Täter: Ehemann

Gewalt in den eigenen vier Wänden

Kultur | Forum am Freitag - Täter: Ehemann

Das "Forum am Freitag" redet mit Kazim Erdogan, der Initiativen gegen Gewalt betreut. Besonders hart sind prügelnde Ehemänner für "Importbräute", die nicht wissen, woher sie Hilfe bekommen.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.06.2017, 23:59

Viele Frauen, die von ihrem Partner oder Ehemann gequält und verprügelt werden, schaffen nicht den Absprung – obwohl es Hilfsangebote gibt. Doch oft scheuen betroffene Frauen den Kontakt. 2011 zählte die Polizei allein in Berlin deutlich mehr als 16000 solcher Fälle. Wie viele Frauen sich nicht gemeldet haben, ist unklar.

Überall in Deutschland demütigen, quälen, vergewaltigen, verprügeln und - im Extremfall - töten Männer ihre Partnerinnen. Nach einer Studie des Bundesfamilienministeriums hat jede vierte Frau in Deutschland sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt.

Zu späte Hilfe

Hilfe wird von Betroffenen nur selten oder zu spät gesucht, dabei gibt es Anlaufmöglichkeiten für Betroffene: Frauenhäuser, Hotlines, Beratungsstellen, Notdienste und die Polizei. „Wir erleben es aber oft, dass sich Frauen nicht trauen, sich zu melden“, sagt die Geschäftsführerin der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG), Patricia Schneider. Oft seien Frauen jahrelang Gewalt ausgesetzt und hätten kein Selbstvertrauen mehr.

Ein neues Leben zu beginnen, sei eine große Herausforderung: „Es klingt verrückt, aber viele haben auch Angst vorm Alleinsein oder wollen dem Mann nicht die Kinder nehmen“, sagt die Sozialpädagogin. Wenn Frauen sich schließlich doch von ihren Peinigern lossagten, sei die Gefahr nicht gebannt. „Gerade bei Trennungen steigt das Risiko enorm an, dass die Gewalt erst recht eskaliert“, sagt Schneider.

Vererbte Bereitschaft zum Prügeln

Häusliche Gewalt wird in vielen Fällen „vererbt“: Kinder, die selbst geschlagen wurden, geben Gewalt später eher in der eigenen Partnerschaft weiter, sagt Birte Rohles von Terre des Femmes. „Sie haben es nicht anders gelernt, es gab keine anderen Vorbilder.“ Gewalt gegen Frauen findet zwar unabhängig von Einkommen, Bildungsstand und sozialer Schicht statt. Das belegt auch die kürzlich erschienene Studie des Familienministeriums. Öfter und schwerer trifft es aber bildungsferne Schichten und Migrantinnen - vor allem mit türkischem Hintergrund, so die Autoren.

Besonders problematisch ist die Situation für so genannte „Importbräute“, die nur zur „arrangierten Ehe“ aus der Türkei nach Deutschland eingereist sind. Sie sprechen kaum Deutsch - ein großes Problem, meint der Berliner Psychologe Kazim Erdogan, der in Männergruppen häusliche Gewalt diskutiert. „Wie kann sich jemand bemerkbar machen, wenn er die Sprache nicht beherrscht?“ Erdogan zufolge meinten viele Nachbarn, die solche Missstände beobachten, dass man sich in die Streitigkeiten zwischen Mann und Frau nicht einmische. Schneider sagt, Nachbarn wollten nicht als Denunzianten gelten oder hätten selbst Angst vor den gewalttätigen Männern. „Hier hilft nur Aufklärung über eigene Rechte und Hilfsangebote. In der Community ist uns das noch nicht so gut gelungen.“

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