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"Kulturzeit extra": Filmfestspiele Cannes 2021

Erst zum zweiten Mal in der Geschichte des Filmfestivals geht die höchste Auszeichnung an eine Frau: Die Französin Julia Ducournau hat für ihr wildes Horrordrama "Titane" die Goldene Palme entgegen genommen. "Kulturzeit extra" war vor Ort.

43 min
43 min
18.07.2021
18.07.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.10.2021
Agathe Rousselle, Julia Ducournau and Vincent Lindon posieren bei den Filmfestspielen in Cannes für den Film "Titane"
Regisseurin Julia Ducournau (m.) mit ihren Hauptdarstellern aus "Titane"
Quelle: epa

Jury-Präsident Spike Lee gab den Siegerfilm versehentlich schon zu Beginn der Abschlusszeremonie bekannt und entschuldigte sich daraufhin. Vor Ducournau hat bisher nur eine einzige Frau die höchste Auszeichnung in Cannes erhalten: die Neuseeländerin Jane Campion im Jahr 1993 für "Das Piano". "Danke, dass ihr die Monster reingelassen habt", bedankte sich die französische Regisseurin bei der Jury. "Titane" war der gewalttätigste und wildeste Film des Wettbewerbs. Er erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich an keine Normen hält, Sex mit Autos hat, von einem Cadillac schwanger wird, hemmungslos tötet und auf der Flucht vor der Polizei vorgibt, der verlorene Sohn eines Feuerwehrmannes zu sein.

Beste Darsteller*innen

Der Preis für den besten männlichen Darsteller ging an den 31-jährigen US-Schauspieler Caleb Landry Jones für seine erschütternde Darstellung eines jungen Mannes mit Borderlinesyndrom in "Nitram", der ein grausiges Verbrechen verübt. Der Film dreht sich um das schlimmste Massaker in der Geschichte Australiens. Dass Regisseur Justin Kurzel das Schusswaffenmassaker in Port Arthur von 1966 mit 35 Toten zu einem Film verarbeitete, hatte in Australien für scharfe Kritik gesorgt.

Als beste weibliche Darstellerin wurde die 33-jährige Norwegerin Renate Reinsve für ihre Rolle in "The Worst Person in the World" des norwegischen Regisseurs Joachim Trier ausgezeichnet. In dem Film verkörpert die Schauspielerin eine junge Frau, die auf der Suche nach ihrer Identität durch ihr Leben und ihre Liebschaften schwankt.

Jury vergibt Preise doppelt

Der Große Preis der Jury ging in diesem Jahr gleich an zwei Filme: an "Hytti NRO 6" ("Compartment No.6") des Finnen Juho Kuosmanen und "A Hero" des Iraners Asghar Farhadi. Der Preis für die beste Regie ging an den Franzosen Leos Carax für das Musical "Annette". Für das beste Drehbuch wurden die Japaner Hamaguchi Ryusuke und Takamasa Oe für "Drive My Car" ausgezeichnet. Der Film, bei dem Hamaguchi Ryusuke die Regie führte, hatte bei vielen Kritikern als Favorit gegolten.

Mit der Goldenen Ehrenpalme war bereits zu Beginn des Festivals die zweifache Oscar-Gewinnerin Jodie Foster aus den USA geehrt worden. Eine Goldene Ehrenpalme für sein einzigartiges Schaffen erhielt zum Abschluss des Festivals auch der 81-jährige italienische Filmemacher Marco Bellocchio.

74. Filmfestspiele unter Corona-Auflagen

Nachdem das glamousöse Festival an der Côte d'Azur 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste, durfte es 2021 unter Corona-Auflagen stattfinden und war vom Frühjahr in den Sommer verschoben worden. 24 Filme traten im Wettbewerb an, bei vier von ihnen führten Frauen Regie. Eröffnet wurde die 74. Ausgabe der Filmfestspiele mit dem Musicalfilm "Annette" von Regisseur Leos Carax mit Adam Driver an der Seite von Marion Cotillard. Außerdem waren Filme der Regisseure Asghar Farhadi, Paul Verhoeven, Sean Penn, Jacques Audiard und Francois Ozon zu sehen. Der Italiener Nanni Moretti war ebenso vertreten wie der von der russischen Justiz verfolgte Regisseur Kirill Serebrennikow, der mit großem Staraufgebot angekündigte Film "The French Dispatch" von Wes Anderson mit Frances McDormand, Bill Murray, Christoph Waltz und Léa Seydoux und der neue Film "Memoria" - mit Tilda Swinton in der Hauptrolle - von Apichatpong Weerasethakul, der 2010 mit "Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben" die Goldenen Palme in Cannes gewann.

Keine deutschen Filme in den Sektionen

Die großen US-Studios dagegen waren abwesend, Blockbuster gab es keine, mit Netflix war keine Einigung erzielt worden. Und Deutschland war - wieder einmal - in keiner Sektion vertreten. Das Filmfestival führte aber die neue Reihe "Cannes Premiere" ein, um der Fülle an Filmen gerecht zu werden. Auch dort fanden sich große Regienamen von Oliver Stone und Mathieu Almaric über Hong Sangsoo bis hin zu Andrea Arnold und Charlotte Gainsbourg.

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