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Die Freiheitskämpfe der Frauen

100 Jahre Frauenwahlrecht

Tausende Frauen demonstrieren auf einer breiten Straße in Madrid
von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach

Im November 1918 erhielten die Frauen in Deutschland und Österreich nach langen Kämpfen endlich das Wahlrecht. Wie steht es heute, mehr als 100 Jahre danach, um die Gleichberechtigung?

04.03.2021
04.03.2021
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"Wir sind noch längst nicht am Ziel", sagen alle, die wir gefragt haben. In den USA marschierten sie gegen die Trump-Regierung, in Spanien gingen am 8. März 2018 Millionen Menschen für Frauenrechte auf die Straße, in Lateinamerika ebenso wie in Irland und Polen streiten Frauen für ihr Recht, über den eigenen Körper zu verfügen und Schwangerschaften abzubrechen.

"Es ist ein System, das Männer und Frauen unterdrückt. Je mehr Rechte eine Gesellschaft den Frauen gibt, desto besser geht es allen", sagt Petra Volpe, die in ihrem Film "Die göttliche Ordnung" den Kampf fürs Frauenstimmrecht in der Schweiz in den 1970er Jahren erzählt. "Ich sah mich mittendrin in dem Film", erzählt Vreni Kölbener, die noch bis 1991 im Kanton Appenzell-Innerrhoden für das Wahlrecht streiten musste. "Das sind unsere großen Vorbilder. Heute geht es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und gleiche Entlohnung", fügt die junge Appenzellerin Leandra Hörler hinzu.

In Deutschland ist derzeit das passive Wahlrecht in Gefahr: Im Bundestag liegt der Anteil an Frauen aktuell bei gut 30 %, in rund der Hälfte der Länderparlamente deutlich darunter. Bundesweit engagieren sich deshalb Initiativen für Wahlrechtsreformen nach dem Vorbild vieler Länder, allen voran Frankreich. Brandenburg und Thüringen haben im Jahr 2019 als erste Bundesländer überhaupt Paritätsgesetze verabschiedet, die auf eine ausbalancierte Repräsentation von Frauen und Männern in den Parlamenten abzielen.

"Die mangelnde Beteiligung von Frauen ist nach wie vor Verfassungsbruch in Permanenz", sagt Verfassungsrechtlerin Silke Laskowski. Auch in der Wirtschaft fordern Frauen mehr Beteiligung, wie die Initiative Frauen in die Aufsichtsräte: Nur wer gleich-berechtigt vertreten ist, kann auch gleichberechtigte Gesetze und Regelungen durchsetzen.

#metoo - ein "Gesprächsangebot"

Als 2017 die  #MeToo-Bewegung die Film- und Kulturbranche aufrüttelte, wurde in den USA eine millionenschwere Stiftung gegründet, um Frauen bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu unterstützen. Das Schweigen sollte endlich gebrochen werden; doch in Deutschland haben immer noch viele Angst, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. "MeToo ist ein Gesprächsangebot", sagt Schauspielerin und Comedy-Star Maren Kroymann. "Was ist bei uns normal, was finden wir gut, wie sollte es sein - und was ist Machtmissbrauch?"

Auch in Kunst und Kultur herrscht eine Männerquote um 80%, wie Studien zeigen. Obwohl im Filmbereich ebenso viele Frauen studieren, arbeitet hinterher nur ein Bruchteil im erlernten Beruf. Frauen verschwinden in der Regel im Alter von 30 Jahren vom Fernsehschirm, mit 25 Jahren von der Kinoleinwand. Doch wenn keine Geschichten über ältere Frauen erzählt werden, gibt es auch keine Vorbilder für andere Lebensmodelle. Dagegen engagiert sich die Initiative ProQuote Film. "Das ist ein Kampf für unsere Töchter", sagt die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, "und auch für die Frauen in anderen Ländern", wo Frauen noch stärker in ihren Rechten beschnitten werden.

Weltweit wird derzeit um Abtreibung und das Bestimmungsrecht über den eigenen Körper diskutiert. In Deutschland stehen Ärztinnen und Ärzte vor Gericht, weil sie im Internet angeben, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Es gibt jedoch für Frauen keine neutralen Informationsangebote - und an vielen Orten bereits keine Ärzte mehr, die Abbrüche durchführen, obwohl dies gesetzlich erlaubt ist. Wir begegnen der Frauenärztin Kristina Hänel. Sie wurde 2019 nach einer Revision erneut zu einer Geldstrafe in Höhe von 25 Tagessätzen verurteilt. Im Januar 2021 verwarf das Oberlandesgericht die Revision Hänels, woraufhin sie ankündigte, Verfassungsbeschwerde einzulegen.

Ob es um Mitbestimmung geht, um Lohngerechtigkeit, Pflege, Bildung und Erziehung: die Umsetzung von Frauenrechten ist immer auch ein Gradmesser für Demokratie.

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