Verband Islamischer Kulturzentren" (VIKZ) organisiert.

Die Mehrheit der Muslime bekennen sich zwar zu ihrem Glauben, ordnen ihm aber nicht ihren gesamten Alltag unter und sind auch nicht in den oben genannten Verbänden oder Institutionen vertreten. Laut Studien besucht nur ein knappes Drittel der in Deutschland lebenden Muslime regelmäßig eine Moschee, nur jeder fünfte Jugendliche erhält Koranunterricht. Die Annahme, die meisten Muslime in Deutschland seien praktizierende Gläubige, ist also zu hinterfragen.

Religion bestimmt nicht den Alltag

Schüler schreibt "Integration" auf Tafel
Zuwanderung und Integration Quelle: dpa


Gleichwohl bezeichnen achtzig Prozent der hier lebenden Muslime die Religion als wesentlichen Teil ihrer Identität. Der Großteil der Muslime in Deutschland ist also nicht im Islamrat, dem Zentralrat der Muslime, der DITIB und der VIKZ organisiert und so haben sich nichtorganisierte Muslime in Bürgerinitiativen und Gruppen zusammengeschlossen, die sie als Muslime repräsentieren. Ein Teil dieser Vereine oder Initiativen ist säkular oder laizistisch geprägt. Sie stehen ähnlich wie die "klassischen Verbände" auf dem Boden der Verfassung und bemühen sich um die Integration von Muslimen.

Initiative statt Verband

Die "Initiative von säkularen und laizistischen BürgerInnen aus islamisch geprägten Herkunftsländern in Hessen" (ISL) ist solch eine Bürgerinitiative. Im Sommer 2005 von Bürgern unterschiedlicher nationaler, kultureller und konfessioneller Herkunft aus islamisch geprägten Herkunftsländern gegründet, basieren die wesentlichen Prinzipien der ISL auf der strikten Trennung von Religion und Staat, der Ablehnung einer Politisierung der Religion sowie der uneingeschränkten Akzeptanz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.

Säkulare Muslime wollen ihren Glauben als ihre private Angelegenheit ausüben. Im Gegensatz zu den islamischen Verbänden strebt die ISL keine rechtliche Gleichstellung mit den christlichen Kirchen an.

Schulbildung ist Pflicht

Zu den Forderungen der ISL gehört unter anderem die Einführung eines islamischen Ethikunterrichts alternativ zu einem islamischen Religionsunterricht. Daneben setzt sich die Initiative dafür ein, dass muslimische Eltern frühzeitig darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass der Sport-, Schwimm- und Sexualkundeunterricht sowie die Klassenausflüge zur Schulpflicht und somit zum festen Bestandteil des Bildungs- und Erziehungsprogramms der Schulen gehören. Damit soll verhindert werden, dass muslimische Eltern ihren Kindern aus "Gewissensgründen" die Teilnahme an solchen Unterrichtsfächern untersagen.
Das Ziel dieser Initiative säkularer Muslime ist es, der "schweigenden Mehrheit" der nichtorganisierten Muslime eine Stimme innerhalb der muslimischen Gemeinde und besonders der Gesellschaft zu verleihen.

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