Von lüsternen Haremsdamen und religiösen Terroristen

Darstellung der "Araber" im Hollywood-Film stark verzerrt

Hollywood und "die Araber" - das ist die unendliche Geschichte von Stereotypisierung und Diskriminierung. Seit den Anfängen des Films diente "der Araber" oder der "Muslim" der Traumfabrik als Kulisse für schmierige Scheichs oder lüsterne Haremsdamen. Seit dem 11. September verkörpern Araber und Muslime vor allem Terroristen und religiöse Fanatiker.

Besuchter Kinosaal
Besuchter Kinosaal Quelle: keystone

Schon zu Zeiten von Stummfilm und Schwarzweiß-Bildern wurden Araber - wie zum Beispiel in "Palace of Arabian Nights (1905) - als fettleibige Scheichs und Frauen als unterwürfige Haremsdamen dargestellt. Jahrzehntelang bedienten sich Hollywoods Klassiker Klischees wie orientalischen Nächten, Harem und Prinzen, beispielsweise in "The Sheik" USA (1921) oder "Lawrence of Arabia" (1962). Und die stereotypen Darstellungen haben sich im Laufe der Jahrzehnte nicht geändert.

Hollywood als Kulturkampf-Werkstatt

Haremsdame auf fliegendem Teppich
Haremsdame Quelle: cinetext


Der "Kampf der Kulturen" ist, wie Peter Bürger in seinem Buch "Kino der Angst" schreibt, für Hollywood daher kein neueres Phänomen. Romy Wöhlert fasst in ihrer 2003 an der Universität Bielefeld erschienenen Arbeit "Racial and Ethnic Stereotypes in American Film" Stereotypen und Images über Araber zusammen: "Araber sind reiche, gierige Ölscheichs, die in Palästen leben und sich arrogant und pompös geben. Sie sind Angeber, schmierige wollüstige Schurken, Terroristen und sexbesessene Bestien." Dazu sei der Islam eine gewalttätige Religion, die meisten Araber islamische Fundamentalisten und arabische Frauen ihren Männern unterwürfig.

Der amerikanische Medienwissenschaftler Jack G. Shaheen hat in seinem Buch "Reel Bad Arabs" mehr als 900 Hollywood-Filme untersucht und festgestellt, dass die Araber bis auf wenige Ausnahmen (Lion of the Desert, 1981) (Robin Hood, Prince of the Thieves, 1991; Three Kings, 1999) in den meisten gesichteten Spielfilmen als Schurken dargestellt werden.

Kino reflektiert die Politik

Terroristen und Nine-Eleven

Die amerikanische Filmindustrie, so Shaheen, schreibt Arabern fünf Rollentypen zu: den Bösewicht, den Scheich, das jungfräuliche Mädchen, den Ägypter oder den Palästinenser. Reichtum, Barbarei und Triebhaftigkeit kennzeichneten den typischen Araber, so Shaheen. Die Gründe für das klischeehafte und verzerrte Image lägen unter anderem in Hollywoods filmischer Reflektion US-amerikanischer Politik gegenüber arabischen Staaten, so Shaheen.


Statt die Rolle des Vermittlers zu übernehmen, schürt Hollywood die Angst vor dem Fremden, verbreitet ein "Kino der Angst". Die arabisch-israelischen Kriege, zahlreiche Flugzeugentführungen in den Siebziger und Achtziger Jahren, die iranische Revolution und die Intifada Anfang der neunziger Jahre haben das "Bösewicht-Image" der Araber in den Köpfen vieler Hollywood-Produzenten verfestigt.

In den neunziger Jahren dominierte als negatives Stereotyp für "den Araber" eindeutig das Bild des Terroristen. Die Reihe der Beispiele ist lang. In Filmen wie "Operation Thunderbolt" (1977), "Ground Zero" (1988) oder "American Ninja 4" (1991) entführen Araber weiße Frauen oder stehlen nukleares Material. In "True Lies" (1994) mit Arnold Schwarzenegger greifen Araber die USA sogar in ihrem eigenen Land an. In Steven Spielbergs "Jäger des verlorenen Schatzes" (1981) konnten gar Nazis auf arabische Kollaborateure hoffen und in "Patriot Games" (1992) mit Harrison Ford verbünden sich Araber mit Terroristen der IRA.

Bereits lange vor dem 11. September hatte Hollywood "die Araber" als gefährliche Terroristen und religiöse Fanatiker entdeckt. Eine ganze Reihe von Filmen zeigt, wie "arabische Terroristen", den elften September vorwegnehmend, Gebäude zerstören oder wie in "Black Sunday" (1976) von einem Zeppelin aus Zuschauer in einem riesigen Football-Stadion angreifen. In "Delta Force" (1985) erweist sich eine US-Spezialeinheit siegreich im Kampf gegen arabische Flugzeugentführer und in "Executive Decision" (1995) wollen religiöse Fanatiker mit Nervengas die halbe Ostküste auslöschen.

Lernt Hollywood dazu?

Umso erstaunlicher, dass Spielbergs "Munich" (2006) über das Olympia-Attentat in München wiederum die sinnlose Gewalt auf beiden Seiten - Palästinensern und Israelis - kritisch unter die Lupe nimmt. Vielleicht lernt die Traumfabrik doch irgendwann mal dazu.

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