Satire und Karikatur

Wo beginnt die Gotteslästerung?

Kultur | Forum am Freitag - Satire und Karikatur

Nachdem der Vatikan das Titelbild einer Satirezeitschrift hat verbieten lassen, fragt Kamran Safiarian zwei Muslime, wie weit Satire auch mit dem Islam gehen darf: Hamed Abdel-Samad und Aiman Mazyek.

Beitragslänge:
12 min
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Video verfügbar bis 17.08.2017, 23:59

Die Satire-Zeitschrift "Titanic" hat den Papst in besudeltem Gewand gezeigt und so die religiösen Gefühle von Katholiken verletzt. Das Cover wurde verboten, der Bamberger Erzbischof Schick fordert ein Gesetz gegen Blasphemie. Auch der Karikaturenstreit hatte die religiösen Gefühle vieler Muslime verletzt. Kamran Safiarian befragt zwei Muslime darüber, was Gotteslästerung im Islam bedeutet: Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime meint, dass eine Gesellschaft Rücksicht nehmen muss auf religiöse Gefühle. Der Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad fordert, dass Muslime toleranter sein müssten.

Deutschland diskutiert über eine Verschärfung des Blasphemiegesetzes. Anlass ist das Titelcover der Satirezeitschrift "Titanic", in der Papst Benedikt XVI. mittels einer Fotomontage im Zusammenhang mit der "Vatileaks-Affäre" satirisch dargestellt wird. Erstmals ging daraufhin ein Papst zivilrechtlich gegen das Satiremagazin vor. Er erwirkte eine einstweilige Verfügung beim Hamburger Landgericht – allerdings nicht wegen Blasphemie, sondern wegen der Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte.

Gotteslästerung gesetzlich verbieten?

Geht es nach dem Willen des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick, würde Gotteslästerung künftig per Gesetz verboten werden. Gotteslästerung ist zwar nach dem Strafgesetzbuch bereits strafbar, allerdings nur, wenn dadurch der öffentliche Friede gefährdet wird. Paragraf 166 des Strafgesetzbuches sagt: "Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Doch bisher kommt das Gesetz kaum zur Anwendung. Schick will die Strafbarkeit nicht auf die Beleidigung christlicher Religionen beschränken. Auch andere religiöse Weltanschauungen sollten durch einen solchen Strafparagrafen geschützt werden.

Satanische Verse und Karikaturenstreit

Auch in der islamischen Welt hatte der Roman "Die Satanischen Verse" des britischen Schriftstellers Salman Rushdie und die Mohammed-Karikaturen des dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard die religiösen Gefühle von tausenden von Gläubigen verletzt. Der iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini hatte 1989 die Satanischen Verse zum Anlass genommen, öffentlich dazu aufzurufen, Rushdie wegen Gotteslästerung und in der Folge wegen des Abfalls vom Glauben zu töten.

Gotteslästerung wurde somit mit Apostasie, dem Abfall vom Glauben, gleichgesetzt. Darauf steht im Iran die Todesstrafe. In der Folge wurde Rushdies japanischer Übersetzer erstochen und bei einem Brandanschlag auf den türkischen Übersetzer starben 37 Menschen. Radikale Islamisten wollten 2005 den Autor der in der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten erschienenen Mohammad-Karikaturen ermorden. Westergaard konnte einem Attentat knapp entkommen, aber als vor der dänischen Botschaft in Pakistan eine Bombe explodierte, kamen acht Menschen ums Leben.

Gotteslästerung im Islam

Doch wie steht der Islam zur Gotteslästerung? Blasphemie im Islam ist jede verletzende, beleidigende, verhöhnende und verfluchende Äußerung beispielsweise über den Propheten und seine Vorgänger, religiöse Gegenstände, Riten und dem Glauben allgemein. Im Koran und den Hadithen (den Überlieferungen des Propheten) werden Blasphemie nicht erwähnt. Umstritten ist, ob Gott überhaupt gelästert werden kann, da im Islam im Gegensatz zum Christentum der Mensch nicht auf einer Stufe mit Gott steht. Gott steht im Islam über allem und kann somit von Menschen nicht beleidigt oder gelästert werden.

Beleidigungen werden zumeist gegen den Propheten Mohammad ausgesprochen, was dennoch häufig den Tatbestand der "Blasphemie" und des Abfalls vom Glauben nach sich zieht. Die Bestrafung für Blasphemie reicht je nach islamischem Land von einer Gefängnisstrafe bis hin zur Todesstrafe. Vor allem in streng islamischen Ländern wie Pakistan werden Blasphemie-Gesetze kritisiert. Das Blasphemie-Gesetz ist im dortigen Strafgesetzbuch verankert und umfasst vier Paragraphen. Kritiker bemängeln, dass die Blasphemiegesetze häufig dazu missbraucht werden, um gegen Andersgläubige vorzugehen.

Reaktionen auf die Gesetzesforderung

Der islamische Theologe und Imam der Gemeinde Penzberg, Benjamin Idriz, begrüßt den Vorschlag, Blasphemie in Deutschland strafrechtlich zu verfolgen. "Blasphemie ist der Beginn eines Hasses, der zu Kriegen und Auseinandersetzungen führt." Er finde es richtig, wenn religiöse Werte und Symbole vor Spott geschützt würden. Die Grünen reagierten mit Kritik.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestags-Grünen, Volker Beck, warnte vor einer härteren strafrechtlichen Verfolgung blasphemischer Äußerungen. "Bischof Schick fühlt sich offenbar motiviert, gegen demokratische Freiheitsrechte vorzugehen", sagte er. "Gläubige brauchen keinen anderen strafrechtlichen Schutz vor Diffamierung, Beschimpfung und Hetze als andere soziale Gruppen."

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