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"Wir wissen, dass sie besser sind"

- "Wir wissen, dass sie besser sind"

"Wenn das Spiel in München so läuft, wie hier die zweite Halbzeit, dann habe ich große Hoffnung, dass wir das Ding noch drehen können", sagt Bayern-Stürmer Thomas Müller nach dem 0:1 bei Atletico.

Beitragslänge:
1 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 27.04.2017, 22:40

Trotz des Hinspielsiegs pflegt Atlético Madrid vor dem Auftritt in München seine geliebte Außenseiter-Rolle. Da ist viel Rhetorik dabei – aber nicht nur. Der Respekt vor den Bayern bleibt groß. Und die Madrilenen kennen ihre Geschichte vor dem entscheidenden Spiel am Dienstag (ab 20:25 Uhr live im ZDF).

Alle Statistiken und Serien scheinen für Atlético zu sprechen. Nicht nur reicht in 61 Prozent der Fälle ein 1:0 aus dem Hinspiel zum Weiterkommen, auch sind die Bayern just in den letzten beiden Jahren im Halbfinale an spanischen Teams gescheitert. Und seit 2011 wurde kein Champions-League-Halbfinale mehr von der Mannschaft gewonnen, die im zweiten Spiel vor eigenem Publikum antrat. Darüber hinaus liefert auch der bisherige Saisonverlauf einschlägige Argumente. In 53 Pflichtspielen erzielten die Madrilenen nie ein Ergebnis, das am Dienstag das Ausscheiden bedeuten würde.

Gefeiert in ganz Europa

Favorit also, Atlético? Nein - diese Rolle weisen Diego Simeone und sein Team weit von sich. "Zweifelsohne“ blieben die Münchner der erste Kandidat für das Weiterkommen, sagte etwa die spielende Vereinslegende Fernando Torres: "Niemanden würde es überraschen, wenn sie zuhause mit mehr als einem Tor Unterschied gewinnen. Wir wissen, was uns erwartet, und dass sie die bessere Mannschaft sind."

Ganz schön bescheidene Töne für eine Mannschaft, die nach dem Hinspiel europaweit als neues Nonplusultra gefeiert wird für ihre "Revolte gegen das Tiki-Taka" ("Gazzetta dello Sport"). Doch die Demut hat Methode. Trainer Simeone, der große Erneuerer des Vereins, kontrolliert bei Atlético jedes Detail, auch die Kommunikationsstrategie. Und gibt vor, dass es auch jetzt bei der Erzählung vom Underdog bleibt.

Die Saison ist jetzt schon ein Erfolg

Dieses Narrativ erhöht nicht nur Erfolge in wundersame Sphären, es minimiert auch eventuelle Versagensängste. Weil Niederlagen ja eigentlich gar keine sind. Simeone erklärte die Saison schon vor einigen Wochen für gelungen, als die neuerliche Champions-League-Qualifikation feststand und vier Spieltage vor Schluss die Punktausbeute des letzten Jahres übertroffen wurde. Sollte Atlético jetzt ausscheiden, sollte auch der Meisterkampf mit den Titanen der spanischen Liga verloren gehen - es wird keine Kritik geben. Es bleibt die Leistung, überhaupt mitgemischt zu haben.

577 Millionen Euro nahm Real Madrid im vergangenen Geschäftsjahr laut "Deloitte Money League" ein, 560 der FC Barcelona, 474 die Bayern. Bei Atlético waren es 187. Das Narrativ entspricht also auch den Fakten. Darüber hinaus hat es den praktischen Nebeneffekt, den bisweilen ultradefensiven Schützengrabenfußball zu legitimieren, den Real, Barça oder Bayern angesichts ihrer Ressourcen kaum anbieten dürften.

Spiel um Spiel, Krieg um Krieg

"Jeder Ball ist ein Krieg, den es zu gewinnen gilt", sagt Saúl Ñíguez, der Traumtorschütze aus dem Hinspiel. "Partido por partido", "Spiel um Spiel", lautet die berühmteste Phrase seines Trainers Simeone. Sie verbietet, den zweiten Schritt vor dem ersten gehen - also etwa jetzt schon in irgendeiner Form vom Champions-League-Finale reden.

Nur - geträumt wird natürlich trotzdem. Sowie: gebetet. Denn der Respekt vor den Münchnern ist nicht nur ein Lippenbekenntnis und durch das Hinspiel eher noch gestiegen. Bei Bayern mochte sich die Debatte auf die Reservistenrolle von Thomas Müller konzentrieren, bei Atlético keuchten die Profis nach Abpfiff angesichts des variablen Offensivspiels des FCB. "Es war eines der schwersten Spiele meines Lebens", sagte Linksverteidiger Filipe Luis, "ihre Angriffe kamen von überall."

Der Fluch der letzten Minute

Bei "50 zu 50" sieht Klubpräsident Enrique Cerezo die Chancen für das Weiterkommen. Auch die Altvorderen halten sich mit Prognosen lieber zurück. Sie wissen ja am besten, dass man sich bei Atlético nie zu früh freuen darf. In ihren zwei Finals - 1974 gegen die Bayern und 2014 gegen Real - führten die Madrilenen bis zur letzten Minute mit 1:0. Beide Male reichte das nicht zum Sieg.

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