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Radical Disco – Die frühen Jahre der Clubs

Bar in der Diskothek „Barbarella“, 1972

Die kurze, aber intensive Blütezeit der frühen Nachtclubs und Discotheken in Italien, Deutschland, Spanien und New York.

Datum:
14.11.2020
Verfügbarkeit:
Video leider nicht mehr verfügbar

Kulturdokus

Ein spinnenartiger kleiner Roboter mit vielen Kabeln und Drähten sitzt vor einer Keyboard-Tastatur und drückt mit einem seiner Greifarme auf eine Taste. Als Kopf hat er einen kleinen Bildschirm, auf dem sein lachendes Gesicht zu sehen ist. Der Hintergrund ist unscharf, auf einem Bildschirm ist eine bunte Computeranimation zu erkennen.

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Im Lichtgewitter futuristischer Tanzclubs versammelten sich Nachtschwärmer*innen, um in rauschhaft entgrenzten Räumen aus Sound, Licht, Plexiglas und Plüsch von einer grenzenlosen Freiheit zu träumen. Die Discotheken der 1960er und 1970er Jahre waren Gesamtkunstwerke und sie schufen Räume für intensive, multimediale Erfahrungen, die auch in den politischen Raum wirkten. Die Nachtclubs trugen entscheidend zur Emanzipation von Minderheiten, von Homosexuellen und Schwarzen bei. Die Gesellschaft in den 1960er Jahren befand sich im Umbruch, die Jugend revoltierte, brach mit alten Vorstellungen, ob es um Sex ging, Drogen oder Politik. Sie wollte raus aus dem Korsett gesellschaftlicher Normen und Dogmen, und sie wollte die freie Liebe. Die jungen Künstler*innen zog es raus aus den „toten Museen“, rein in das echte Leben. Die Architekt*innen ließen den strengen, humorlosen Funktionalismus, die spaßfreie Klötzchen-Architektur, den rechten Winkel hinter sich.

Der Club als Gesamtkunstwerk

Also fingen sie an Nachtclubs, Diskotheken zu bauen, sie einzurichten, sie zu beschallen und zu beleuchten, um darin ein neues Lebensgefühl zu testen. Die frühen Clubs waren Versuchslabore, um durch Erlebnisräume aus Tanz, Licht, Sound und Drogen neue gesellschaftliche Perspektiven zu öffnen. Sie waren Gesamtkunstwerke. Nachtclubs und Diskotheken wie das Creamcheese in Düsseldorf waren in den 1960er Jahren die heißen Brüter der Popkultur. Die Künstler der Gruppe ZERO um Uecker, Mack und Piene machten aus dem Düsseldorfer Club ein permanentes Happening. Sie wollten die Zeitgenoss*innen mit Stroboskoplicht und Tonexperimenten aus ihrem Wohlstandstiefschlaf wachrütteln. Disco stand gleichermaßen für eine Öffnung, eine Demokratisierung der Kunst, wie auch für eine Verflechtung ihrer Genres und eine Negierung ästhetischer Kategorien und Hierarchien. "In diesem Prozess entstand ein Kollektiv, das gebärdend, tanzend und agierend, eine dynamische Skulptur (...) bildete“, so Günther Uecker.

Discokugel
Die Diskokugel - hybrides Objekt zwischen Helligkeit und Dunkelheit
Quelle: Andreas Coerper

1964 hatte Andy Warhol seine Show „Exploding Plastic Inevitable“ im New Yorker Club DOM aufgeführt. Für den Sound sorgte die Band Velvet Underground. Der Club wurde zur Bühne der Besucher*innen. Marginalisierte und verfolgte LGBTQ-Gruppen machte Warhol zu seinen Superstars. Durch die «neuronale Massage» konnte das Publikum sein Bewusstsein erweitern, mit alternativen Persönlichkeiten experimentieren und geschlechtliche Identitäten und Orientierungen ausprobieren. ZERO experimentierte schon seit Anfang der 1960er mit dem Medium Licht. Traumatisiert von Kriegserfahrungen, schufen sie eine Lichtkunst der reinen Schönheit. 1964 stellten die Künstler der ZERO-Gruppe in New York aus und sahen dort Warhols Lichtshow. Die Amerikaner*innen bestaunten im Gegenzug die europäischen Experimente. Die Diskokugel, als hybrides Objekt zwischen Helligkeit und Dunkelheit, eignete sich als Gegenstand von Überlegungen über das Licht der Aufklärung, den männlich zentrierten Blick und daraus resultierende Genderfragen.

Clubkultur = Subkultur?

Angeregt von den Entwicklungen in den USA gingen die italienischen Nachtclubs der 1960er und 1970er Jahre einen anderen Weg: Ihr demokratischer, nicht kodifizierter und nicht kommerzialisierter Ansatz bot Künstler*innen und Designer*innen die Möglichkeit, neue Wege zu gehen. Die Räume entstanden kollektiv in demokratischen Prozessen und verstanden sich als Labore für utopische Gesellschaftsentwürfe. Gruppen wie Archizoom, Gruppo 9999 oder Gruppo 65 erfanden gemeinsam mit Designer*innen und Künstler*innen legendäre Clubs wie das Space Electronic in Florenz oder das Mach2 in Rimini. Es waren Räume einer Gegenkultur und der Teilhabe. Die jungen Architekt*innen fühlten sich der Gesellschaft verpflichtet, nicht Gebäuden. Auch sie entdeckten im Nachtclub die ideale Bauaufgabe, um zu experimentieren und gegen die Geschichte zu revoltieren. Der Erfolg dieser Freiräume hatte bald auch eine Kehrseite. In Spanien leistete sich die Franco Diktatur liberale Clubs an der Costa Brava, um das außenpolitische Image aufzupolieren. Und die rasante Kommerzialisierung der Diskomusik zwang die experimentellen Clubs bald zur Aufgabe. In den USA wurde Anfang der 70er das Tanzverbot für Gleichgeschlechtliche abgeschafft. Daraufhin entstanden im ganzen Land schwule Clubs und Bars wie das Continental Bath in New York. Das gab der Clubkultur auf der einen Seite einen ungeheuren Schub, auf der anderen Seite entwickelte sich die Disco nun rasant zum Mainstream-Phänomen. Die Disco an sich blieb bestehen, vielleicht nicht mehr als revolutionäres Gesamtkunstwerk der Gegenkultur, aber als (Frei)Raum, sich selbst in Szene zu setzen.

Der Film erzählt die kurze, aber intensive Blütezeit der frühen Nachtclubs und Discotheken in Italien, Deutschland, Spanien und New York.

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