Was ist ein Imam?

Die Geschichte und heutige Bedeutung des Begriffes "Imam"

Ein Imam ist zunächst einmal nichts anderes als der Leiter einer muslimischen Gemeinde. In der Frühzeit des Islam bezeichnete das Wort den religiösen und weltlichen Führer der Muslime. Der erste Imam war der Prophet Muhammad selber. Nach seinem Tod ging diese Würde auf seine Nachfolger, die Kalifen, über.

Der Berliner Verein "Buhara" bildet Imame aus
Der Berliner Verein "Buhara" bildet Imame aus Quelle: dpa

Hierbei kam es zu Differenzen in Bezug auf die Frage, wer würdig genug sein sollte, das Amt des Imams zu bekleiden: "Das Element, das sich zunächst einmal durchgesetzt hat, war ein frommer Lebenswandel und frühe Verdienste um den Islam. Dies bezog sich besonders auf die engen Gefolgsleute von Muhammad. Eine andere Gruppe dagegen vertrat die Meinung, es sollten Verwandte oder Nachkommen des Propheten berücksichtigt werden. Aus dieser Gruppe haben sich später die Schiiten entwickelt, aus der ersten Gruppe die Sunniten", erklärt die Bamberger Islamwissenschaftlerin Prof. Birgitt Hoffmann.

Schiiten haben eigene Imam-Kette

Für die Schiiten ist der erste Imam nach Muhammad sein Schwiegersohn und Vetter Ali. Sie erkennen die Reihenfolge der Sunniten daher nicht an. Von Ali ging dann die Würde des Imams auf seine Nachkommen über: "Die verschiedenen schiitischen Gruppen haben eine unterschiedliche lange Kette von Imamen, entweder fünf oder sieben, aber zwölf ist das höchste. Dann reißt diese Kette ab, und man hat sich das dann nicht so vorgestellt, dass dieser letzte Imam gestorben sei, sondern dass er in der Verborgenheit entrückt worden sei und dort am Ende der Zeiten zurückkehrt als eine Art Messias", so Birgitt Hoffmann.

Diesen verborgenen Imam verehren die Schiiten als den "Mahdi", der die Welt nach seiner Rückkehr zum wahren Glauben führen wird. Heute werden die großen schiitischen Führungspersönlichkeiten wie der verstorbene Ayatollah Khomeini oder der im Irak residierende Ayatollah Ali al-Sistani mit dem Titel "Imam" angesprochen.

Für Sunniten ist Imam ein Geistlicher

Für die Sunniten blieb das Amt des Imams bis in die heutige Zeit als Leiter des Gebets und Führer der Moscheegemeinde jedoch weiterhin bestehen. Die Funktion eines weltlichen Würdenträgers hat er jedoch schon lange abgegeben und besitzt innerhalb der Gemeinde eine rein geistliche Funktion, so die Islamwissenschaftlerin Birgit Hoffmann: "Sie kennen den Koran, sie kennen die Koranexegese, sie kennen die Traditionen des Propheten, und sie kennen das islamische Recht. Sie sind Rechtsexperten, und es ist dieses Wissen, was sie aus der Masse der Gläubigen heraushebt, und nicht etwa ein anderer besonderer Zustand."

Den Beruf des Imam kann jeder erlernen. Voraussetzung dafür ist der Abschluss an einer theologischen Hochschule. Zu den vorrangigen Aufgaben des Imams gehören die Leitung des Gemeinschaftsgebetes sowie das Durchführen der Predigt am Freitag, dem muslimischen Ruhetag. Anders als im Katholizismus ist ein Imam jedoch kein Priester, sagt der türkische Islamwissenschaftler Bekir Alboga: "Deswegen darf er die Gemeinde auch nicht segnen, er kann auch keine Beichte abnehmen. Er betet nur, zum Schluss des Gebets bittet er Gott um seinen Segen auf die Gemeinde, und die Gemeinde wünscht auch den Segen Gottes dem Imam."

Imame erfüllen soziale Funktion

Neben den Aufgaben innerhalb der Moschee kommt dem Imam auch eine soziale Funktion zu. So kümmert er sich um Angelegenheiten innerhalb der ihm anvertrauten Gemeinde, so Bekir Alboga, der selber viele Jahre als Imam an der Mannheimer Yavuz-Sultan-Selim-Moschee tätig war: "Er besucht zum Beispiel mit bestimmten Gliedern der Moscheegemeinde Krankenhäuser oder das Gefängnis oder fungiert bei Familienstreitereien als Schlichter. Außerdem sollte der Imam heute in Deutschland, im Falle einer gewissen gesellschaftlichen Spannung in dem Stadtteil oder in der Stadt, wo man lebt, zwischen der Stadtverwaltung und muslimischer Gemeinde als Schlichter und Vermittler fungieren. Er hat in dieser Hinsicht einen Vorbildcharakter."

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