Update am Morgen: Belarus - im Schatten des Ukraine-Kriegs

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    Update am Morgen:Belarus und der Schatten des Ukraine-Kriegs

    von Anne Gellinek
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    Anne Gellinek

    Guten Morgen,

    Heute beginnt der Prozess gegen den belarussischen Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki, der seit anderthalb Jahren im Minsker Untersuchungsgefängnis Nr. 1 einsitzt. Als einer von knapp 1.500 politischen Häftlingen, wie die von ihm gegründete belarussische Menschenrechtsorganisation "Wjasna" inzwischen gezählt hat. Mit der Anklage gegen den hageren Literaturwissenschaftler hat sich die Staatsanwaltschaft kein besondere Mühe gegeben: Ihm wird der "Schmuggel von großen Mengen Bargeld" und die "Finanzierung von Gruppenhandlungen, die die öffentliche Ordnung grob verletzen" vorgeworfen. Gemeint ist wohl die Teilnahme an Demonstrationen gegen Diktator Lukaschenko. Bjaljazki drohen bis zu 12 Jahren Haft, seine Bürgerrechtsorganisation ist längst als "extremistisch" verboten und auf einen fairen Prozess kann er nicht hoffen.
    Ein Grund mehr für uns hinzuschauen. Denn die Bürger von Belarus sind gleich auf doppelte Weise Opfer von Wladimir Putin Krieg. Seit dem Einmarsch der russischen Armee in die Ukraine hat die Aufmerksamkeit für ihre Proteste in Belarus stark abgenommen, Alexander Lukaschenko kann seine Unterdrückungspolitik ungehindert fortsetzen. Außerdem nutzte Putin schon einmal das belarussisch-ukrainische Grenzgebiet als Aufmarschplatz für seine - gescheiterte - Offensive auf Kiew im letzten März. Die Angst in Minsk, in diesen Krieg hineingezogen zu werden, ist also real.
    Alexander Lukaschenko aber kann sich dem großen Bruder Russland nicht entziehen: Er ist auf Gedeih und Verderb auf Putins Sieg in der Ukraine angewiesen. Ohne dessen Unterstützung (und billiges Gas aus Russland) kann Lukaschenko sich kaum an der Macht halten. Und wenn die Ukraine es tatsächlich schaffte, die russische Armee zu schlagen, wäre wohl auch die von Russland gestützte Schreckensherrschaft in Belarus am Ende. Darauf jedenfalls hoffen Ales Bjaljazki und seine Mitstreiter in den Gefängnissen von Minsk, im Untergrund und im europäischen Exil.
    Einen Tag voller Zuversicht wünscht Ihnen
    Anne Gellinek, stellvertretende ZDF-Chefredakteurin

    Was im Ukraine-Krieg passiert ist

    Ukraine muss bei Rückeroberungen priorisieren: Aus Sicht der Ukraine steht das Jahr 2023 im Zeichen der Rückeroberung der besetzten Gebiete. Wegen begrenzter Ressourcen muss die Regierung in Kiew aber Prioritäten setzen. Sie kann weiter auf westliche Militärhilfe zählen.
    USA erwägen Lieferung von Schützenpanzern an die Ukraine: Die US-Regierung zieht die Lieferung von Schützenpanzern des Modells "Bradley" an die Ukraine in Erwägung. Die gepanzerten Kettenfahrzeuge verfügen laut US-Militär normalerweise über eine Kanone, ein Maschinengewehr sowie panzerbrechende Raketen.
    US-Präsident Joe Biden bejahte am Mittwoch die Frage eines Reporters, ob die Lieferung der Schützenpanzer an die Ukraine von der Regierung erwogen werde. Er nannte keine Einzelheiten.
    Frankreich will "leichte Kampfpanzer" liefern: Zur Verteidigung gegen Russland bekommt die Ukraine weitere militärische Hilfe. Frankreich sagte Kiew die Lieferung "leichter Kampfpanzer" zu. Dabei soll es sich um den Spähpanzer AMX-10 RC handeln.
    Weitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine.

    Was heute noch wichtig ist

    Totenmesse für Papst Benedikt XVI. in Rom: Heute wird erstmals ein Papst beerdigt, dessen Nachfolger bereits im Amt ist. Um 9.30 Uhr wird Papst Franziskus auf dem Petersplatz die Totenmesse für seinen Vorgänger leiten. Sie können das Requiem ab 9:05 Uhr bei uns im Livestream verfolgen.
    Bund-Länder-Arbeitsgruppe berät über Krankenhausreform: Bei der Schaltkonferenz geht es um die konkrete Umsetzung von Vorschlägen einer Expertenkommission zur künftigen Klinikstruktur in Deutschland und zur Finanzierung der rund 1.900 Krankenhäuser.
    Aktuelle Corona-Zahlen und -Grafiken zur Situation in Ihrem Landkreis und zur allgemeinen Lage in Deutschland.

    Zahlen des Tages

    2.737 Meter. So lang ist die Golden Gate Bridge in San Francisco. Heute vor genau 90 Jahren war Baubeginn der ikonischen Brücke an der Westküste der USA. Gekostet hat der Bau, der vier Jahre dauerte, damals 35 Millionen Dollar. Umgerechnet wären das jetzt mehr als 1,5 Milliarden. 227 Meter ragen die Türme über der Wasseroberfläche auf.
    Auf den Bildern ist die Golden Gate Bridge in verschiedenen Stadien ihres Bestehens zu sehen.
    Quelle: dpa

    Weitere Schlagzeilen

    Ein Lichtblick

    Seit dem 1. Januar müssen gesetzlich Versicherte ihre Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung weder an die Krankenkasse noch an ihren Arbeitgeber übermitteln.
    Weniger Papierkram bei Krankmeldungen

    Die Nachrichten im Video

    Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden27.02.2024 | 1:50 min
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    So wird das Wetter heute

    Der Donnerstag bringt viele Wolken und etwas Regen, zwischendurch kann die Wolkendecke aber auch mal auflockern. Den meisten Sonnenschein gibt es an der Nordsee. Im Osten und auf den Bergen weht ein stürmischer Westwind und die Temperaturen steigen auf milde 8 bis 14 Grad.
    Wetterkarte: Vorhersage für den 05.01.2023
    Quelle: ZDF

    Zusammengestellt von Jan Schneider
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