Viel Kritik am Islam

Muslime, Ex-Muslime und Nicht-Muslime kritisieren den Islam

Seit einigen Jahren sehen sich die Muslime besonders in Europa starker Kritik von nichtmuslimischer Seite ausgesetzt. Doch die Kritik am Islam besteht bereits seit den Tagen seiner Entstehung. Die ersten islamkritischen Schriften stammen dabei aus der Feder von Christen im frühen Mittelalter, die den Islam als eine radikale christliche Häresie ansahen. In späterer Zeit kam auch Kritik von der muslimischen Seite selber hinzu, ausserdem von jüdischen Autoren sowie evangelikalen Christen.

Schild mit durchgestrichener Moschee Quelle: joker

In jüngerer Zeit wird die Kritik ausserhalb und innerhalb des Islam formuliert und erstreckt sich über eine verschiedene Anzahl von Themen. Diese Kritik richtet sich vor allem gegen die augenscheinlich nicht existierende Trennung von Religion und Politik, die Ungleichheit der Geschlechter, die fehlende Religionsfreiheit sowie die Missachtung der Menschenrechte. Ausserdem wird die mangelnde Fähigkeit der Muslime beanstandet, sich mit ihrem Glauben und ihrer Geschichte kritisch auseinanderzusetzen.

Screenshot aus "Fitna" Quelle: dpa


Der Koran wird als Dokument einer gewaltverherrlichenden, totalitären Ideologie angesehen und Mohammed als grausamer Kriegsherr und pervertierter Lüstling verurteilt. Zudem geben die Kritiker dem Islam die Schuld für die Rückständigkeit der muslimischen Völker und sehen in ihm auch den Grund für die Unfähigkeit der muslimischen Migranten zur Integration beziehungsweise Assimilation in ihren Gastländern. Die Protagonisten der islamkritischen Bewegung formulieren die Ängste von einigen Teilen der Bevölkerung und wenden sich gegen die von ihnen befürchtete schleichende Islamisierung Europas und den damit einhergehenden Verlust von bürgerlichen Freiheiten, Menschen- und insbesondere Frauenrechten.

Prominente Kritiker des Islam

Zu den bekanntesten Islamkritikern in Deutschland zählen der Orientalist Hans-Peter Raddatz, der Journalist Hendryk M. Broder, der Althistoriker Egon Flaig und der Islamwissenschaftler Tilman Nagel. Alice Schwarzer, Seyran Ates und Necla Kelek sind prominente Kritikerinnen aus feministischer Perspektive. Weitere bekannte islamkritische Stimmen innerhalb Europas sind der holländische Politiker Geert Wilders und die aus dem Sudan stammende, ehemalige niederländische Parlamentsabgeordnete Ayaan Hirsi Ali. Der rechtsliberale seit 2004 unter Polizeischutz stehende Geert Wilders setzte in seinem Film "Fitna" ("Zwietracht") (2008) den Islam mit der Bedrohung des Faschismus und des Kommunismus gleich und verlangte ein Verbot des Korans.

Ein Beispiel für betont islamimmanente Kritik gibt die indischstämmige kanadische Autorin Irshad Manji, die derzeit an der Universität von Yale forscht. Dagegen hat sich der aus Indien stammende und unter Pseudonym publizierende Ibn Warraq vom Islam abgewandt. In der Türkei argumentiert der promovierte islamische Philosoph und Theologe Yasar Nuri Öztürk seit vielen Jahren gegen "verzerrte Auslegungen" des Koran. Öztürk, der von manchen als "Türken-Luther" bezeichnet wird, sieht sich selbst als orthodoxen Muslim, der den Islam in seiner reinen, ursprünglichen Form rekonstruieren will. Er unterscheidet zwischen einem kulturell geprägten "Islam der Traditionen" und einem "wahren Islam", der sich an der Überlieferung des Korans festmachen ließe. Ausdrücklich befürwortet Öztürk vernunftgeleitete Kritik.
In Ländern islamischer Prägung sind selbst moderate, um Reformen bemühte Kritiker oftmals Opfer sozialer oder staatlicher Repression. Nicht selten sind sie Todesdrohungen ausgesetzt und daher gezwungen, ins Exil zu gehen.

Zentralrat der Ex-Muslime

Ein neues Phänomen, mit dem Muslime in Europa seit einiger Zeit konfrontiert werden, sind diejenigen Muslime, die sich von ihrem Glauben lossagen. In Deutschland werden sie durch den im vergangenen Jahr gegründeten "Zentralrat der Ex-Muslime" repräsentiert. Die Organisation stellte sich Ende Februar 2007 mit der Kampagne "Wir haben abgeschworen" erstmals der Öffentlichkeit vor. "Wir möchten ein Tabu brechen", erklärte die Vereinsvorsitzende Mina Ahadi damals. Auf einem Plakat präsentierten sich 30 Männer und Frauen, die dem Islam den Rücken gekehrt haben, mit Fotos und vollem Namen. In einigen islamischen Ländern droht darauf die Todesstrafe.


Die "Ex-Muslime" werden unter anderem von der religionskritischen Giordano Bruno-Stiftung und dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten unterstützt. Der Exil-Iranerin Ahadi zufolge will die neue Organisation für die Universalität der Menschenrechte und die Trennung von Politik und Religion eintreten. Zugleich wendet sich der "Zentralrat der Ex-Muslime" gegen die islamischen Verbände in Deutschland, die sich nach Ahadis Auffassung zu Unrecht als Vertreter aller Muslime sähen.

Forderungen an die Muslime

"Wir wollen uns in die Politik einmischen, gegen das Kopftuch, gegen den Bau von Moscheen in Deutschland kämpfen, gegen Ehrenmord und Steinigung", erklärte die seit 1996 in Deutschland lebende Menschenrechtlerin Ahadi die Ziele der Neugründung. "Das Fundament des Islam ist menschenfeindlich und frauenfeindlich", so die 51- Jährige. "Wir wollen auch ein Zeichen setzen, dass die 3 bis 3,5 Millionen Menschen aus islamischen Ländern, die in Deutschland leben, in erster Linie Menschen sind und nicht das Hauptmerkmal 'Muslim' tragen". In der Zwischenzeit haben sich auch in anderen Ländern Europas so genannte "Zentralräte der Ex-Muslime" gebildet.

Der Zentralrat der Ex-Muslime ist Mitveranstalter der "Kritischen Islamkonferenz", die Anfang Juni in Köln getagt hat. Dort wurde die Ausweisung von Muslimen gefordert, die angeblich die Scharia in Deutschland einführen wollen.

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