Schlecht integrierte Türken?

Studie: Jeder Dritte ohne Schulabschluss

Eine neue Studie zeigt: Zuwanderer aus der Türkei sind deutlich schlechter integriert als andere Gruppen - jeder Dritte ist ohne Schulabschluss. "Wir müssen die Anstrengungen verdoppeln", sagte die Integrationsbeauftragte des Bundes, Maria Böhmer, im ZDF.

30 Prozent der Türken und Türkischstämmigen haben keinen Schulabschluss. Nur 14 Prozent schließen die Schule mit dem Abitur ab - nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung, und weniger auch als bei den anderen Zuwanderergruppen. Selbst in der zweiten Generation verbessern sich die Werte nur geringfügig.

"Quittung für Fehldenken"

Aiman Mazyek Quelle: ZDF


Aiman Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime, sieht auch eine Mitverantwortung der deutschen Gesellschaft an dem Ergebnis der Studie: "Viele Jahre hat man hierzulande den Türken bedeutet: Hier gehört ihr nicht hin. Die wiederum haben sich viel zu lange in der Vorstellung geaalt: Deutschland ist ein Provisorium. Jetzt kriegen wir die Quittung für solches Fehldenken."


Dennoch findet Mazyek, dass die Integration nicht völlig misslungen ist. Er schlägt vor, das Wort "Integration" zu ersetzen durch Worte wie "Teilhabe" oder "Mitmachen". Das Wort Integration wird immer dann benutzt, wenn etwas nicht funktioniert. "Da wo es klappt, da wo Integration gelingt, spricht doch keiner mehr davon, das wird dann ganz selbstverständlich angenommen - das ist auch gut so - nur weg mit dem Wort 'Integration'."

Schlüsselproblem: Bildung

Der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) empfindet die Ergebnisse der Studie als Bestätigung seiner Bildungs- und Jugendarbeit. Die Gründe für das schlechte Abschneiden der türkischstämmigen Menschen sind nach Ansicht des Verbandes weniger der Mangel an Integrationswillen, sondern vielmehr die mangelnden Bildungsperspektiven und das undurchlässige Schulsystem in Deutschland.


"Bildung und Sprache sind der Schlüssel zur Integration" sagt Mustafa Imal, Präsident des Verbandes. "Das Ziel des deutschen Bildungssystems sollte die individuelle Förderung jedes einzelnen Kindes, unabhängig von seiner sozialen und ethnischen Herkunft, sein." Der Verband hat frühzeitig die Bildungssituation der Migrantenkinder analysiert und den Bedarf an schulischer und sprachlicher Förderung erkannt. So bietet der VIKZ seit über zehn Jahren seinen Gemeindemitgliedern integrationsfördernde und bedarfsorientierte Projekte an. In der Bildungs- und Jugendarbeit sieht der Verband eine seiner Kernaufgaben. Daher werden in den meisten seiner Gemeinden beispielsweise Hausaufgabenbetreuung oder Sprachkurse angeboten.

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