Draisaitl - der "Eis-Nowitzki"

Leon Draisaitl (m.) von den Edmonton Oilers

- Draisaitl - der "Eis-Nowitzki"

Leon Draisaitl will sich bei den Edmonton Oliers als feste Größe etablieren. Das NHL-Team testet derzeit seine eigenen Talente und Draisaitl will sich unbedingt durchsetzen.

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Er ist gerade mal 20 Jahre alt – und dennoch gilt Leon Draisaitl bereits als das zukünftige Gesicht des deutschen Eishockeys. In der NHL hat sich der Kölner bei den Edmonton Oilers etabliert. Seine Leistungen rücken ihn in den Mittelpunkt – und verleiten zu Vergleichen mit den ganz Großen.

Es kommt derzeit öfter vor, dass Leon Draisaitl über Dirk Nowitzki redet. Zwar hat der Eishockey-Profi der Edmonton Oilers den Basketball-Star von den Dallas Mavericks noch nie getroffen, dennoch wird er von kanadischen und amerikanischen Journalisten auf seinen prominenten Landsmann angesprochen. In Nordamerikas Profiligen ist die Zahl deutscher Athleten schließlich recht übersichtlich. Und deshalb muss Draisaitl nach seinen starken Leistungen in dieser Saison schon mal ersten Vergleichen mit Nowitzki standhalten - auch wenn diese natürlich noch reichlich verfrüht kommen.


“German Gretzky”

Wayne Gretzky
Eishockey-Legende Wayne Gretzky Quelle: ap


Nowitzki sei in Deutschland ein Superstar, an seinen Stellenwert kämen nur einige Fußballer ran, erklärt Draisaitl. So wie der Ausnahme-Basketballer aus Würzburg einst als kommende, schillernde deutsche Figur in seiner Sportart angesehen wurde, steht nun der erst 20 Jährige als Kufencrack aus Köln für die Zukunft des deutschen Eishockeys. Nowitzki war einst das “German Wunderkind”, Draisaitl wird in deutschen Medien schon mal als “Eis-Nowitzki” oder auch “German Gretzky” bezeichnet.

Letzterer Vergleich mit Wayne Gretzky, dem wohl bekanntesten Spieler der Eishockey-Geschichte und ehemaligen Star der Oilers, könnte bei manchen in seinem Alter für Höhenflüge sorgen. Der Sohn von Ex-Nationalspieler Peter Draisaitl hingegen hebt nicht ab, sondern steht mit beiden Schlittschuhen fest und souverän auf dem Eis. Er beantwortet gedulig die Fragen nach seinen starken Auftritten, spricht dabei unaufgeregt und mit einem auffallend bescheidenen Unterton. Es wäre leicht für ihn, irgendwelche Statistiken anzugeben, die er bis zum Ende der NHL-Vorrunde Mitte April erreichen möchte. Doch Draisaitl macht derlei Versprechungen nicht. Ein Saisonziel? Nein, das habe er nicht. Er hoffe einfach, dass es so weitergehe, wie bislang.


Als Aushilfe gekommen


Denn bislang ist der Deutsche bei seinem Team die größte Überraschung der Saison. Als Aushilfe gekommen, als Torschütze und Vorbereiter gefeiert – so könnte man seine NHL-Spielzeit 2015/16 derzeit resümieren. Vor knapp zwei Monaten war das noch reine Fiktion. Die ersten zehn Saisonspiele der Oilers hatte der 1,86 Meter große Stürmer verpasst. Denn in Edmonton hatten sie damals keine Verwenung für Draisaitl, so dass dieser zu den Bakersfield Condors geschickt wurde, ins Farmteam, das in der American Hockey League (AHL) spielt.

Am 29. Oktober kam jedoch der Tag, der als wohl bislang entscheidender in seiner noch jungen Karriere gilt. Um 3:30 Uhr verließ Draisaitl in Bakersfield die Wohnung, stieg ins Flugzeug nach Edmonton. Die Oilers hatten Verletzungsprobleme, der talentierte Nachwuchsspieler aus dem Rheinland sollte aushelfen. Doch er war mehr als nur ein Ersatz. Beim 4:3-Sieg nach Verlängerung gegen den damaligen Spitzenreiter Montreal Canadiens schieß er zwei Tore, darunter den Siegtreffer. Und seitdem geht es für ihn kontinuerlich nach oben. Draisaitl hat in weniger Spielen (25) mehr Punkte (30) erzielt, als beispielsweise Superstar Sidney Crosby (22 in 32) von den Pittsburgh Penguins, der seit Jahren als bester Spieler der Liga gilt.


Lob vom Stanley Cup-Champion


“Ich wusste immer, dass ich auf dem Niveau spielen kann. Es war nur eine Frage der Zeit, meiner Meinung nach, wann das ist – ob nächstes Jahr oder dieses Jahr”, sagt der Center. Den Umweg über die AHL sieht er rückblickend als “hilfreich” an. “Als junger Spieler muss man einfach diese Wege gehen, um besser zu werden, Erfahrung zu sammeln. Und wie man sieht, hat es ihm geholfen. Leon spielt unglaublich und ist jetzt ein Leistungsträger”, sagt Dennis Seidenberg. Der Verteidiger der Boston Bruins und Stanley Cup-Champion von 2011 ist mit seinen 34 Jahren derzeit der älteste Deutsche NHL-Profi. Als er seine Nordamerika-Karriere 2003 bei den Philadelphia Flyers begann, musste er in den ersten beiden Jahren immer wieder in die AHL.

Während sich Seidenberg bereits im Herbst seiner Laufbahn befindet, steht Draisaitl erst am Anfang. Er gilt als das größte Talent des deutschen Eishockeys. Bei der jährlichen Draft, bei der in Nordamerikas Profiligen die Nachwuchsspieler verteilt werden, wurde er 2014 an dritter Stelle gezogen – und somit so früh wie kein anderer Deutscher, nicht einmal Nowitzki. Was der Würzburger Basketballer für seinen Sport in Deutschland getan hat, ist bekannt. Draisaitl, so heißt es, könnte ähnliches für das Eishockey erreichen. Er weiß das – und er ist bereit, sich dieser Aufgabe zu stellen. “Wenn ich es schaffen kann, Kinder in Deutschland dazu zu bringen, mehr Eishockey zu spielen, würde es mich riesig freuen.”

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