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Graf Öderland

In Stefan Bachmanns Inszenierung von Max Frischs Stück ist die Bühne Schauplatz und dunkler Protagonist einer Handlung, die erschreckend aktuell wirkt und in der für unumstößlich gehaltene Grundsätze verloren sind.

Vorab
98 min
98 min
15.05.2021
15.05.2021
UT
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 11.09.2021

Die autoritären, totalitären Strömungen gewinnen die Oberhand. Menschlichkeit ist nichts weiter als eine naive Erinnerung oder war doch alles nur ein böser Traum?

Wir haben alles getan, um Recht und Freiheit sicher zu stellen — und trotzdem, ich gebe es zu, trotzdem ist eine Rebellion entstanden auch in unserem Land, im Zeichen der Axt, geführt von einem Irrsinnigen, der vor nichts zurückschreckt.

Ein brutaler Mord, der umso erschreckender erscheint, da er ohne jeden ersichtlichen Grund, ohne jegliches Motiv geschehen zu sein scheint, erschüttert die Existenz eines pflichtschuldigen Staatsanwaltes. Ein braver Bürger, Kassierer einer Bank, greift zur Axt und erschlägt hinterrücks einen Hausmeister. Eine Tat, die alle Gewissheiten und Lebenskonstrukte ins Wanken bringt. Der Staatsanwalt, selbst gefangen in einer geordneten und spießbürgerlichen Existenz, verwandelt sich nach und nach in sein bizarres Alter Ego Graf Öderland. Er greift selbst zur Axt und streift mordend und marodierend durchs Land. Er schart immer mehr Anhänger*innen um sich, die ihn zum Befreiungshelden stilisieren und schließlich eine Bewegung bilden, die nicht mehr zu stoppen ist. Alle Verzweifelten, Ausgegrenzten und Gelangweilten vereinen sich zu einem nihilistischen Kult um den Grafen als Führerfigur und stürzen schließlich sogar die Regierung. Ohne jede Ideologie oder Agenda ist die Gruppe allein der radikalen Freiheit verpflichtet. Das gesellschaftliche Gefüge ist zerstört, die Gesellschaft im wahrsten Sinne des Wortes gespalten.

Das selten gespielte Stück von Max Frisch, das er selbst als sein liebstes bezeichnete, wird in der Koproduktion von Theater Basel und Residenztheater München zu einer düsteren Horror-Revue, die einen schauerlichen Sog ungläubigen Schreckens entfaltet.

Ensemble:

  • Thiemo Strutzenberger

    spielt den Staatsanwalt

  •  Barbara Horvath

    spielt Elsa, einen Gendarmen, den greisen Staatspräsidenten

  • Simon Zagermann

    spielt Dr. Hahn, einen Sträfling

  • Linda Blümchen

    spielt Hilde, Inge, Coco

  • Steffen Höld

    spielt den Mörder

  • Klaus Brömmelmeier

    spielt Mario, einen Gendarmen, den General, Frau Hofmeier

  • Moritz von Treuenfels

    spielt einen Wärter, einen Concierge, den Kommissar, einen Studenten

  • Mario Fuchs

    spielt den Vater, einen Boy, den Innenminister

  • Julius Schröder

    spielt die Mutter, den Fahrer, den Direktor

Stabliste:
Regie Stefan Bachmann
Bühne Olaf Altmann
Kostüme Esther Geremus
Komposition und Musikalische Leitung Sven Kaiser
Licht Roland Edrich
Körperarbeit Sabina Perry
Dramaturgie Barbara Sommer
Ton Nikolaus Knabl/Dominic von Nordheim
Musik-Ensemble: Julia Bassler, Cornelius Borgolte, Sven Kaiser, Tobias
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