Schulfach Islam

Flächendeckender islamischer Religionsunterricht in NRW beschlossen

Am 21.12.2011 ging ein langwieriger Prozess zu Ende: Der nordrhein-westfälische Landtag in Düsseldorf beschloss mit den Stimmen der rot-grünen Regierungskoalition und der CDU als erstes Bundesland die Einführung von flächendeckendem islamischen Religionsunterricht.

Muslimisches Mädchen in Schule
Muslimisches Mädchen in Schule Quelle: imago

Möglich wurde dies durch eine Gesetzesänderung. Die rot-grüne Landesregierung erntete damit die Früchte, die die schwarz-gelbe Vorgängerregierung gesät hatte. Diese hatte die Einführung des islamischen Religionsunterrichts im Juli 2009 angekündigt - damals noch unter Kritik der oppositionellen Grünen, die diese Einführung als einen Schnellschuss bezeichnet hatten. Schon anderthalb Jahre später und mittlerweile selber in der Regierungsverantwortung, beschlossen die Grünen in NRW die baldige Einführung dieses Schulfaches.

Wer bestimmt den Lehrplan?

Bei drei Terminen trafen sich in den darauffolgenden Monaten Delegierte des grün-geführten Schulministeriums mit Vertretern des KRM, des Koordinierungsrates der Muslime, um die Modalitäten für einen solchen Unterricht auszuhandeln. Im Februar 2011 wurde dann die Einigung verkündet und eine Einführung des Faches zum Schuljahr 2012/2013 beschlossen. Um den fehlenden Status der Muslime als Religionsgemeinschaft zu umgehen, wird als Ansprechpartner für das Schulministerium ein Beirat eingesetzt, bestehend aus vier vom KRM ausgewählten Vertretern sowie vier unabhängigen Vertretern, die das Schulministerium vorschlägt und im Einvernehmen mit dem KRM eingesetzt werden.

Die Vertreter des KRM müssen theologisch geschult und dürfen keine Funktionäre sein. Bei den vier durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung benannten Beiratsmitgliedern handelt es sich um zwei theologisch, religionspädagogisch oder islamwissenschaftlich qualifizierte muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und zwei muslimische Religionsgelehrte, die in den kommenden Wochen ausgesucht werden. Zudem dürfen die Personen, die in den Beirat berufen werden, nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem ausländischen Staat stehen.

Wer ist Ansprechpartner des Staates?

Zu den Aufgaben des Beirats gehört vor allem, die Lehrplankommission bei der Erstellung der Lehrpläne und der Arbeitsmaterialen zu beraten. Außerdem hat er auch die Befugnis, Lehrpersonal aus religiösen Gründen abzulehnen - eine Anlehnung an die Lehrerlaubnis für katholische und protestantische Religionslehrer. Die Kriterien dafür sollen in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Das Schulministerium betont jedoch, dass der Beirat nur eine zeitlich befristete Übergangslösung darstellt und nicht dauerhaft den Status der Religionsgemeinschaft ersetzen kann. Das geänderte Gesetz ist befristet und tritt am 31. Juli 2019 außer Kraft. 2018 soll über Nachbesserungen des Beiratsmodells beraten werden.

Kritiker monieren, dass die Hälfte der Mitglieder des Beirates vom Schulministerium ausgesucht wird und sehen hier eine Verletzung der verfassungsmäßigen Neutralität des Staates in Religionsangelegenheiten. Das Ministerium erklärte auf Anfrage des "Forum am Freitag", diese Bedenken würden durch die Implementierung des neuen Gesetzes entkräftet.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet