"Urteil mit komischem Beigeschmack"

"Forum am Freitag" - Gesichter zum Berliner Bet-Urteil

Ein muslimischer Gymnasiast darf an seiner Schule auch weiter in der Unterrichtspause beten. So entschied es das Berliner Verwaltungsgericht. Ein heute 16-jähriger Schüler reichte Klage ein, nachdem die Direktorin des Diesterweg-Gymnasiums im Stadtteil Wedding es ihm unter Hinweis auf die weltanschauliche und religiöse Neutralität der Schule untersagt hatte, auf dem Schulflur sein Mittagsgebet zu verrichten. Er und einige Freunde hatten dort ihre Jacken ausgebreitet und sich niedergekniet, während andere Mitschüler ihnen dabei zuschauten. Das Verbot wollten Yunus und seine Familie nicht hinnehmen; sie beriefen sich auf die Religionsfreiheit.

Pausen-Gebetsraum für Muslime an Schule im Berliner Stadtteil Wedding
Pausen-Gebetsraum für Muslime an Schule im Berliner Stadtteil Wedding Quelle: dpa
Lamya Kaddor
Lamya Kaddor (Februardreh über Hochzeit) Quelle: ZDF



Lamya Kaddor: "Das Recht auf freie Religionsausübung ist ein Grundrecht. Dieses Urteil aber hat einen komischen Beigeschmack. In der Öffentlichkeit bleibt nur übrig, wieder klagen die Muslime und schon wieder wird ihnen Recht gegeben. Für das Bild der Muslime bleibt etwas Negatives haften, das Image der 'Extrawurst'. Ich weiss nicht, ob man sich damit einen Gefallen tut. Andererseits ist es auch ein Armutszeugnis, wenn man sich dieses Grundrecht erstreiten muss."


Bekir Alboga: "Das Urteil ist erfeulich für die Muslime in Deutschland, denn wir haben feststellen können, dass Deutschland ein Rechtsstaat ist. Die im Grundgesetz garantierten Rechte gelten auch für die Muslime in Deutschland. Das stärkt die Zugehörigkeit und die Wir-Identität in Deutschland, aber auch die Integrationsbereitschaft."


Celal Altun: "Das Recht auf Gebet ist okay, aber nicht, dass die Muslime das in die Schulen hineinbringen. Damit entsteht eine Polarisierung, die nicht der Sache dienlich ist. Die Schule ist eine Stelle, wo dafür kein Platz ist."

Hamideh Mohagheghi
Hamideh Mohagheghi (Oktobergespräch FaF) Quelle: ZDF



Hamideh Mohagheghi: "Ich bin nicht glücklich, dass man versucht, mit Klagen diese Sachen zu erreichen. Diese Prozesse müssen sich entwickeln, und wir alle müssen Geduld damit haben. Es wäre besser, diese Fälle mit dem Schuldirektor und den Lehrkräften zu besprechen und zu einer Lösung zu kommen. Theologisch gesehen ist es durchaus möglich, das Gebet nachzuholen. Es ist nicht nötig, sich mit allen Mitteln an die exakte Zeit zu halten, erst recht nicht, wenn dadurch das gesellschaftliche Zusammenleben gestört wird. Das Gebet ist wichtig, aber das gute Zusammenleben in der Gesellschaft hat Priorität. Der einzelne sollte abwägen, was wichtiger ist."

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