Speisegebote im Islam

Gebote von großer Bedeutung für Muslime

Es ist allgemein bekannt, dass Muslime kein Schweinefleisch essen und keinen Alkohol trinken dürfen. Doch darüber hinaus ist den Muslimen auch der Verzehr von anderen Dingen untersagt. Dazu gehört der Genuss von Blut und Aas; von Tieren, die selber Fleischfresser sind, wie z.B. Schweine, Hunde oder Katzen, oder solche, die geschlachtet wurden, ohne auszubluten oder verendet sind; von Fischen ohne Schuppen, wie beispielsweise Spiegelkarpfen oder Aal sowie von Opfertieren für Götzen.

Helal-Zertifikat eines türlischen Supermarktes in Berlin Quelle: ZDF

Diese Verbote begründen sich aus dem Koran:



"Sprich: In dem, was mir offenbart wurde, finde ich nicht, dass etwas für den Essenden zu essen verboten wäre, es sei denn, es ist Verendetes oder ausgegossenes Blut oder Schweinefleisch - es ist ein Gräuel - oder ein Frevel, worüber ein anderer Gott angerufen worden ist. Wenn aber einer gezwungen wird, wobei er weder Auflehnung noch Übertretung begeht, so ist dein Herr voller Vergebung und barmherzig." (Sure 6, Vers 145)



Die Einhaltung dieser Gebote ist nach Aussage der Islamwissenschaftlerin Rita Breuer für viele Gläubige in der Diaspora von zentraler Bedeutung und wird höher bewertet als beispielsweise der Verzicht auf Zinsen und Versicherungen. Das Verbot, Schweinefleisch zu essen, steht dabei an erster Stelle und wird auch von ansonsten säkular lebenden Muslimen eingehalten. Stärker religiös eingestellte Menschen beherzigen auch das Alkoholverbot.

Spuren von Alkohol und Schweinefleich?

Für die bewusst nach ihrer Religion lebenden Muslime, so Rita Breuer in ihrem Buch "Zwischen Ramadan und Reeperbahn - Die schwierige Gratwanderung der muslimischen Minderheit" stehen weitere Tabus an dritter Stelle, wie das nicht islamisch geschlachtete Fleisch und die Überlegung, auf welche weiteren Lebensmittel und Zusatzstoffe die Vorschriften anzuwenden sind. Was vom Grundsatz her einfach sei, so Breuer, bringe in westlichen Ländern zusätzliche Schwierigkeiten mit sich. So sind geringe Mengen von Schweinefleisch, beispielsweise als Beimischung in Kalbsleberwurst, in Deutschland nicht kennzeichnungspflichtig, und auch Spuren von Alkohol können sich dort verbergen, wo niemand sie vermutet.

Einkaufsführer für Muslime Quelle: ZDF


Die Verwendung tierischer Fette auch vom Schwein kann den Genuss zahlreicher Gebäcksorten problematisch machen. Gemeinhin wird der Verzicht auf die Zusatzstoffe E470-E475 empfohlen, die unter Verwendung tierischer Ingredienzien hergestellt werden, ebenso Gelatine und tierische Fette außer Butter. Muslimische Organisationen in Deutschland stellen detailliertes Informationsmaterial zur Verfügung, an dem sich die Verbraucher orientiern können. So haben die Verbraucherzentralen der Bundesländer Bremen, Hessen, Berlin und Bayern vor einiger Zeit eigens einen "Einkaufsführer für Muslime" herausgebracht. Er listet die Produkte von Babynahrung bis Tiefkühlkost von 120 deutschen Firmen auf und gibt Informationen, wo keine Zutaten oder Zusatzstoffe von Schlachttieren enthalten sind und ob Alkohol verarbeitet ist.

Muslimisches Prüfsiegel

Als unbedenklich geprüft werden die Lebensmittel u.a. von dem Zertifizierer "Halal Control" aus Rüsselsheim, die nach eigenen Angaben seit 2001 rund 1500 Produkte geprüft haben, darunter auch solche von namhaften Unternehmen wie Nestle und Unilever. Die Zahl der Anfragen steigt dabei nach Aussage des Geschäftsführers Mahmud Tatari um rund 30 Prozent jährlich. Die als unbedenklich eingestuften Waren erhalten einen kleinen Stempel auf dem Etikett mit dem Aufdruck "Halal", das arabische Wort für "erlaubt".

Als die ersten Muslime nach Deutschland kamen, fanden sie kaum Lebensmittel vor, die den islamischen Speisevorschriften entsprachen. Im Laufe der Jahre enstand ein eigener Lebensmittelhandel, der zunächst in den Räumen von Moscheevereinen und Islamischen Zentren stattfand. Später entstanden dann auch Supermärkte, die islamisch geschlachtetes Fleisch anboten, aber auch andere, meist importierte, teils aber auch vor Ort in landestypischer Weise hergestellte Produkte, bei denen die Vebraucher sicher sein konnten, dass sie den religiösen Vorschriften entsprachen und die sie in vertrauter Umgebung einkaufen konnten. Mittlerweile existieren diese Supermärkte besonders in den deutschen Großstädten in großer Zahl und sind dort aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Und in der Zwischenzeit gibt es auch große Unternehmen, die sich auf den Handel mit Lebensmitteln, die den religiösen islamischen Regeln entsprechen, spezialisiert haben.

In Deutschland ist Schächten verboten

Größtes Problem stellt für viele gläubige Muslime immer noch der Kauf von Fleisch dar: Grundsätzlich ist es Muslimen nur erlaubt, solches Fleisch zu verzehren, dass rituell geschlachtet wurde. Rituell heisst in diesem Fall: Das Tier wird in Richtung Mekka gelegt und mit einem schnellen scharfen Schnitt durch die Kehle getötet, wobei der Name Gottes angerufen wird. Diese Tötung soll einen schnellen Tod gewährleisten sowie garantieren, dass das Tier vollständig ausblutet. Blut gilt im Islam als unrein und nicht für den Verzehr geeignet. Nach dem deutschen Tierschutzgesetz dürfen Tiere jedoch nur nach vorheriger Betäubung geschlachtet werden. Viele Muslime meinen, dass eine Betäubung das richtige Ausbluten des Tieres verhindere. Außerdem könne das Tier während der Betäubung sterben, wodurch das Fleisch unbrauchbar würde.

Muslime machen darauf aufmerksam, dass der jüdischen Religionsgemeinschaft in Deutschland das Schächten nicht betäubter Tiere als religionsbedingt notwendig gestattet ist. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass jüdische Schächter eine dreijährige Ausbildung absolvieren müssen, während dies auf muslimischer Seite nicht gegeben sei. Mittlerweile gestatten Rechtsgutachten aus der jüngsten Zeit Muslimen das Schächten von Tieren mit Elektrokurzbetäubung. Strenge Muslime akzeptieren diese Entscheidung allerdings nicht. Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes im Januar 2002 können jedoch Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, wenn zwingende religiöse Vorschriften es erfordern, wie beispielsweise zum Opferfest am Ende der Pilgerfahrt nach Mekka. Ansonsten müssen Muslime ihr Fleisch aus dem anliegenden Ausland, wie Holland, Frankreich oder England importieren, wo das Schlachten nach islamischem Ritus gestattet ist.

Alkoholverbot im Koran verankert

Grundsätzlich erlaubt der Koran den Muslimen, auch Fleisch von Tieren zu essen, die von Juden und Christen geschlachtet worden sind. Besonders für die in der Diaspora lebenden Muslime hat dies Konsequenzen, sind sie doch somit in der Lage, auch nicht-rituell geschlachtetes Fleisch zu verzehren. Doch der Koran betont auch, dass es sich bei dieser Regelung nur um einen Ausnahmefall handelt.


Das Alkoholverbot im Islam ist ebenfalls koranischen Ursprungs:



"O ihr, die ihr glaubt: Der Wein, das Glücksspiel, die Opfersteine und die Lospfeile sind ein Gräuel von Satans Werk. Meidet es, auf dass es euch wohl ergehe. Der Satan will ja durch Wein und Glücksspiel Feindschaft und Hass zwischen euch erregen und euch vom Gedenken Gottes und vom Gebet abbringen. Werdet ihr wohl nun aufhören?" (Sure 5, Vers 90-91)



Dieses Gebot gilt analog für alle Getränke mit berauschender Wirkung. Auch Bier oder Wein ohne Alkohol sind für strenggläubige Muslime tabu, da sie Restalkohol enthalten und nach muslimischer Überzeugung das Verbotene auch in kleinen Mengen nicht erlaubt ist. Religiöse Gelehrte verweisen außerdem auf das Herstellungsverfahren, durch das die Getränke ursprünglich Alkohol enthielten und deshalb schon verboten seien. Streng gläubige Muslime werden in aller Regel nicht nur selbst auf Alkohol verzichten, sondern sich auch von Gaststätten und Geselligkeiten mit Alkoholkonsum fernhalten.

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