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Tanz auf dem Eisberg

In Longyearbyen findet das nördlichste Musikfestival der Welt statt: Das "Arctic Chamber Music Festival".

37 min
37 min
18.04.2020
18.04.2020
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 28.03.2024

Ein Film von Stefan Braunshausen

Eisbären, Nordlicht, Arktisforschung - damit lockt Spitzbergen nahe dem Nordpol immer mehr Reisende an. Seit einigen Jahren kommt die Kultur dazu. Das "Arctic Chamber Music Festival" bietet eine Woche lang klassische Werke auf Gletschern und in stillgelegten Kohleminen. Rechtfertigt das beeindruckende Kunsterlebnis die desaströse Klimabilanz eines solchen Festivals?

Arktis-Reisen sind gerade das Ding für Menschen, die schon alles andere gemacht haben. Die Zahl der Abenteurer hat sich innerhalb eines Jahrzehnts fast verdoppelt - auf knapp 70 000. Die meisten wollen die spektakuläre Landschaft erleben, seit drei Jahren kommen aber auch Festivalfans auf ihre Kosten. Dafür werden Solisten, Musiker und auch das Publikum von weither eingeflogen. Sollte man zum Schutz des Klimas auf solche Festivals nicht lieber verzichten?

Wieviel Tourismus verträgt die vom Klimawandel bedrohte Inselgruppe Spitzbergen?

Diese Frage stellen sich die Macher des "Arctic Chamber Music Festival" und erörtern vor Ort mit Wissenschaftlern, wie nachhaltiger Tourismus aussehen könnte und müsste. Das Thema berührt hier alle: 2015 gab es Tote, als eine Schneelawine mehrere Häuser und Menschen unter sich begrub. Durch das Tauwetter verwandelten sich die aufgeweichten Erdmassen in eine tödliche Lawine, und die traditionell auf Holzpfählen errichteten Häuser verloren ihren festen Grund. Eva Grøndal wurde in ihrem Haus 30 Meter den Berg heruntergespült. Dass sie noch lebt, ist ein Wunder. Während des Festivals ist sie eine der freiwilligen Helferinnen und kümmert sich um die Gäste. Doch schon seit vielen Jahrzehnten dokumentiert sie auf Fotos die dramatischen Veränderungen dieses Ortes.

Die Temperaturen steigen hier fast dreimal so schnell wie im Rest der Welt, erklärt Kim Holmén, Direktor vom North Polare Institute. Seit über 30 Jahren forscht der Wissenschaftler zum Klimawandel. Mit seinem Motorschlitten zeigt er Orte, an denen die Veränderungen am eindrucksvollsten zu sehen sind. Der Permafrostboden taut und bringt neue Bodenschätze ans Licht.

Geologen vermuten, dass sich ein Drittel der noch nicht entdeckten Gasreserven unter Spitzbergen befinden; in Gebieten, die bisher wegen der schwierigen klimatischen Bedingungen unzugänglich waren. Aber auch neue Seewege werden durch das schmelzende Eis zugänglich – neue Handelswege, die auch bei China und Russland große Begehrlichkeiten wecken. 100 Jahre nach dem Abschluss des Spitzbergenvertrags zur friedlichen Nutzung der Inselgruppe ändert sich damit auch das politische Klima vor Ort. Russland will schon lange mehr Mitspracherecht in der Region. Das sorgt immer wieder für Konflikte.

Erstausstrahlung 3sat 18.4.2020, 19.20 Uhr

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