Wer bestimmt die Lerninhalte?

Hintergründe zum Studienfach

Kultur | Forum am Freitag - Wer bestimmt die Lerninhalte?

An der Universität in Tübingen wurde das Zentrum für Islamische Theologie eingeweiht. Abdul-Ahmad Rashid besucht die Uni und schaut, wer das Fach studiert und wer bestimmt, was die Studenten lernen.

Beitragslänge:
9 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.01.2017, 23:55

Was wird im Studienfach vermittelt, wer bestimmt die Inhalte, die gelehrt werden - und welche sind das? Wer studiert das neue Fach "Islamische Theologie"?

Anfang 2010 gab der deutsche Wissenschaftsrat der Bundesregierung die Empfehlung, an deutschen Universitäten das Fach "Islamische Theologie" einzuführen, um einen akademisch geprägten und wissenschaftlich fundierten Islam in Deutschland zu etablieren. Ziel soll es sein, Religionslehrer für den islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen sowie Imame für Moscheen in Deutschland auszubilden.

Studienfach und Beirat

Da die Muslime in Deutschland noch nicht offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt sind, schlug der Wissenschaftsrat zudem vor, die Muslime durch einen Beirat vertreten zu lassen, der die Universitäten in bekenntnisorientierten Fragen berät. Als Standorte für diesen Ausbildungsgang wurden die Universitäten Tübingen, Münster/Osnabrück, Frankfurt/Giessen und Erlangen-Nürnberg ausgesucht. Die Studiengänge werden vom Bund mit mehreren Millionen Euro finanziell unterstützt. Am 16. Januar 2012 wurde an der Universität Tübingen das Zentrum für Islamische Theologie offiziell eingeweiht.

Der Beirat berät die Universität Tübingen in religiösen Fragen, nimmt aber keinen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung des Studiums. Dem Beiratsmitglied Serkan Ince zufolge entscheidet der Beirat lediglich, ob die Lehre und Forschung eines Lehrbefugten mit den Prinzipien des Islam übereinstimmt. "Die privaten Ansichten sowie die Lebensführung des Lehrpersonals spielen für den Beirat keine Rolle, solange sie nicht Einfluss auf die Lehrinhalte nehmen", so der Theologe, der die DITIB im Beirat vertritt.

Warnung aus Berlin

Der Beirat besteht momentan aus sieben Personen, die zum einen Teil verbandsgebunden sind, zum anderen Teil unabhängige Personen. Drei der Beiratsmitglieder vertreten die DITIB, die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion und jeweils einer die IGBD (Islamische Gemeinschaft der Bosniaken in Deutschland) und die VIKZ (Verein der islamischen Kulturzentren). Die beiden anderen Mitglieder sind unabhängig und wurden vom Rektor der Universität Tübingen ausgesucht und dem Beirat vorgeschlagen. Die IGBW, die Islamische Gemeinschaft Baden-Württemberg, die einen großen Teil der Muslime des Bundeslandes repräsentiert, hatte dem Beiratsmodell zugestimmt und war auch als Mitglied im Beirat vorgesehen.

"Nach den Besprechungen kam jedoch ein Anruf aus den Bundesbildungsministerium", so Rektor Bernd Engler. "Wir wurden darauf hingewiesen, dass es gegen die IGBW verfassungsrechtliche Bedenken gäbe und wir daher zurückhaltend sein sollten". Konkret heißt das: In der IGBW ist auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs vertreten, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. "Wir haben mit der IGBW vereinbart, dass ihre Plätze im Beirat für ihre Vertreter frei bleiben, bis die Vorwürfe geklärt sind", so Engler.

Studenten und Lerninhalte

Fast vierzig Studenten haben sich für das erste Semester eingeschrieben. Dabei haben die Frauen einen eindeutigen Überhang. Die Mehrheit von ihnen trägt dabei ein Kopftuch. Problematisch, denn die jungen Frauen sollen später als Lehrerinnen in der Schule islamischen Religionsunterricht unterrichten. Dafür dürften sie das Kopftuch tragen, müssten es aber für ein anderes Fach wieder ausziehen, da das Kopftuch in den meisten Bundesländern an Schulen nicht erlaubt ist. Auch nicht-muslimische Studenten können den Studiengang belgen, ein paar tun dies sogar.

Momentan büffeln die Studenten noch die arabische Sprache. In den nächsten Semestern werden sie dann in Koran und Hadithwissenschaften, der islamischen Glaubenslehre, im islamischen Recht, islamischer Geschichte und islamischer Religionspädagogik unterrichtet. Geplant sind auch interdisziplinäre Kooperationen mit den Lehrstühlen für jüdische und christliche Theologie sowie ein Auslandsaufenthalt an Universitäten der islamischen Welt.

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