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Starke Stücke: Hamlet

Szenebild aus "Hamlet"

In Johann Simons Bochumer Inszenierung glänzt nun die mehrfach preisgekrönte Film- und Theaterschauspielerin Sandra Hüller als Hamlet.

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15.05.2020
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Es ist was faul im Staate Dänemark. Der junge Hamlet trauert um seinen Vater. Seine Mutter, Königin Gertrud, bewältigt den Verlust eher pragmatisch und heiratet den Bruder des Toten, Hamlets Onkel Claudius. Dafür verachtet der junge Prinz seine Mutter zutiefst und als ihm sein Vater als Geist erscheint und offenbart, dass er Opfer eines Mordanschlags durch den neuen König wurde, gerät Hamlets Welt vollends aus den Fugen. Zwischen Apathie und hilfloser Wut taumelnd, weiß er einfach nicht so recht weiter, will aber dennoch irgendwie seinen Vater rächen. Letztendlich bringt er eine ganze Dynastie zu Fall und das Reich fällt in fremde Hände. Kaum ein Werk wurde so häufig gespielt und dabei so unterschiedlich interpretiert, ob auf der Bühne, der Kinoleinwand oder als Gerüst für einen Serienplot.

Manche Zitate gehören wie selbstverständlich zu unserem Wortschatz. „Sein oder nicht sein“ ist das Theaterklischee schlechthin. Allein der Totenschädel in der Hand signalisiert eindeutig, es geht um den Dänenprinzen und sein schweres Schicksal, das nach guter Shakespeare-Manier am Ende allen Hauptfiguren das Leben kostet. In Johann Simons Bochumer Inszenierung glänzt nun die preisgekrönte Schauspielerin Sandra Hüller als Hamlet. Ein zaudernder, sanftmütiger Hamlet, dessen kindliche Wutanfälle völlig hilflos wirken und nur zeigen wie unfassbar deprimiert er oder sie von der Welt und den Menschen darin ist. So ist dieser „Hamlet“ auch nicht als Blutbad oder Rachefeldzug inszeniert, vielmehr wird in dem faszinierenden weißen Spielfeld von Johannes Schütz versucht eine bestmögliche neue Ordnung zu schaffen.

An Sandra Hüllers Seite steht Gina Haller als Ophelia, die in dieser Inszenierung so viel mehr sein darf als nur die berühmteste Wasserleiche der Dramenliteratur. Ihre Figur verschmilzt mit Hamlets bestem Freund Horatio und erfährt dadurch eine enorme Aufwertung, wird nicht nur Gefährtin, sondern fast alter Ego des Dänenprinzen.

Diesen Hamlet muss man gesehen haben. Ein epochemachender „Hamlet“, hinter den es kein Zurück mehr gibt.
Süddeutsche Zeitung
Darsteller
Sandra Hüller Hamlet
Stefan Hunstein Claudius
Mercy Dorcas Otieno Gertrud
Bernd Rademacher Polonius
Dominik Dos-Reis Laertes
Gina Haller Ophelia
Konstantin Bühler Rosencrantz
Ulvi Teke Guildenstern
Mourad Baaiz Fortinbras
Jing Xiang Totengräber 1
Ann Göbel Totengräber 2
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