Sind die Deutschen islamfeindlich?

Studien zur Islamfeindlichkeit in Deutschland

Islamfeindlichkeit bezeichnet die feindselige Ablehnung des Islam als Religion und der Muslime, die als Minderheit in der Mehrheitsgesellschaft leben. Von Sozialwissenschaftlern wie Wilhelm Heitmeyer wird Islamophobie mit Phänomenen wie Rassismus, Xenophobie oder Antisemitismus zum "Syndrom" gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit gerechnet und drückt eine ablehnende Einstellung gegenüber muslimischen Personen und allen Glaubensrichtungen, Symbolen und religiösen Praktiken des Islam aus.

Deutschland-Flagge weht neben Minarett
Deutschland-Flagge weht neben Minarett Quelle: ap

Repräsentative Umfragen zeigen, dass es in Deutschland ein weit verbreitetes Misstrauen gegenüber dem Islam gibt. Der Islam wird offenbar von vielen Menschen mit Fundamentalismus, Gewaltneigung und der Unterdrückung der Frau in Verbindung gebracht.

Islamfeindlichkeit in Zahlen

Festgenommener Terrorverdächtiger
Festgenommener Terrorverdächtiger Quelle: dpa


So sind die Vorstellungen innerhalb der deutschen Bevölkerung hinsichtlich des Islam nach Untersuchungen des Instituts für Demoskopie in Allensbach aus dem Jahre 2006 bereits in den vergangenen Jahren sehr negativ, doch haben sie sich in der jüngsten Zeit nochmals spürbar verschlechtert. In der Bevölkerung sei ein Prozess der Entfremdung von der islamischen Welt als auch von den Muslimen in Deutschland festzustellen, so ein Ergebnis der Studie. Der Allensbach-Studie zufolge sind auch immer mehr Deutsche der Ansicht, dass ein friedliches Zusammenleben mit Muslimen auf Dauer unmöglich sein wird.


Knapp 80 Prozent der Deutschen verbinden mit dem Islam Fanatismus und gar 91 Prozent sagen aus, sie denken beim Stichwort Islam an die Benachteiligung von Frauen. Rund 60 Prozent sind der Meinung, Islam und Demokratie vertragen sich nicht. Nur sechs Prozent der Befragten bekunden Sympathien für den Islam. Das Misstrauen und die Ablehnung wächst also nicht nur gegen extremistische und terroristische Muslime, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen, sondern eben auch gegenüber dem Kern der muslimischen Minderheiten im Westen.

Schichtunabhängige Islamfeindlichkeit

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Studie des Bielefelder Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung in einer Langzeitstudie über "gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit". Etwa drei Viertel der im Rahmen dieser Untersuchung im Juni 2005 befragten Personen ließen erkennen, dass ihrer Meinung nach die islamische Kultur nicht oder zumindest eher nicht in unsere "westliche Kultur" passe. Fast 60 Prozent der Befragten sagten aus, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben. Dabei ist vor allem die Abneigung gegenüber Muslimen gewachsen. Gut 28 Prozent können sich mit der Forderung anfreunden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden. Während die Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen mit der Höhe des Bildungsgrades abnimmt, zieht sich die Abneigung gegen den Islam durch alle Schichten.

Die Methoden der unter der Leitung des Sozialwissenschaftlers Wilhelm Heitmeyer entstandenen Studie sind jedoch nicht unumstritten. So kritisiert der Politikwissenschaftler und Zeithistoriker Klaus Schroeder von der FU Berlin und Leiter des Forschungsverbundes SED-Staat, in der Tageszeitung "Die Welt", die Methodik Heitmeyers als naiv. Die von Heitmeyer Befragten sollten der Aussage zustimmen, der Islam habe eine bewundernswerte Kultur hervorgebracht. Wer dies nicht bejahen konnte, sei bereits als Islamfeind gezählt worden.

Notwendige Ursachenforschung

Das die Islamfeindlichkeit kein speziell deutsches Phänomen darstellt, hat das European Monitoring Centre on Racism and Xenophobia in seinem Ende 2006 veröffentlichten Report festgestellt. Eine europaweite Diskriminierung von Muslimen sei verstärkt nach den Anschlägen des 11. September 2001 festzustellen, so der Bericht.

Die Ursachen für die in den letzten Jahren zunehmenden Vorurteile und Vorbehalte gegen Muslime und den Islam sind komplexer Natur, wie der Direktor des Instituts für Menschenrechte, Professor Heiner Bielefeldt, in seinem jüngsten Bericht zum Islambild in Deutschland vom September 2007 feststellt. Lokale Konflikte um Moscheebauten, Äußerungen von sozialer Frustration und Integrationsprobleme in Schule und Beruf verstärken Ressentiments gegenüber Menschen mit Migrationsgeschichte. Kopftuchstreit, Ehrenmord und Karikaturenstreit sind weitere Indikatoren, die islamfeindliche Tendenzen verstärken und hinsichtlich einer besseren Integration von Muslimen in Deutschland eine große Herausforderung darstellen, so Bielefeldts Studie.

Normalität Islam

Das Reden über die Islamfeindlichkeit der Deutschen bildet allerdings nur eine Seite der Medaille ab. Vielerorts hat ein fruchtbarer Dialog begonnen: Zum Beispiel rief der damalige Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble die Islamkonferenz ins Leben - und in der Öffentlichkeit treten Muslime mittlerweile als Künstler, Schauspieler oder Moderatoren in Erscheinung, ohne dass ihr Glaube ein Thema wäre.

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