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Wunsch-Erbgut per Copy and Paste

Gentechnik im Silicon Valley

- Wunsch-Erbgut per Copy and Paste

Die Dokumentation zeigt, mit welchen Ideen die Visionäre der kalifornischen Hightech-Firmen die Welt verändern wollen und hinterfragt, welche Folgen das für unser aller Leben haben wird.

Beitragslänge:
59 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.06.2017, 23:30

Ein neuartiges Verfahren namens CRISPR/Cas9 ermöglicht Eingriffe ins Genom von Pflanzen, Tieren und Menschen auf eine so einfache und preiswerte Weise wie nie zuvor. Das revolutionäre Werkzeug bietet große Chancen - und wirft ethische Fragen auf.

Als Genome Editing bezeichnen Forscher eine Reihe neuer Techniken, die eine gezielte Veränderung von Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen ermöglichen. Einsatzgebiete sind neben der Landwirtschaft und Erzeugung von Nahrungsmitteln vor allem pharmazeutische und medizinische Anwendungen, etwa zur mikrobiellen Herstellung von Medikamenten, aber auch zur gezielten Züchtung von Spenderorganen und Gentherapie.

Zusammen mit Emmanuelle Charpentier gelang Jennifer Doudna der Durchbruch im Genome Editing mithilfe des so genannten CRISPR-Systems (siehe Infobox), das sich die Biologinnen bei der Immunabwehr natürlicher Zellen gegen Viren-Angriffe abschauten. In Fachkreisen werden sie bereits als Anwärterinnen auf den Nobelpreis gehandelt, müssen sich aber auch kritischen Fragen stellen - wie aktuell im Interview mit Claus Kleber für die Dokumentation "Schöne neue Welt - Wie Silicon Valley unsere Zukunft bestimmt" (Sonntag, 23.30 Uhr im ZDF).

"Die Gesellschaft muss mitentscheiden, was erlaubt sein soll"

Direkt im kalifornischen Silicon Valley, an der Universität Berkeley, erforscht Jennifer Doudna die potenziellen Anwendungsgebiete von CRISPR/Cas9, und die Nähe zum Mekka der IT-Branche kommt nicht von ungefähr. Dass wir heute so viel über die Baupläne des Lebens wissen, ist nur durch die rasanten Fortschritte im Bereich künstlicher Intelligenz und leistungsfähiger Datenverarbeitung möglich. Und Bioinformatik ist nicht nur eine Triebfeder für die Wissenschaft, sondern weckt auch die Hoffnung aufs große Geschäft.

Start-up-Unternehmen wie Großkonzerne aus der Agrar-, Chemie- und Pharmabranche investieren in die maßgeschneiderte Genetik. Neben amerikanischen Firmen ist auch der deutsche Pharmariese Bayer dabei. Er versucht derzeit nicht nur den Gentechnik-Giganten Monsanto aufzukaufen, sondern steckte auch schon Hunderte Millionen Euro in ein Gemeinschaftsunternehmen mit CRISPR Therapeutics, das ebenfalls in Berkeley aktiv ist. Die CRISPR-Pionierin Jennifer Doudna ist sich der Risiken bewusst, sieht die Verantwortung aber nicht nur bei den Forschern. Sie betont, dass die Grenzen gentechnischer Verfahren noch stärker öffentlich diskutiert werden müssten.

Fluch und Segen?!

Ob die Investoren diesen Diskurs abwarten werden, darf bezweifelt werden. Zum Beispiel gibt es bereits Versuche, die "Copy & Paste"-Organismen nicht als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einzustufen und sie so den strengen GVO-Richtlinien zu entziehen. In einem jüngst erschienenen Artikel im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature" schlagen Forscher aus China, Deutschland und USA vor, geneditierte Pflanzen solchen aus konventioneller Züchtung gleichzustellen, sofern sie keine artfremde (transgene) DNA enthalten.

Angesichts der ohnehin schon sehr emotional geführten und oft von irrationalen Argumenten geprägten Diskussion um Gentechnik dürfte solch ein Vorschlag in Deutschland öffentlich und politisch wenig Zustimmung finden. Zumindest, solange es um Landwirtschaft oder Tierzucht geht.

Jacob Corn von der Innovative Genetic Initiative hebt dagegen im ZDF-Interview hervor, dass von einer zukünftigen "individualisierten Medizin" unzählige Menschen profitieren, auch solche mit einer seltenen, genetisch bedingten Krankheit. Solche Argumente werden in der Debatte um CRISPR ebenfalls Gewicht haben, sofern sie denn überhaupt geführt wird.

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