Umstrittener Imam zurückgetreten

Antisemitische Parolen skandiert?

Der wegen israelfeindlicher Äußerungen in die Kritik geratene Frankfurter Imam Sabahaddin Türkyilmaz ist zurückgetreten. Er wolle mit diesem Schritt möglichen Schaden für die Hazrat-Fatima-Gemeinde sowie den Baufortschritt für die im Stadtteil Hausen geplante Moschee abwenden. Zugleich betonte der aus der Türkei stammende schiitische Geistliche, dass ihm die Gemeinde ihr "vollstes Vertrauen" ausgesprochen habe.

Sabahaddin Türkyilmaz
Sabahaddin Türkyilmaz Quelle: dpa

In einer mehrseitigen Erklärung sprach Türkyilmaz von einer "hasserfüllten Schmutzkampagne" gegen seine Person. Die Vorwürfe gegen ihn, er habe an israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstrationen teilgenommen, sei eine "Falle der Zionisten, die jegliche Kritik am Zionismus mit dem Totschlagargument des Antisemitismus verhindern wollen". Er spreche sich nur gegen die Unterdrückung des palästinensischen Volkes durch den Staat Israel aus. Zugleich distanzierte sich der Imam "von jeder Form von Antisemitismus".

Belastende Videobilder

Videobilder einer israelfeindlichen Demonstration in Berlin zeigen allerdings den in vorderster Reihe mitmarschierenden Imam. Auf dem Protestzug wurden die Rufe "Tod, Tod Israel" skandiert. Eine weitere Aufnahme zeigte Türkyilmaz mit einem Megafon auf einer anderen Demonstration. Dort wird auf Arabisch gerufen: "Wir gehören zur Gemeinschaft der Hisbollah."

Unterdessen hat der Generalsekretär der Frankfurter Hazrat-Fatima-Zehra-Moschee, Ünal Kaymakci, die Trennung von Türkyilmaz als unvermeidlich bezeichnet. Er sei zwar davon überzeugt, "dass Türkyilmaz kein Antisemit ist". Mit seinem Aufruf, "Allah möge das besetze Palästina von den Zionisten befreien", habe der Geistliche allerdings die Grenze der Israelkritik hin zur Israelfeindlichkeit überschritten.

Unbekannte historische Verantwortung?

Dass seine Gemeinde auch nicht auf eine israelfeindliche Predigt ihres Imams im Herbst 2009 reagiert habe, erklärte Kaymakci mit dem mangelnden Verständnis vieler Muslime dafür, dass die deutsche Gesellschaft eine historische Verantwortung gegenüber Juden habe. Dieses Defizit sei darauf zurückzuführen, dass die überwiegend Mehrheit der Muslime erst nach dem Holocaust nach Deutschland eingewandert sei.

Der hessische Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hatte die Moscheegemeinde und deren Generalsekretär Ünal Kaymakci aufgefordert, sich klar zu den Grundwerten der freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu bekennen. Kaymakci sitzt nämlich auch am Runden Tisch der hessischen Landesregierung zur Einführung eines islamischen Religionsunterrichts. Für die Landesregierung könne es keine Zusammenarbeit mit Personen oder Vereinigungen geben, deren Äußerungen oder Verhalten begründete Zweifel an einem friedlichen und toleranten Miteinander aller Bürger hinterließen, stellte Hahn fest.

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