Stylischer Islam

Modelabel für Muslime

styleislam: "Kopftuch - meine Wahl"

Kultur | Forum am Freitag - Stylischer Islam

Der muslimische Modemacher Melih Kesmen spricht mit "Forum am Freitag"-Moderator Kamran Safiarian über sein Marketing für Mohammed.

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"I love my prophet" - mit diesem T-Shirt Aufdruck begann die Geschichte von Styleislam. Der Designer Melih Kesmen lebte gerade in London, als 2005 die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und die verheerenden Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn verübt wurden. Der gläubige Muslim wollte ein friedliches Bekenntnis zu seiner Religion abgeben und entwarf Slogans wie "Make Cay not war" (Macht Tee keinen Krieg) oder "Terrorism has no Religion" (Terrorismus hat keine Religion).

"Wenn der Islam von sich behauptet, zeitlos und universell zu sein, dann gehört dazu auch, dass sich Muslime im 21. Jahrhundert über die Streetwear-Mode ausleben". Er definiere sich durch die Liebe zum Propheten, für Gewalt und Zwang sei dabei wenig Platz. Das wollte er mit dem T-Shirt auf die Straße tragen.

styleislam: "Kopftuch - meine Wahl"
styleislam: "Kopftuch - meine Wahl" Quelle: Melih Kesmen

In der U-Bahn, in Restaurants wurde er angesprochen und entwickelte weitere T-Shirts mit Sprüchen wie "Kopftuch - mein Recht, meine Wahl, mein Leben". Für ihn als Designer sei die Mode die Brücke zwischen den Kulturen und Religionen. Aus dem T-Shirt von London ist in der Zwischenzeit ein internationales deutsch-muslimisches Mode-Label geworden. Mittlerweile verkauft Styleislam die muslimische Mode übers Internet in die ganze Welt und hat inzwischen auch Shops in Medina, der Stadt des Propheten Mohammed, sowie in Istanbul eröffnet.

Hipp Hop meets Islam

Styleislam ist ein guter Beweis dafür, wo sich Hip-Hop-Kultur und Islam treffen können, dass sich Lifestyle und gelebter Islam nicht ausschließen. Die Mode von Styleislam richtet sich vor allem an junge Erwachsene - mehr als ein Viertel der Kunden sind aber inzwischen auch Nicht-Muslime. Kesmen, der in Deutschland geboren wurde und der sich als Deutscher mit türkischem Blut bezeichnet, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig für Jugendliche identitätsprägende Momente sind.

Seine Mode könne jungen Menschen mit muslimischer Herkunft zu einem selbstbewussteren Umgang mit ihrer Religion helfen. Mittlerweile ist der Geschäftsmann, der sich als gläubigen Muslim bezeichnet und 2006 nach Mekka gepilgert ist, ein gefragter Botschafter. Für Stiftungen und Verbände hält er Vorträge, um besonders jungen Menschen zu helfen, ihre Identität zu finden.

Aufklärung statt Missionierung

Styleislam wehrt sich gegen Vorwürfe, missionieren oder provozieren zu wollen. Vielmehr wolle man vor allem aufklären. Schon nach den Anschlägen am 11. September 2001 spürte Kesmen den Generalverdacht, unter dem Muslime standen. Mit den T-Shirts, Taschen und Accessoires hat er sich aus dieser Ohnmacht befreit. Die Reaktionen auf Styleislam sind überwiegend positiv, sagt Kesmen.

Manchmal kritisieren strenggläubige Muslime die engen T-Shirts und argumentieren, der Prophet hätte sich selbst nie so gekleidet. Empörte Christen wiederum hatten keinen Sinn für sein Wortspiel "Jesus ist a muslim". Styleislam musste das T-Shirt vom Markt nehmen. Auf den Vorwurf, er wolle mit seiner Mode das Land islamisieren, reagiert er gereizt. "Quatsch", sagt Kesmen. Seine Mode sei ein Mix aus Ost und West: "Der Lifestyle ist eine Reflektion des muslimischen Zeitgeists des 21. Jahrhunderts". Besonders stolz sind Kesmen und seine Frau Yeliz darüber, dass Styleislam einen Shop in Medina, der Stadt des Propheten Muhammad, eröffnet hat. In einem muslimischen Land wie Saudi-Arabien, in dem Frauen immer noch kein Auto fahren dürfen.

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