"Wir lehnen uns gegen Extremismus und Terror auf"

Aiman Mazyek, Generalsekretär des Zentralrates der Muslime, beantwortet Ihre Fragen

Aiman Mazyek hat im "Forum am Freitag" über Muslime als Ziel von islamistischem Terror gesprochen. Sie haben Ihre Fragen an Aiman Mazyek in den thematischen Foren gestellt. Die Antworten auf Ihre Fragen können Sie jetzt nachlesen.

Aiman A. Mazyek Quelle: ZDF


Frage: Ich musste körperliche Angriffe ertragen, weil ich als Muslima zu erkennen war. Die beleidigenden Worte, die dabei gefallen sind, würde ich am liebsten vergessen. Ist es so weit gekommen, dass Menschen wieder nur wegen ihres Glaubens Angst haben müssen in Deutschland?



Aiman Mazyek: Leider ist das auch kein Einzelfall. Es vergeht bald kein Tag mehr, wo wir Übergriffe auf Andersaussehende und Andersdenkende zu beklagen haben, zuletzt ist in Magdeburg eine Irakerin auf offener Straße von Nazischlägern verprügelt worden.

Muslimische Anti-Terror-Demo Köln 2004 Quelle: caro


Frage: Warum reagieren Sie erst jetzt, wo auf einmal auch Muslime und nicht wie zuvor nur Christen und Juden Ziele des islamistischen Terrors sind?



Mazyek: Dies ist leider eine falsche Wahrnehmung Ihrerseits. Wir lehnen uns gegen Extremismus und Terror egal gegen wen entschieden auf. Wir haben das unzählige Male durch Wort und Tat unter Beweis gestellt. Angefangen von unseren Stellungnahmen, zum Beispiel nur eine Stunde nach den Anschlägen des 11. September, über die Großdemonstration vor einiger Zeit in Köln "Nicht in unserem Namen", wo über 20.000 Muslime teilgenommen haben, bis hin zu vielen Schweigemärschen und Mahnwachen (ich habe selber in meiner Heimatgemeinde nach dem U-Bahn-Anschlägen eine organisiert)


Frage: Jahrelang haben Sie jeden islamischen Terroristen, der im Namen Allahs Leute in die Luft gesprengt hat, für unislamisch erklärt und somit aus der Gesellschaft der Muslime ausgegrenzt. Jetzt passiert halt das Gleiche mit Ihnen. Nur halt von der zuvor ausgegrenzten Seite.



Mazyek: Wir haben uns nicht ausgegrenzt, sondern stets das gesagt, was die überwältigende friedliche Mehrheit in unserem Land fühlt und denkt. So wie ich das im Filmbeitrag auch gesagt habe: Die Frontlinie ist der Hass und die Militanz auf der einen Seite, welche keine Religion hat - und die andere Seite, wo Menschen (welcher Religion auch immer) einfach in Frieden miteinander leben wollen.


Frage: Der Zentralrat der Muslime, dessen Generalsekretär Sie sind, hat eine sogenannte Islamcharta. In dieser werden die Grundrechte nur bedingt anerkannt: "im Kern". Was das ist und was zu diesem Kernbereich gehört, entscheidet sich dann wohl, wenn der Islam an der Macht ist?


Mazyek: Eine oft gehörte und meist abgeschriebene oder übernommene Behauptung (keine persönliche Unterstellung ;) ). Das Wort Kernbestand wurde im Zusammenhang der Menschenrechte genannt, wo der Verfasser deutlich machen wollte, dass er alle Menschenrechte anerkennt, jedoch diese Rechte religiös von Gott ableitet. Ein Mensch, der nicht an Gott glaubt, würde das so nicht sehen. Darauf sollte hingewiesen werden. Eine der Aussagen in der Charta lautet in Punkt 11:
"Ob deutsche Staatsbürger oder nicht, bejahen die im Zentralrat vertretenen Muslime daher die vom Grundgesetz garantierte gewaltenteilige, rechtsstaatliche und demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland".

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